Folge 107 – Die Deutsche Lovecraft Gesellschaft: Im Bann des dunklen Meisters (Interview)

Wenn man jemanden trifft, der Cthulhu kennt, weiß man gleich: Mit diesem Mann kann man arbeiten. Denn H.P.Lovecraft und sein Werk – beide gehören uns Nerds. Christian Heißler, Vorstand der Deutschen Lovecraft Gesellschaft, steht uns heute ein weiteres Mal Rede und Antwort, um die dunkelsten Geheimnisse um den großen Meister der Schauerliteratur zu lüften. Iä, iä!

Cast: Martin, Christian Länge: 00:55:25

Inhalt:
02:55 H.P.Lovecraft: Schauerliteratur vom Gentleman für Gentlemen
07:09 die beste cthulhoide Geschichte aller Zeiten: „Das Ding aus dem Wahnsinns“
18:03 ein Schriftsteller, zu arm für ein Smartphone: 90 000 handschriftliche Briefe
24:29 Hermeneutik und Rassismus: Kann man Lovecraft unbelastet genießen?
34:58 ein Übermaß an Zitroneneis und Adjektiven: Wird Lovecraft überbewertet?
45:10 wenig Text und gigantischer Impact: der große Wellenschlag des H.P.Lovecraft
50:52 Plüschtiere und Nihilismus: Cthulhu zwischen Kult und Kitsch

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: The Two Headed Serpent, alle Ausgaben des Lovecrafter Magazins
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games), dLG
Beantworte in den Kommentaren bis zum 25.11.2018, 24 Uhr, die folgende Frage: „Welche Erfahrungen hast du mit H.P.Lovecraft und seinen Texten gemacht?“ oder stelle Christian Heißler eine Frage (vozugsweise zu H.P. oder seinem Werk:) ).

Links:
Die Leseliste der Deutschen Lovecraft Gesellschaft
H.P.Lovecrafts Bibliotek des Schreckens (Festa Verlag)
Das Leben und das Schreiben (Stephen King)
The Terror (Buch und Serie)
Cthulhu Wars
Literatur der Angst (suhrkamp)
Metal meets Lovecraft
Pans Labyrinth (imdb)
Englische Volltexte von H.P.Lovecraft

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25 Gedanken zu „Folge 107 – Die Deutsche Lovecraft Gesellschaft: Im Bann des dunklen Meisters (Interview)

  1. Welche Erfahrung habe ich mit Lovecraft und seinen Texten gemacht.

    Die erste Begegnung mit Lovecrafts Texten war „Die Katzen von Ulthar“ aus einem Suhrkamp-Band, dessen Namen ich nicht mehr weiß.
    Ich habe mich echt gefürchtet, aber weil es so gruselig war habe ich gleich weitergelesen und habe mich dann gleich weiter gefürchtet. Ein Teufelskreis.

    Die geschilderte Bedeutungslosigkeit hat echt gewirkt.

  2. Die ersten Erfahrungen mit Lovecraft hatte ich, wie wahrscheinlich viele andere Höhrer, übers Rollenspiel wo Lovecraft bei den Inspirationen oder gleich als eigenes System auftauchten. Also besorgte ich mir ein Buch mit dem Ruf des Cthulhu und nahm es mit um es Abends beim Nebenjob als Nachtwache zu lesen… als Nachtwache in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen. Keine Irrenanstalt, eher ein betreutes Wohnen. So lag ich dann auf dem Bett, die Nachtischlampe an und begann zu lesen. – Was waren das für Schritte auf dem Flur? Wer kam da näher?…..
    Keine Ahnung wie oft ich das Lesen unterbrechen musste. Es lag nur selten an den Bewohnern. Einfach gut geschrieben, dichte Atmosphäre und die Angst vor dem Unbeschreiblichen trieben mich dann doch an immer wieder weiter zu machen. Seit dem steht die auf zwei Büchern verteilte Chronik des Cthulhu-Mythos von Festa im Regal 🙂

    https://www.amazon.de/Chronik-Cthulhu-Mythos-H-P-Lovecraft/dp/3865521444
    https://www.amazon.de/Chronik-Cthulhu-Mythos-II-H-Lovecraft/dp/3865521452

    @Christian Heißler: Welche filmische Umsetzung zu Lovecrafts Werken gefällt Dir am besten, bzw. kannst Du empfehlen?

    • Direkte Umsetzung ganz klar „Die Farbe“ von Huan Vu und „The Call of Cthulhu“ von der The H. P. Lovecraft Historical Society (HPLHS). Wenn es kein direkter Lovecraft-Bezug sein muss, die Stimmung aber einfängt, dann „Die Mächte des Wahnsinns“ und „Shutter Island“.

  3. Meine Begeisterung für Lovecrafts Werk lässt sich wohl mit einem Foto ausdrücken. Wir waren in Providence, RI und natürlich besuchte ich sein Grab:

    https://web.facebook.com/photo.php?fbid=10156178838258005&set=gm.10156462993443076&type=3&theater

    (Übrigens allgemein ein sehr schöner Friedhof. Kann man sich auch so gut ansehen.)

    Ich muss aber gestehen, dass ich Lovecrafts Werk besser finde als die Summe seiner Texte. Es gibt Geschichten von ihm, die man auch heute noch sehr gut lesen kann. („The Case of Charles Dexter Ward“ ist definitiv lesenswert.)
    Aber viele sind aus heutiger Sicht auch wirklich nicht toll.

    Doch hier gilt nun einmal: Heute wirken Dampfmaschinen auch nicht so beeindruckend, aber damals revolutionierten sie die Welt.
    Und was Lovecraft lostrat, wirkt eben bis heute nach, das ist unabstreitbar. Ich liebe das Cthulhu-Rollenspiel. Und Hollywood ist voll vom Mythos – sehr zu seinem Vorteil.

      • Im Horror-Bereich kann ich wirklich „The Case of Charles Dexter Ward“ empfehlen. Das Buch ist nicht nur spannend, es führt auch Lovecrafts Konzept sehr gut vor: Dass die Welt so furchtbar ist, dass schon das wahre Wissen über sie einen in den Wahnsinn treibt.
        (Das scheint mir übrigens die Neuerung von Lovecraft gewesen zu sein. Dass die Welt sinnleer ist, das bemerkten vor ihm schon viele. Aber dass sie so absonderlich ist, dass nicht die Welt einen kaputt macht, sondern die _Erkenntnis_ darüber bereits gefährlich und zerrüttend ist, das war schon irgendwie neu.)

        Im typischen Phantastik-Bereich mag ich sehr gerne „The Quest of Iranon“. Eigentlich ist das Teil ziemlicher Kitsch und für heutige Leser die Auflösung am Ende ziemlich vorhersehbar.
        Aber als ich das las, hatte ich gerade mein Abi gemacht und wartete auf den Beginn meines Studiums. Und das Thema, aus dem Paradis der Jugend verstoßen worden zu sein und nie wieder zurückkehren zu können, das holte mich in jenem Moment schon sehr ab,

  4. Tja. Dann erzähle ich das einfach mal…
    Als ich Lovecraft in jugendlichem Alter kennengelernt habe, begann ich erst einmal unbefangen ein wenig zu schmökern. Vieles konnte ich nicht ernst nehmen: Bescheuerte Namen, Verschwörungstheorien, Vorausdeutungen mit dem Holzhammer, die meisten Stories steuern vorhersehbar und linear auf das Verderben zu… naja… Spannung sieht anders aus, dachte ich damals. Trotzdem war das eine Weile lang brauchbare Unterhaltung für mich, ich war eher amüsiert als gegruselt. Wir haben auch ein paarmal „Call of Cthulhu“ gespielt, was sich für mich ähnlich anfühlte und ganz in Ordnung war.
    Das veränderte sich, als ich das Nachwort des „Lovecraft Lesebuchs“ aus dem Suhrkamp Verlag, „H. P. Lovecraft: Anhänger der Dekadenz aus New England“ von Barton Levi St. Armand, las. Der Mann will seinen Lesern einen intimeren Einblick in die Intentionen und die Psyche Lovecrafts vermitteln. Um ehrlich zu sein: Ich war angeekelt. Ich konnte nach dieser Lektüre keine Lovecraft Werke mehr genießen. Auch Call of Cthulhu und verwandte Rollenspiele waren passé.
    Inzwischen gibt es allerdings soviel Lovecraft im Rollenspielbereich, dass ich doch nicht mehr völlig daran vorbei schauen kann. Es existiert dort ja inzwischen auch eine etwas pulpigere Lovecraft-Version (Pulp ist auch nicht unbedingt meins, aber als Alternative zum eingleisigen Weg ins Verderben konnte ich das immerhin schätzen). Darüberhinaus gibt es auch Szenarien, in denen keine Mythosmonster auftauchen und die überhaupt nur einen ganz lockeren Bezug zu Lovecraft haben. Solche Sachen sind hin und wieder drin für mich.
    Kosmisches Grauen ist übrigens in Ordnung für mich. Wenn´s aber dabei bleibt, dann nervt´s mich irgendwann. Wird eigentlich irgendwo erklärt, wie jemand zum Kultisten wird? Warum beim Schrecken stehen bleiben? Warum nicht mal einen Versuch in kosmischer Demut?

  5. Wie im letzten Video schon erwähnt bin ich ein Lovecraft-Newbie und Horrorschisser.
    Ich bin durch das FFG – Brettspiel Villen des Wahnsinns (2.Edition) drangekommen und muss sagen, dass mich die Fremdartigkeit und die Übermacht der Kreaturen sowie die Geschichte und das Setting total gepackt haben. Habe jetzt mit dem Pnp Call of Cthulhu angefangen, dass mich auch als Spieler total anfixt und mir Gänsehaut verpasst.

  6. Also ehrlich gesagt finde ich den Schreibstil von Lovecraft sehr anstrengend.
    Ich habe versucht Der Ruf des Cthulhu und Berge des Wahnsinns zu lesen, aber beides abgebrochen, da ich seine Art wirklich schrecklich finde.
    Irgendwie tut es mir ja leid, da er wirklich großes geschaffen hat, aber trotzdem kann ich mich nicht durchringen es zu lesen (anders ging es mir beim Herrn der Ringe, dessen Stil ja auch manchmal anstrengend ist).

  7. Hi.
    Erst Mal vielen Dank für diese zwei Folgen.
    Ich bin auch über Steven King zu Lovecraft gekommen und habe aus der Bücherei dann ein paar Bücher gelesen.
    Mit der Zeit habe ich ihn dann aus den Augen verloren.
    Und habe seine Geschichten dann über das Rollenspiel wider entdeckt.
    Wir spielen in einer festen Gruppe seit fast 14 Jahren.
    Eine gute, alte (2011) Zusammenfassung mit Lovecraft und Metall hatten die Jungs von den Collaborativerockers in Ihrem Podcast. (Leider machen die nix mehr)
    http://www.collaborativerockers.de/2011/09/folge-xiii-cthulhus-erbe-cr013/

    PS: Mit Lamentation of the Flame Princes und dem extrem geilem Abenteuer A Red and pleasant Land habe ich meine Spielgruppe derartig verschreckt, das sie das Abenteuer nicht zu Ende Spielen mochten 😉

  8. Ich würde Christian mal gerne fragen wollen, ob er weiß, wie man noch andere Lovecraft Fans, die zwar Cthulhu aber noch nicht das P&P kennen, heranbringen kann an das Hobby.
    Ich habe damals als Steppke zwar die Festa Bücher gelesen, aber mit Verachtung die Tabellenwerke von Pegasus stehen gelassen, weil ich nicht wusste, was das ist.
    Heute ärgere ich mich schwarz, dass ich nicht schon mit 15/16 zugegriffen haben.

    Wie erreichen wir solch „wertvolle“ Kundschaft, die noch nichts von ihrem Glück wissen?

  9. – Welche Erfahrungen hast du mit H.P.Lovecraft und seinen Texten gemacht?
    1. Die Geschichten sind super unterhaltsam
    2. Wenn David Nathan die Texte liest, kann man super einschlafen. ;P
    3. Man kommt mit Hilfe von H.P. Lovecraft super in Gespräche mit anderen Leuten, weil in mein Kreisen fast jeder Lovecraft oder zumidest Cthulhu kennt.
    4. In der heutigen Popkultur sind so viele Anspielungen auf den Mythos vesteckt, die man als nicht Lovecraft-Kenner gar nicht so sieht. (Simpsons, Southpark, Family Guy, Heavy Metal, Nacht der lebenden Looser, Armee der Finsternis, Brettspiele, …)

  10. Mein erster Berührungspunkt mit Lovecraft war als Schüler der Film „Die Mächte des Wahnsinns“. Ich finde den Film bis heute grandios. Daraufhin habe ich mir die ersten Suhrkamp Büchlein besorgt und fand die Berge des Wahnsinns mäßig spannend, wohingegen die Traumreise für mich wirklich gut funktioniert hat und ich mich an meine eigenen Träume erinnert fühlte. Nicht inhaltlich, sondern wie sich Ortswechsel etc. in Träumen abspielen.
    Später kaufte ich die erste Übersetzung von Pegasus Press sowohl in der limitierten Fassung als auch als normales Hardcover. Die limitierte Fassung verstaubt seit dem, was schade ist, spätere limitierte Bände haben ja regelrecht Seltenheitswert entwickelt. Für meine damalige Runde war Cthulhu allerdings ein Kulturschock. Nachdem wir den P&P Einstieg mit DSA hatten und danach viel Shadowrun gespielt hatten, was mich ein wenig anödete, war die angedachten Vorgehensweise von Investigativen nicht… offensiv genug für meine Gruppe. Dennoch, seit 1999 stellen cthuolide Abenteuer die Mehrzahl meiner geleiteten Runden.

  11. Danke für die Tipps, „Die Musik des Erich Zann“ und „Ratten im Gemäuer“ haben mit wirklich gut gefallen. Als nächstes nehme ich mir dann „Das Fest“ vor.

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