Folge 27 – Die Welt von morgen

Science-Fiction! Utopien, Dystopien, Fantasien: fiktionale Stoffe von überreicher und unendlicher Fülle. Wir vertrösten uns nicht länger auf die Zukunft, sondern ventilieren verschiedene Visionen, die sich mit ihr beschäftigen – schon heute!

Cast: Martin, Holger, Robert, Sara Länge: 41:01

Inhalt:
04:51 zukunftsträchtig: verheißungsvolle Prämissen und reizvolle Szenarien
09:22 no future: zähe Brocken und Abturner
14:41 entgrenzt und unfasslich: neue Welten, Informationsflüsse, Technologien
26:57 Science-Fiction als narrative Wundertüte: Tropen, Bühnen und Erzählrahmen
33:01 als müder Meister die Matrix meistern müssen: Endlosigkeiten und Reduktionismus
33:54 Findet man auf dem Todesstern Plastiktüten im Mülleimer?
35:52 nur zehn Seiten Gemüsedetails: narrative Dichte & Handelsherr und Kiepenkerl
38:53 der Blick in die Kristallkugel & was die Zukunft wirklich bringen wird

Links:
Battlestar Galactica RPG
Firefly RPG
Shadowrun (5.Edition)
Mad Max im Eskapodcast
Das Schwarze Auge: Handelsherr und Kiepenkerl

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19 Gedanken zu „Folge 27 – Die Welt von morgen

  1. Ich habe eben die Folge angehört, und ich muss euch leider sagen, dass ich euch in fast jedem Punkt widersprechen möchte. In dieser Folge waren so viele Dinge, bei denen ich am liebsten aufgesprungen wäre, um laut „Nein!“ gerufen hätte, dass es fast schon anstrengend war, euch zuzuhören. 😉

    Zunächst mal hat für mich Science Fiction nicht zwingend etwas mit Zukunftsvisionen zu tun. Gut, die Folge bezog sich schon im Titel auf die Zukunft, von daher will ich das mal durchgehen lassen… Aber es gibt noch genügend andere Punkte, mit denen ich nicht übereinstimme.

    In eurer Diskussion kam auf, dass Science Fiction oftmals nur als Rahmen hergenommen wird, um ganz banale Geschichten zu erzählen (das Detektivabenteuer auf dem Raumschiff usw.). Ist das nicht überall so? Im Grunde geht es doch in fast jedem Setting um mehr oder minder alltägliche Themen, Gefühle und Bedürfnisse, die nur in einen anderen Rahmen gespannt werden. Ganz einfach, weil wir in einer bestimmten Welt leben und auf eine bestimmte Weise denken, und wir dem nicht entfliehen können. Egal, wie fantasievoll wir eine Geschichte verpacken, im Grunde geht doch alles auf Erfahrungen in unserer realen Welt zurück.
    Von daher ist für mich auch erst mal nicht die Handlung oder die Problemstellung relevant für die Einteilung in Science Fiction oder Fantasy, sondern allein die Gestaltung der Hintergrundwelt. Also z.B. ob man Unbekanntes durch Magie oder Technologie erklärt, ob fremde Wesen Drachen oder Aliens sind und ob man sich per Karavane über Monate hinweg durch die Wüste in die nächstgelegene Stadt bringen lässt, oder ob man in ein Raumschiff steigt und zum nächsten Planeten reist.

    Bei letzterem Beispiel auch gleich noch was dazu: Warum sind SciFi Welten so viel schwieriger im Rollenspiel zu behandeln als Fantasywelten? Gut, bei Martin weiß ich, dass keine Probleme hat, eine Geschichte z.B. mit Details aus der DSA Welt zu füllen. Aber für den normalsterblichen Rollenspieler, der frisch in eine Welt kommt, ist doch zunächst mal alles gleichermaßen unbekannt. Und ob er sich dann drei Bücher über das Mittelalter kauft, oder ob er drei Science Fiction Werke liest, ist doch erst mal egal. Um konkret auf eure Frage: „Wie viel Treibstoff braucht mein Raumschiff?“ zurück zu kommen: „Eine Tankfüllung“ halte ich hier für die richtige Antwort. 😉 Das ist dann genauso gut oder schlecht wie „drei Rationen“ als Antwort auf die Frage, wie viel Futter ich für mein Pferd im Fantasyabenteuer einpacken muss.

    Zum Thema Wissen: Für mich muss Wissen auch in einem SciFi Setting nicht in Unmengen sofort abrufbar sein. Es mag ja sein, dass das Wissen existiert, aber nur weil es existiert, muss man ja noch keinen Zugriff darauf haben. Und selbst wenn prinzipiell ein Zugriff auf die gewünschten Informationen möglich ist, bekommt man noch nicht automatisch das, was man will. Jeder, der schon mal Google benutzt hat, wird das bestätigen können.

    Dann noch etwas zu den Vorschlägen, wie man Science Fiction Welten interessanter machen kann, bzw. was dazu beitragen kann, dass die SciFi Welt als solche benutzt wird, und nicht nur Rahmen für eine ansonsten beliebige Handlung ist. Ressourcenknappheit? Ernsthaft? Nahrungs-, Wasser- und Treibstoffmangel findet man auch zu unserer heutigen Zeit in großen Teilen unserer realen Welt. Science Fiction? Ich fürchte nicht… (Nicht mal, wenn man den Holger mit seinem an der Hand festgewachsenen Smartphone dort hin stellt.)

    Ich könnt hier jetzt noch lange weiter machen, aber dann liest das keiner mehr. Daher handhabe ich das mal so wie Martin und sage einfach: „Hier wird es bestimmt auch nochmal eine extra Folge geben, in der wir näher darauf eingehen.“ 😉

    • Hi Cedi!

      Das soll natürlich nicht so sein, dass dich der Eskapodcast rundheraus aufregt. 🙂

      Bei ein paar Sachen kann ich deine Skepsis aber möglicherweise etwas lindern:

      – Science Fiction als Erzählrahmen: Es ist tatsächlich gut möglich, einen lauerndes-Monster-Plot oder einen Weltuntergangs-Plot im Rahmen von Sci-Fi zu erzählen, umgekehrt geht das aber in einem Wild-West-Setting nicht. Noch platter: Cowboyplot auf dem Holodeck – ja, Science-Fiction Plot 1880 in Deadwood – nein. Sci-Fi ist als Genre tatsächlich integrativer als andere Erzählrahmen.

      – Weshalb Sci-Fi im Rollenspiel deutlich unhandlicher ist als Fäntelalter: Weil wir in unseren Breiten Wissen um das Mittelalter tatsächlich voraussetzen können. Es gibt aber im Gegenzug dazu keine allgemeine Schulbildung zu „Alienkunde“ oder „Warpantrieb“. 🙂 Jeder weiß, was ein Hufschmied ist, „Maschinenpriester“ ist ohne weitere Aufklärung erstmal eine Leerstelle.

      – Ressourcenknappheit: Da ging es ja v.a. darum, dass oft Ressourcen verknappt werden, die üblicherweise eben nicht knapp sind: Bäume, Sauerstoff, unverstrahlte Menschen, Enten. Das ergibt dann durchaus ungewöhnliche Settings und damit arbeitet die Sci-Fi nicht selten.

      • Punkt 1: Ja, sehe ich ein. Man kann sich seine Science Fiction natürlich so zurechtlegen, dass man auf dem Holodeck den Cowboyhut aufsetzen und die Revolver auspacken kann. Das kann ich in einer Fantasywelt aber auch. Vielleicht sind die Revolver dann Zauberstäbe und das Holodeck eine magische Welt in der Kristallkugel, aber das Prinzip ist das gleiche. Wenn wir jetzt mal nur SciFi und Fantasy als Settings zulassen, dann halte ich die beiden zunächst für gleichwertig, was die Fülle an Möglichkeiten angeht. Wenn du mit „Wild-West-Setting“ einen Hintergrund meinst, der in unserer Welt um 1880 spielt und die Physik unserer Welt berücksichtigt, dann bist du natürlich eingeschränkter.
        Mir ging es jetzt vor allem um die Unterscheidung zwischen Fantasy und Science Fiction, die „normale“ Welt hätte ich jetzt mal außen vor gelassen. Bezieht man die aber auch mit ein, gebe ich dir natürlich recht.

        Punkt 2: Jein. Was genau willst du voraussetzen? Ja, viele Leute werden Zwerge, Elfen und Orks kennen, oder sich unter einer Rüstung, einem Schwert und einem Schild etwas vorstellen können. Könige, Drachen, Prinzessinen sind auch kein Ding. Aber das ist halt sehr allgemein und in meinen Augen auf dem selben Niveau wie „Raumschiff“, „(ferner) Planet“ und „Lichtgeschwindigkeit“. Bei Aliens gibt es vielleicht keinen Sterotyp, wie z.B. den Ork, aber zumindest auf oberflächlichem Niveau kann man meines Erachtens auch in Richtung Science Fiction einen Grundstock an Wissen voraussetzen.
        Wenn es jetzt ums Detail geht, dann meint man zwar viel mehr über das Mittelalter und die Antike zu wissen, als über Science Fiction, aber was davon stimmt denn? Vielleicht hat man ein bisschen Schulbuchwissen, dann weiß man, dass der Bauer eine arme Sau war, der König in einer gar nicht mal so schönen und im Winter ziemlich kalten Burg gewohnt hat, und die Entfernung von Stadt A zu Stadt B (sagen wir mal 20 km) unfassbar weit war. Alles, was man sonst „weiß“, stammt doch auch nur aus Film und Fernsehen, oder dem einen oder anderen Buch und hat im Allgemeinen nicht viel mit der Realität zu tun. D.h. der gemeine Mitteleuropäer stellt sich seine Fantasywelt vor wie „Der Herr der Ringe“, „Conan“, „Robin Hood“, oder „Troja“.
        Vor diesem Hintergrund kann ich mich doch auch mit meiner Rollenspielgruppe hinsetzen und sagen: „Passt auf, wir schauen heute Abend Bladerunner und Mad Max an, und so stellen wir uns dann unsere Science Fiction Welt vor.“ 😉

        Punkt 3: Ja, habe ich schon verstanden, aber das ist für mich nichts, was unbedingt Science Fiction erfordert. Man findet eine solche Thematik zwar häufig in der Science Fiction und ist vielleicht daran gewöhnt, aber eigentlich sehe ich keinen zwingenden Grund dafür. Viel mehr denke ich, dass dabei Probleme der realen Welt in ein Fiktives Setting übertragen kann, mit dem man sich eher identifizieren kann, als damit, den armen Bauern auf dem südafrikanischen Hochplateau (Mangel an Bäumen / Vegetation, Wasser), oder den Atemschutz tragenden Radfahrer in einer chinesischen Großstadt (verschmutzte / verseuchte Luft) zu spielen. (Gut, für Entenmangel habe ich kein Beispiel, die gibt es scheinbar überall…)
        Mein Punkt soll jedenfalls sein, dass bestimmte Elemente in der Science Fiction zwar typisch sind, aber eigentlich nicht essentiell und dass sie auch nicht zwingend dazu beitragen, „die Science Fiction zu spielen“. Wenn Wassermangel herrscht, muss ich halt zusehen, dass ich überlebe und irgendwo wieder Wasser finde. Egal, ob ich ein Lasergewehr bei mir trage und ein Smartphone in meine Hand eingebaut ist, oder ob ich Wanderstab und Schutzamulett bei mir habe. Das Problem ist immer das gleiche, aber das Setting entscheidet dann über die Details der Problemlösung (Terraforming vs. Kanalbau mit Hacke und Spaten, oder so).

        • Punkt 1: Die Welt in der Kristallkugel ist ein cleverer Ansatz. 🙂 Ich stimme dir zu, dass Fantasy ebenfalls „auch“ ultra integrativ ist. Ich nehme an, dass es u.a. deshalb ein immens erfolgreiches Genre ist. Das entkräftet allerdings die Aussage nicht, dass Sci-Fi integrativer ist als andere Genres.

          Punkt 2: Ich würde trotzdem bei meiner Aussage bleiben, dass es ein gesetzlich verpflichtendes „Generaltraining Mittelalter“ von mindestens einem Schuljahr Länge gibt, das die Vorstellungen ansatzweise homogenisiert und das so für die Sci-Fi fehlt.
          Irgendwo ist es aber auch ein ganz banales Praxisproblem. Sag du es mir: Gibts im Star Wars Universum Plastiktüten? Ich weiß es schlicht nicht.
          Für Midgard, Lorakis und Aventurien wüssten wirs hingegen. 🙂

          Punkt 3: Wir haben eben deshalb über eine Definition von Sci-Fi geredet, weil es keine (ordentliche) gibt. 🙂 Wir sind der Meinung, dass Sci-Fi sich aus einer Häufung bzw. durch eine Zusammenführung von gewissen Tropen ergibt. Davon haben wir mal ein paar relevante abgeklopft.

          Was ist denn deine Definition von Sci-Fi? Ich freue mich auch auf definitorische Vorschläge von anderen Mitlesern. Denn das ist doch eine tolle Frage, finde ich. 🙂

        • Ich beschränke mich mal auf Punkt zwei und drei.

          Punkt 2: Hier bin ich klar auf Seiten der Podcaster. Auch wenn unser Wissen über das Mittelalter vermutlich zu 90% falsch und verzerrt ist, so haben doch trotzdem die meisten das selbe Bild vor Augen, wenn es zB heißt „wie betreten ein mittelalterliches Dorf“. Da muss man sich nur kurz und ohne viel Aufwand abstimmen wies da aussieht. Anders ist das, wenn man sagt „wir betreten eine Raumstation“. Da können die Vorstellungen im Kopf jedes Einzelnen weit auseinander gehen finde ich. Von Schwerelosigkeit und beengtem Raum wie auf der ISS bis hinzu einem Komplex in dessen Inneren kaum vermuten lässt dass man überhaupt auf einer Raumbasis ist. Schlimmer noch „wir betreten ein Mutterschiff“. Das kann für den einen ein großes Kommandoschiff sein ähnlich der Battlestar Galactica, der andere denkt eher ein bioorganisches Alienschiff, dass das Hive-Bewusstsein bündelt. Man muss also schon mehr erklären. Und auch wenn man erst einen Film schaut und sich auf des dessen Setting einigt ist es immer noch erklärungsbedürftiger zu sagen „zu eurer Rechten befindet sich ein Laden für Kybernetikimplantate, als zu sagen „zu eurer Rechten befindet sich der Waffenschmied“.

          Punkt 3: Hier bin ich auf Cedrics Seite. 😉 Da gibt’s nicht mehr viel zu ergänzen.

          • Hoffentlich habe ich jetzt den richtigen „Kommentiere“-Button gedrückt…

            Punkt 1 (Martin): Gut, ich gebe mich geschlagen.

            Punkt 2 (Martin): Der homogenisierenden Wirkung der Schulbildung stimme ich zu, dazu aber gleich mehr.
            Plastiktüten im Star Wars Universum: Das ist tatsächlich eine schwierige Frage. Plastiktüten sind ja doch eher ein Gegenstand des zivilen Lebens, und davon sieht man in den Star Wars Filmen nicht viel (Bücher habe ich keine gelesen). Hier dominieren Militärbasen, Raumschiffe und Rebellenstützpunkte. Tatsächlich finde ich, dass man insgesamt wenig Plastik sieht (wenn ich mich hier an meinem Tisch umsehe, dann steht da einiges am Plastikkram rum, sowas fehlt bei Star Wars imho). Ich gehe aber einfach mal davon aus, dass es zumindest in Teilen des Star Wars Universums Plastik gibt und würde somit Plastiktüten auch nicht ausschließen. Wenn man sich die Szene in der Müllpresse des Todessterns anschaut, dann liegt da aber kein Plastik rum. Die Stormtrooper verpacken ihr Butterbrot also vermutlich nicht in Plastiktüten…
            Daher würde ich es situationsabhängig machen, ob es in der näheren Umgebung Plastiktüten gibt: Auf Endor (bewohnt von Ewoks und Stormtroopern): nein; auf Coruscant vielleicht schon.

            Punkt 2 (Max): Ja, so wie du das erzählst, hast du schon recht. Aber wenn es jetzt um ein konkretes Rollenspiel geht, dann hat das ja meist ein ganz spezifisches Setting. Wenn es Film-entlehnte Systeme sind, dann schaue ich mir mit der Rollenspielgruppe halt vorher den entsprechenden Film an. Das ist kein Aufwand und alle haben danach den gleichen Wissensstand bzw. die gleiche ungefähre Vorstellung von der Welt. Wenn es ein anders geartetes Setting ist, dann sagt eben der Spielleiter (oder wer auch immer das Regelwerk und die Beschreibung der Spielwelt gelesen hat) den anderen, was Sache ist. Das kann man dann ja mit Bildern unterstützen, die man von irgendwo anders geklaut hat.
            Eine kleine, gemeinsame Wissensbasis muss man vermutlich schon schaffen, aber sofern die Eckpunkte erst mal abgesteckt sind („ein Raumschiff ist mindestens 3 km lang“, „der unsterbliche Imperator hat immer recht“), sollte es auch nicht mehr Probleme mit verschiedenen Weltvorstellungen der einzelnen Spieler geben, als in einem Fantasyrollenspiel.

            Punkt 3 (Martin): „Science Fiction“ beschreibt für mich eine Welt („Welt“ durchaus auch im Sinne von „das beobachtbare / bekannte Universum“), die sich von unserer unterscheidet, wobei die Unterschiede vor allem technologisch bedingt sind (also keine Magie). Man muss dabei nicht jede Technologie im Detail erklären können, aber es muss irgendwo ein logischer bzw. nachvollziehbarer Aufbau zu erkennen sein.
            Ob das Ganze dann in der Zukunft, der Gegenwart oder gar der Vergangenheit spielt, ist für mich erst mal egal. Es müssen auch keine Aliens, Raumschiffe und Laserkanonen vorkommen.
            Aber es stimmt schon, es ist schwierig eine akurate Definition zu finden. Ich habe ein ganz klare Vorstellung davon, was (für mich) Science Fiction ist, aber es fällt mir schwer, das auf den Punkt zu bringen.

  2. Mich hat ein bisschen gewundert, dass bei der kurzen Diskussion um Star Trek – gerade im Zusammenhang mit „welches Setting mögt ihr nicht“ – keiner was gegen das beamen gesagt hat. Beamen finde ich ein ganz klassisches SciFi-Element, das aber jede Story gnadenlos kaputt machen kann. Nicht umsonst fällt in jeder zweiten Star Trek-Folge zum millonsten Mal das Transportersystem während einer brenzligen Lage aus. In den früher Zeiten der Enterprise Originalserie war das sicherlich eine charmante Lösung, um sich Raumschiffmodelle zu sparen, die zwischen dem Mutterschiff und dem Planeten hin- und herpendeln. Fürs Storytelling ist es aber der Tod.

    • Da hast du völlig Recht.

      Ich bin nun kein Trekki und kann daher hier nur nur aus dem Hörensagen heraus antworten (vlt. kann das ja jemand verifizieren oder so – Carsten?): Offenbar ist es in der neuesten StarTrek Iteration möglich, unmittelbar von Planet zu Planet zu beamen.

      D.h. man hat den plotmäßig völlig sinnvollen Ansatz unter Johnathan Archer die Beamerei zu unterbinden mit dem Ultra-Plotkiller des Superbeamens ausgetauscht. 🙂

      • Ja, im neuen Star Trek Film bekommt Scotty vom alten Spock die Formel für ‚Transwarp Beaming‘, womit man über Lichtjahre hinweg beamen kann. Das macht natürlich alles noch mehr kaputt als es das normale Beamen gemacht hat, deswegen ist Star Trek into Darkness auch so voller Plot holes…

        Bzgl Archer, zu der Zeit war das Beamen einfach noch zu unsicher für Lebewesen, siehe auch diverse Transporterunfälle über alle Trek-Serien und Filme verteilt.

    • Beamen ist fast so schlimm wie Smartphones. 😉 Gut, jetzt haben wir das Glück, dass wir in einer Zeit leben, in der Smartphones noch recht jung sind und bisher keinen(?) bis wenig Eingang in die Science Fiction gefunden haben, aber stellt euch doch mal vor, wie langweilig das alles wird, wenn jeder sein Raumschiff, sein Holodeck und seine Datenbank nur noch vom Smartphone aus benutzt. 😉 Das macht doch auch alles kaputt.

      • Klar, völlig korrekt. Die „gebündelte Intelligenz“ immer in Tasche dabei zu haben. Überall erreichbar zu sein bzw. (was das eigentliche Problem ist) von überall jeden erreichen zu können und auch immer zu wissen wo man ist, das macht das Storytelling genauso kaputt wie beamen. Das kommt ja heutzutage schon verstärkt in (Nicht-SciFi-)Filmen vor, dass die Charaktere ihr Handy auspacken und kein Netz oder kein Akku haben, damits überhaupt noch irgendwie spannend ist. Das ist im Grunde „Captain-die-Transporter-sind-ausgefallen-2.0“.
        Bezogen aufs SciFi-Thema ist es ja sowieso längst so, dass die Realität die meisten SciFi-Welten längst eingeholt hat. Siehe Shadowrun der 80er vs. WLAN und Internet.

  3. Pingback: Aus dem Limbus: Podcast, Hangout, Doubleteaser | Nandurion

  4. Hörte mich gerade durch all eure (interessanten) Folgen. Bin schwer begeistert.
    Darf ich für das von euch so geliebte Wort „railroading“ übrigens die Übersetzung „schienen“ vorschlagen? Einerseits gibt das die Eisenbahnschienen wieder, andererseits schient man Dinge, wenn ein Bruch vorliegt, und mir schein, man „schient“ vor allem, wenn das Abenteuer eine Fraktur hat.

    Zum Thema Sci-Fi, Magie und Phantastik zwei Definitionsvorschläge:
    1) Unter „Magie“ verstehen wir nicht unbedingt etwas Unverständliches, sondern auch ein direktes Umsetzen unseres Wollens in Werden. Die Intention wird direkt in Geschehen umgesetzt. (Ich will Feuer, also zaubere ich Feuer. Ich muss nicht erst Zunder und Feuerstein suchen.) Auch Technologie kann (a la Clarke) diesen Effekt verursachen. (Ich will Feuer, also drücke ich den Knopf auf meinem Feuerzeug und mein Wollen wird in Werden umgesetzt.)

    2) Die Phantastik als Genre hat vor allem das vereinigende Element, dass menschliche Konzepte physikalische Größen sind. Schön sieht man das bei Harry Potter: Avada Kedavra tötet nicht, weil er irgendwas am Köper kaputt macht. Im Potterversum ist Leben keine emergente Eigenschaft von Kohlenstoffchemie, sondern es gibt eine Lebenskraft und wenn man die weghext, dann stirbt jemand. Das kommt auch in Sci-Fi vor. Man denke an die Macht aus Star Wars (die auch nicht weniger phanatstisch wird, weil es eine Pseudobegründung mit Medichlorianern gibt) oder der Telepathie aus Star Trek (Denken ist plötzlich keine Funktion des Gehirns mehr, sondern eine physikalische Entität an und für sich).
    Um hier etwas Eigenwerbung zu betreiben, hier gehe ich in einem Kurzvortrag darauf ein: https://youtu.be/na7PVD2caQ0

    Ich bevorzuge fürs Rollenspiel daher übrigens Welten ohne phantastische Elemente, weil man hier ein ganz anderes, ich will mal sagen existentialistisches Spielgefühl erzeugen kann, als man es in Fanatsywelten hat. Dann geht es darum, wie man sich als Mensch in einem unmenschlichen Universum verhält.

    • @Lichtbringer, vielen Dank für Dein tolles Feedback, das uns sehr freut. Deine Definitionsvorschläge sind allesamt gut durchdacht – aber da möchte ich gerne der Reihe nach darauf eingehen.

      0) Railroading = Schienen, das ist eine clevere, wenngleich auch schon wertende Doppeldeutigkeit, da auch quasi eine Verletzung der Struktur im Abenteuer anzunehmen die dadurch repariert werden muss. Zuweilen versuchen wir ja Anglizismen zu vermeiden, zumal viele von uns durch DSA im Rollenspiel sozialisiert wurden. Wir gehen jedoch nicht soweit statt Feedback – Futter zurück zu sagen. Genauso verhält es sich beim Thema Railraoding, der in der deutschsprachigen Rollenspielszene einfach geläufig ist.

      1) Der Verweis auf Arthur C. Clarke, insbesondere sein 3. Gesetz wonach höhere (unverständliche) Technologie nicht von Magie zu unterscheiden ist, ist eine wertvolle Ergänzung (ich hatte das war schon oft gehört, hätte aber nicht Clarke als Quelle dafür nennen können). Was die direkte Umsetzung von Wollen in Werden anbelangt – das hängt ja auch mit (dem Erleben von) Kausalität zusammen und ist meist an eine enge zeitlich Koinzidenz gebunden. Hier wäre es mal interessant Zauber in Fantasyrollenspielen daraufhin zu untersuchen, wie lange es vom Zauber bis zu ersten, merklichen Auswirkungen des Zaubers dauert. Ich gehe stark davon aus, dass es in der Regel recht kurze Zeitabstände sind, was natürlich auch der Spielpraxis geschuldet ist.

      2) Menschliche Konzepte als physikalische Größen in der Phantastik, das ist ein interessanter Ansatz, ich überlege nur, ob es dazu auch Ausnahmen gibt. Spontan sind bisher aber keine eingefallen… )
      Danke auch für den Youtube-Link – das ist eine großartige Vorlesung. Die Präsentation dazu (Powerpointfolien?) hätte ich gerne gesehen.

      Welche Rollenspielwelten bevorzugst Du denn?

      • Danke für die rasche Antwort.

        Mit „direktem“ Umsetzen von Wollen in Werden, war nicht unbedingt „sofort“, sondern „nicht indirekt“ gemeint. Ein Todesfluch macht direkt tot, eine Kalaschnikow tötet indirekt.

        Eine Version des Videos mit Folien existiert. Aufgrund mangelnden Urheberrechts für die Bilder kann ich die aber nicht auf YT hochladen. Schreib mir ePost und ich schicke dir gerne einen Link.
        Wenn du meiner sonoren Stimme zu Rollenspielthemen lauschen möchtest 😉 : ich trage jährlich auf dem Nordcon vor zu Themen wie NSCs, Abenteuergestaltung, Improvisation, Religion im Rollenspiel, wozu es Regeln gibt und was sie leisten können, was Rollenspiel vom Theater lernen kann usw. Dieses Jahr wird es vermutlich um Vertrauen und Kooperation am Spieltisch gehen.

        Was Rollenspielwelten angeht, die ich bevorzuge, gehe ich mal davon aus, du meintest spezifisch im Sci-Fi-Bereich.
        Ich bin ein großer Freund von Transhuman Space und Diaspora. Auch das Zeitreiserollenspiel C°ntinuum kann ich sehr empfehlen.
        WH40k war dagegen nie mein Ding. Die Werke haben ein paar geile Ideen, aber ich finde, es schimmert bei der Welt immer zu deutlich durch, dass sie auf maximale Konflikte getrimmt ist, um Figuren zu verkaufen. Außerdem ist es so sehr Fantasy, dass ich auch gleich Fantasy spielen kann…
        Das sind aber leider recht hypothetische Begeisterungen, weil keine meiner beiden Gruppen an dem Genre Interesse zeigt. 🙁

        • Wir haben zu danken, auch für die Spezifizierung des Ansatzes über die Umsetzung von wollen in werden als (ich folgere jetzt schon mal freimütig) direkte Umsetzung = Magie und indirekte Umsetzung = Technologie. Könnte man dann vielleicht sagen, dass eine Technologie, die nicht verstanden wird, als direkte Umsetzung empfunden wird, was so auch zu Clarks drittem Gesetz passen sollte?

          ePost ist Unterwegs 🙂 Das hört sich alles samt und sonders nach interessanten Vorträgen an und die sind es sicher auch, wie die Kostprobe von Dir auf youtube schon gezeigt hat.

          Muss gestehen, dass mir die von Dir genannten SF-Systeme weitgehendste unbekannt sind. Da sind aber interessante Sachen dabei! Ich fürchte nur, dass da einiges schon vergriffen sein wird.

          Welche (anderen) Systeme spielst Du denn mit Deinen beiden Gruppen?

          • Ich denke schon, dass dieses Nichterkennen der Indirektheit Teil der Gleichung ist. Mir scheint aber auch, dass wir es nicht nur nicht sehen können, sondern dass wir es auch aktiv verstecken. Wir wollen ja gar nicht sehen, wie ein Rechner funktioniert. Wir wollen, dass er mirakulös auf Knopfdruck reagiert.

            Was meine Vorträge angeht, bin ich eben Vollblutwissenschaftler (Chemiker, um genau zu sein). Vielleicht finde ich deshalb Rollenspieltheorie für meine Runden so bereichernd.

            Ich kenne eine breite Palette von guten Systemen, am meisten schätze ich aber Fate. In meiner einen Runde leite ich eigentlich Fate in eine EDO-Fantasywelt, aber die pausiert gerade, weil wir einen Blick auf D&D5 werfen wollten. In meiner zweiten Runde leite ich übermorgen Cthulhu 7, danach soll es ein Zeitreiserollenspiel werden.

  5. Was mir gefehlt hat, war die Ausrichtung, das Science Fiction auch in der Vergangenheit spielt, solange das zentrale der Geschichte eine Kritik an der Gesellschaft ist. So im Stil von Fahrenheit 451 oder so mancher Geschichte von Stephen King.

    Und Numenera hätte ich mir noch als Beispiel gewünscht.

    Ansonsten aber super Folge.

  6. Pingback: Folge 32 – Raumschiffe | Der Eskapodcast

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