Folge 150 – Die endgültige Innenperspektive: Thomas Römer, das Zentrum des Hobbys (Interview)

Zum Folgenjubiläum präsentieren wir mit stolzgeschwellter Brust ein Interview mit dem Mann, der im letzten Vierteljahrhundert die Fäden des deutschen Rollenspiels so emsig und so wirkungsstark gesponnen hat wie kein Zweiter: Der legendäre Thomas Römer!

Cast: Martin, Thomas Länge: 01:09:39

Inhalt:
06:36 vom Fan zum Chef, easy: unaufgefordert Manuskripte einsenden
19:54 Theaterdonner, dumpfes Trommeln, Riffs: Aventurien entsteht!
24:20 Kreativität und Kampfregeln: moderierte Meinungsvielfalt
29:56 Akzentsetzungen: die Philosphie hinter der Weltgestaltung
32:18 Simulationismus? Von wegen! Fantastischer Realismus!
42:50 Regioband 7, Seite 120, Wort 8? Wie bibelfest ist ein Chefredakteur?
47:07 Kaffee, Konfekt, Fanpost, Bornland vernichten: der Arbeitsalltag
51:08 Fans in Foren: Feedbackschleifen in der Steinzeit
57:45 Metaplot vs Kalender: fantastische Welten in Echtzeit steuern 

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Malmsturm, die Fundamente (Uhrwerk Verlag)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Erzähle uns in den Kommentaren bis zum 19.07.2020, 24 Uhr eine deiner Erinnerungen an die Rollenspiel-Frühzeit oder stelle Thomas Römer eine Frage.

Links:

Thomas Römer, the man himself
Mysteria Arcana
Diskette
Tekumel
einer der beiden DSA-Komplettsammler
Vinsalts DSA-Forum (ein Schatten seiner selbst!)

Download der Folge als mp3 ] [ Archiv ]

25 Gedanken zu „Folge 150 – Die endgültige Innenperspektive: Thomas Römer, das Zentrum des Hobbys (Interview)

  1. Fair warning: Die Aufnahmequalität ist nicht so pralle, wir hatten zähe technische Probleme. Aber hey, so ist das Leben! 🙂

  2. Sehr schöne Folge zum Jubiläum, Lieblingspodcast!
    Herzlichen Glühstrumpf zum 150. … Erscheinen.

    Diese Interviews mit den Pionieren oder Wegbereiter des RSP in Deutschland sind immer Nostalgie pur.

    … und Susi Michels kenne ich nur als Droska Donnerschlag

    • Ich erinnere mich noch daran, wie Susi uns alle auf der allerersten Katlenburg (1995) mindestens eine halbe Stunde lang auf dem Kopfsteinpflasterboden des ehemaligen Stalls hat knien lassen… das Kurzschwert der Schwerter duldete keine Weichheiten! Als zwergischer Graf war sie aber auch toll.

  3. Hallo Thomas,

    ich habe mehrere, teilweise etwas provokante Fragen:

    1. Du hast gesagt, dass du die rote Box von D&D bespielt hast. Wie sehr hat dir das im Vergleich zu DSA1 gefallen? Wenn du auf Moorcok stehst, müsstest du dich doch eigentlich bei D&D mit den Gesinnungen (vor allem bei der Beschränkung der roten Box auf Chaos, Neutralität und Ordnung) und weiteren Aspekten wohl gefühlt haben, oder?
    2. Hast du später weiterhin auch D&D gespielt, oder nur DSA?
    3. Habt ihr in der DSA-Redaktion auch darauf geschaut, was andere Rollenspiele machen (im Sinne von „Ah, das macht die Konkurrenz“ und für die eigene Rollenspielbildung), oder habt ihr mehr euer eigenes Ding gemacht?
    4. Fun-o-Fun-Bonusfrage: Was war die absurdeste Regelfrage, die du am Regeltelefon beantworten musstest?

    • Hallo Tegres!
      ad 1 und 2) Die Box hat mir damals recht gut gefallen, aber wir haben uns recht früh in der Gruppe für DSA entschieden. Was mich damals an D&D gestört hat, waren die teils völlig arbiträr verteilten Fallen. Ich bin aber mit D&D3 wieder ne Zeitlang eingestiegen und war auch kurz in der deutschen RPGA, aber nix bleibendes. Die Gesinnungen fand ich aber schon immer etwas seltsam (freundlich formuliert) – was in Romanen passt und gut beschrieben werden kann, muss nicht unbedingt für’s P&P tauglich sein. Aber darüber könnte man länger philosophieren. (Und eine Reduktion auf die Chaos-Ordnung-Achse ist schon mal produktiver als die neun-Alignment-Matrix.)
      ad 2) s.o.; ich habe neben DSA in den Neunzigern vor allem Shadowrun gespielt, bin aber spätestens nach dem Millennium wieder größtenteils zu meiner alten Liebe, den SF-Spielen gewechselt.
      ad 3) klar; zumindest etliche von uns haben auch immer bei „der Konkurrenz“ oder eher unbekannteren US-RSPs reingeschaut.
      ad 4) Ehrlich? Weiß ich nicht mehr, hat sich nicht so eingebrannt. Klar gab es jede Menge Munchkins, die ihre Power-Fantasien abgesegnet haben wollten, aber so wirklich absurde Dinger waren selten dabei.

      • Vielen Dank für deine Antworten.

        Ja, die Dreiteilung „Chaos“, „Neutralität“ und „Ordnung“ macht aus meiner Sicht wesentlich mehr Sinn und ist interessanter, als die Ergänzung der Achse „gut-böse“.

  4. Ach ja, der Thomas. „Mein“ Chefredakteur bei meinem Myranor-Abenteuer und beim Myranor-Hardcover. Und – Jahre später – derjenige, der dafür gesorgt hat, dass mein Splimo-Abenteuer zum ersten Mondsplitter wurde. Ohne Thomas wäre das alles sicherlich nicht so gekommen. Also .. danke, Thomas Römer!

  5. Erst mal herzlichen Glückwunsch zu 150 Folgen des besten Rollenspiel-Podcast aller Zeiten! 😊
    Ihr habt es geschafft immer unterhaltsam zu sein und dabei bei allen Themen auf den Punkt zu kommen. Ich freue mich schon auf die nächsten 150.

    Auch diesmal ist es eine Folge mit viel Nostalgie und irgendwie habe ich das Gefühl, dass in letzter Zeit an vielen Stellen offline und online die Rollenspieler-Erinnerungen, vor allem an das 20. Jahrhundert, hoch im Kurs stehen. Mir soll´s recht sein, denn ich erinnere mich auch gerne an die Anfänge. Das Interview mit Thomas Römer, als wichtige Person deutscher Rollenspiel-Geschichte, war auf jeden Fall interessant und ich hoffe, der Eskapodcast schafft es auch noch weitere Gespräche mit ähnlich (ehemals) einflussreichen Personen zu führen.

  6. Hallo Thomas,

    ich hätte da zwei Fragen an dich:

    1) Ich bezweifle, dass du dich daran erinnerst, aber kurz nachdem Frank Heller recht öffentlich die Flinte in Korn geworfen und das Rollenspiel für aussterbend erklärt hatte, (ist nicht gut gealtert, die Aussage) führte ich ein Interview mit dir, wie die Einsteiger zu kriegen seien. Damals sahst du die größte Hoffnung in den Fans, weil Verlage da wenig bewirken könnten.
    Siehst du das immer noch so? Wie hat sich da die Position der Verlage verändert, vermutlich auch durch Youtube usw.?

    2) Ich stelle immer wieder fest, dass ich als Naturwissenschaftler ganz anders leite als SLs aus anderen Berufsgruppen. Wie siehst du dich da als ehemaliger Physiker?

    • ad 1) Ja, mittlerweile würde ich den Präsentations- und Interaktionsmethoden des Internets (namentlich entsprechende Kanäle mit Let’s Plays und dem Crowdfunding als Marketinginstrument) eine stärkere Rolle als dem klassischen Fandom zuweisen. Und wenn die Verlage das aufnehmen und sich insgesamt erneuern, dürften sie weiterhin eine starke Rolle spielen.
      ad 2) Definitiv haben da unterschiedliche Sozialisierungen und Werdegänge auch einen unterschiedlichen Zugang zum Spielleiten. Für mich ist definitiv eine entdeck- und erklärbare Welt wichtig, was mit Sicherheit aus meinem naturwissenschaftlichen Hintergrund kommt.

  7. Hallo Thomas,

    du hast erwähnt, dass du dich u.a. für die Tekumel Romane interessiert hast (Tekumel selbst ist ja auch verlinkt). Die Welt von Tekumel ist ja so ziemlich maximal weit weg von der generischen europäisch-mittelalterlich inspirierten Rollenspielwelt. In wie weit ist davon tatsächlich was in deine Arbeit bei DSA eingeflossen?

    • Eigentlich nix. Ich hab’s eher erwähnt, weil die Entwicklungslinie des Rollenspiels in DE halt historisch eher zu EPT als zu D&D führt. (Letzteres kommt halt dann durch die Übersetzungen der Red Box und der damaligen Abenteuer wieder rein.) Und ich habe ja auch erst später zu Tekumel gefunden (auch nicht so intensiv, aber es ist ja eine sehr spannende Welt mit ganz viel Input, und Barkers Spielrunde hat ja auch ur-lange gehalten) – damals hatte ich nur den Goldmann gelesen.

  8. Hallo!
    Glückwunsch zum Jubiläum!

    Ich hätte ne Frage an Thomas:
    Wenn ich dich richtig verstanden habe, magst du keine „vom Schicksal erwählten“ Helden. In DSA 5 und vor allem Splittermond ist aber jede Spieler-Figur als genau das definiert. Wenn nicht erwählt, dann doch wenigstens als Splitterträger vom Schicksal begünstigt.
    Kannst du ausführen, wie es dazu kam?
    Zu Zeiten des DSA 5 Releases hatte ich mir selber Gedanken über dieses Thema gemacht:
    https://ackerknecht.wordpress.com/2015/01/19/zum-helden-geboren/

    Besten Dank und beste Grüße
    A.

    • Naja, ohne es abwerten zu wollen – bei Splimo sind die Abenteurer (und etliche der Antagonisten, auch das sollte nicht vergessen werden) dann doch eher „vom Schicksal ein bisschen begünstigte Dutzendware“ und nicht die singulären Figuren, an denen das ganze Universum hängt. Zumal sie ja auch nichts von einer eventuellen „Bestimmung“ wissen.
      (Mit der Kosmologie von DSA5 hab ich mich nie beschäftigt – bei 4 warst du ja eher Held, weil du heldenhafte Taten vollbracht hast, also „above and beyond“ deiner Prägung als Zuckerbäcker gehandelt hast.)

      • Wenn du aber auf Schicksalspunkte abzielst – das sind (sollten sein) Instrumente des Metaspiels. Gummipunkte jedweder Art sollten mE in der Hand des Spielers / der Spielerin liegen und eine stellen eine Form der Kontrolle über die laufende Erzählung dar. Bei Splimo haben wir sie mit ein bisschen Flavor versehen, aber wie oben schon erwähnt, sollten sie innerhalb der Welt eigentlich nicht thematisiert werden.

  9. Hallo Martin, hallo Thomas, vielen Dank für diese Folge, für meinen Geschmack hätte sie gerne noch ausführlicher sein können. Bin sehr gespannt auf die Theorie-Folge. Aus meiner Sicht als DSA3-Spieler ist die simulationistische Philosophie in DSA3 sehr gut erkennbar (kohärent würde der Forger sagen), in DSA4 sind dann aber einige Aspekte hinein gekommen, die sich in diese Philosophie nicht einfügten. Dazu mehr zu erfahren, fände ich spannend!

    Ich hätte auch noch eine Frage an Thomas, wo hier gerade die Chance da ist: Du hast ja RuneQuest kurz erwähnt, ich hatte bei DSA3 immer den Eindruck, dass es viel mehr RuneQuest als D&D sein wollte. War RuneQuest da als Inspiration von Bedeutung, oder hat sich das einfach zufällig in eine ähnliche Richtung entwickelt?

    • Hm, ich glaube, das einzige, was wir ziemlich straight übernommen haben, war die aktive Parade. Aber das ist eigentlich noch vor meiner DSA-Zeit.

  10. Hallo Thomas,
    du als Entwickler der G7:
    Wann können wir mit einer ähnlich coolen Kampagne für Splittermond rechnen, die bahnbrechend den Metaplot verändert und sich auf Jahrzehnte in die Köpfe der Spieler brennt?

  11. Während ich euch so zuhöre, merke ich, welche Stimme mir auf den Allaventurischen Konventen der vergangenen Jahre (auch) gefehlt hat, seit Thomas nicht mehr für DSA arbeitet. Schön, seinen Klang und besonderen Duktus mal wieder zu vernehmen.

  12. „jeder natürlich was sagen will und Tom Finn zweimal …“ 🙂 🙂

    Was wahr ist, muss auch gesagt werden! 🙂 – Meine Güte, ist das schon wieder lange her, dass ich mit Tom am selben Ort war. Thomas, beacker ihn mal ordentlich, mal wieder an einem Frühjahrstreffen nach Sp. zu kommen! Ich vermisse ihn ein wenig.

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