Folge 193 – Richtig respektable Rollenspielromane

Rollenspielromane: Organische Verlängerung der Abenteuer- und Regionalmodulliteratur? Irrlichternde Hybriden zwischen interaktiven und ferngelenkten Textformen? Oder ein bloßes Surrogat für den Freitagabend, den man in einem Hotel auf Geschäftsreise verbringt und an dem die Rollenspielrunde ausfällt? Wir tasten uns an ein mysteriöses Genre heran, das uns Rollenspieler wie ein schwer zu greifender Schatten begleitet.

Cast: Martin, Tanja, Carsten, Holger Länge: 55:45

Inhalt:
07:45 Fantastische Tropen, shared world, Helden-auf-der-Reise: Was ist ein RSP-Roman?
10:00 Ist „Der Herr der Ringe“ ein Rollenspielroman? Wäre ein „Der Eine Ring“-Roman einer?
20:13 Warum schreibt man einen Rollenspielroman? Zur Bewährung? Als Belohnung?
30:56 Ist das Lesen eines Rollenspielromans eine Ersatzhandlung für echtes Rollenspiel?
43:42 Sollte man z.B. das Regelwerk in eineem RSP-Roman wahrnehmen können?
51:36 Großartige Romanreihen, kompakt präsentiert!

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Das Feuer des Mondes (Christian und Florian Süssner)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Beschreibe uns in den Kommentaren bis zum 12.03.2022, 24 Uhr, was du von Rollenspielromanen hältst. Kannst du einen Rollenspielroman besonders empfehlen?

Links:
DSA-Romane
Shadowrun-Romane
DnD-Romane
der SIEDLER VON CATAN – Roman
Magic-The Gathering – Romane
Iphigenie auf Tauris gegen Borbarad
Eskapodcast – Folge 156: Das Schattenreich der Literatur
Eskapodcast – Folge 61: Interview mit dem legendären Karl Heinz Witzko
Die Schachnovelle (mega cooles Buch!)
Justifiers-Romane
Jack Vance Dying Earth incl. Cugel

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8 Gedanken zu „Folge 193 – Richtig respektable Rollenspielromane

  1. Moin Moin,

    wieder eine interessante Folge.

    Das Expanse Rollenspiel erschien schon im Mai 2019 bei Green Ronin.

    Und einer der ganz frühen Romanreihen, die aus einer Rollenspielrunde entstanden sind, ist Raymund Feists Midkemia-Zyklus.

    Gruß
    Xemides

  2. Das war wirklich eine schöne Folge.

    Ich habe Rollenspielromane früher als Erläuterung der Welt gesehen. In den Regelwerken waren kaum die Alltagsituationen abgebildet und das haben die Romane gut abgebildet.

    Jetzt ist das eine Rückkehr in Systeme, die ich nicht gerade spiele. Die deutschen Shadowrun Romane haben mich wieder heiß auf Cyberpunk mit Fantastik , aber die Regeln schmeckten ab.

  3. Ich mag Fantasyromane im allgemeinen, Rollenspielromane in den Welten die ich auch Spiele haben aber zusätzlich den Reiz das ich mich aktiv in dieser Welt bewegt habe und dadurch eine gewisse zusätzliche Bindung besteht. Das wirkt aber auch andersrum. So habe ich zum Beispiel „Ace of Space“ von Judith und Christian Vogt gelesen um das grundlegende Rollenspiel besser zu verstehen. Das Buch kann ich übrigens sehr empfehlen.

    Shadowrun ist etwas das ich immer sehr interessant fand habe aber nie den Zugang über die Regeln gefunden. Vielleicht kann mir ja jemand einen Roman empfehlen der die Welt gut einführt. Danke schon mal vorab.

    Ich habe auch mal eine Liste auf Bookwyrm mit deutschen Rollenspielromanen erstellt (https://bookwyrm.social/list/301). Bookwyrm ist eine Social Media Plattform, fühlt euch also frei weitere Bücher beizutragen.

  4. Die frühen Battletech-Romane von Keith, Stackpole und Charrette kann man alle ganz gut lesen und sie sind eine hervorragende Einführung ins Setting.

    Außerdem zählen die *natürlich* als Rollenspielromane – es gibt ja gleich mehrere (!) BT-Rollenspiele 😉

  5. Das war wieder so ein Thema, von dem man kaum glauben kann, dass es noch nicht drankam.

    Ich selbst habe mit Rollenspielromanen doch eher wenig zu tun. Ich las ein paar, aber so richtig umhauten mich kaum welche. Insofern befasse ich mich eher umgekehrt damit, indem ich Leuten klarmache, dass moderne Fantasyromane nicht tolkienesk, sondern D&D-esk sind.

    Dafür gingen mir in den früher 2000ern die Rollenspielromanfanboys echt auf den Keks, die eigentlich nur spezifische Szenen und/oder Figuren im Spiel erleben wollten, im Notfall mit Zwang und Holzhammer.
    Die Zahl der Drizzt-Abklätsche, die ich auf Cons erleben musste, war so groß, dass ich einen neuen Zauberspruch in D&D einführen wollte: Bigbys reine Zwangsarisierung. Ein Dunkelelf, der davon getroffen wird, verwandelt sich in einen normalen, hellen Elfen. Der Rettungswurf wird um 10 Punkte schwerer für jeden Scimitar, den der Charakter trägt.

    Um Martins Kreisverkehr der Adaptionen weiterzuführen: Es gibt ja Rollenspieladaptionen der Alice-Romane von Lewis Carroll. (Wonderland No More für Savage Worlds ist echt gut, A Red and Pleasant Land für Lamentations hat auch einen guten Ruf.)
    Nun basiert die Handlung in den Büchern ja auf Kartenspiel bzw. Schach. Der Kreis schließt sich.

    Drachenlanze macht die Definition von „Rollenspielroman“ übrigens echt schwierig, weil da Abenteuer und Roman synchron entwickelt wurden.

    Zu der Frage, ob Abenteuer oder Romane schwieriger zu schreiben sind: Gute Werke dieser beiden Gattungen erfordern einfach unterschiedliche Fähigkeiten. Wer besser plausible Figuren und Mechanismen bauen kann, aus denen Handlung emergiert, der kann besser Abenteuer. Wer besser große Handlungsbögen von oben herabbringen kann, sollte eher Romane schreiben.
    Weil die Szene aber so ist, wie sie ist, kommt man bei Abenteuern aber mit schlechteren Texten durch. Selbst professionelle Kaufabenteuer haben einfach Schnitzer, die gingen bei Romanen gar nicht. Einerseits ist einfach das Geld nicht da, um mehr Überarbeitung zu bezahlen. Andererseits kann die SL viel abfangen und wird sowieso einiges anpassen. Viele Verlage lassen aus beiden Gründen Spieltests weg – sie sind teuer und aufgrund der unterschiedlichen Leistungen der SL auch wenig aussagekräftig.

    Übrigens: Wenn ihr die Überlappung von Rollenspiel und Romanen mal ganz anders sehen wollt, schaut euch mal die Fortsetzungsromane an, die im 19. Jahrhundert so in Zeitungen erschienen. Noch längst nicht alle Autoren hatten groß vorausgeplant, was in den nächsten Teilen kommen würde. Und wenn sie sich nicht sicher waren, wiesen einige Schreiber ihren Freunden Figuren zu und fragten diese, was ihre Figur machen würde. Das hatte manchmal sogar LARP-Elemente: „Ich habe zum Cliffhanger deine Figur an einen Ofen gefesselt und sie hat 15 Minuten freizukommen. Ich fessle ich jetzt mal an den Ofen und wenn du dich in 15 Minuten befreien kannst, überlebt deine Figur.“

  6. Die Scheibenwelt Romane haben ihr eigenes Rollenspiel.
    1998 hat Pegasus das Gurps Buch
    Scheibenwelt
    Abenteuer auf dem Rücken der Schildkröte heraus gebracht.
    Voller wunderbarer Zeichnungen von Paul Kidby.
    Ich habe die Romane geliebt und lese sie immer mal wieder.
    Das Gurps Buch musste ich auch sofort kaufen.
    Aber der Humor und die fantastischen Welt Beschreibungen haben mich derartig eingeschüchtert, das ich mich nie getraut habe das auch einmal zu leiten.
    Und so steht es nur gelesen neben dem Gurps Grundregelwerk im Bücherschrank.

  7. Die Romane vertiefen das Spielerlebnis und befruchten es, egal ob man z.B. einen Roman über die Herkunftsregion des Charakters liest wie ich das z.B. damals bei „Rabengeflüster“ (DSA, den kann ich empfehlen) gemacht habe, oder ob es Details und Atmosphäre des Settings, oder einer Region darin gut wiederspiegelt.

    Zur Zeit kann ich die Pardona-Trilogie (DSA) von Mháire Stritter und Nicolas Mendrek empfehlen.
    Mehrere Bände der Phileason-Sage (DSA) von Bernard Hennen fanden, oder finden sich, übrigend in der Spiegel-Bestsellerliste wieder. Ich habe glaube ich 3 Bände gelesen, gut gemacht, aber für meine Geduld glaube ich etwas zu lang (ich glaube es gibt schon 9 Bände und es kommen noch welche?).

  8. Die alte Romanserie von Joel Rosenberg (Die Hüter der Flamme, nur noch im Anitquariat) habe ich damals selbst gelesen und war fasziniert. Rollenspiel wird quasi von der Fiktion zur Realität. Und der Spielleiter quasi als Gott – naja. Da würden die Spieler von heute wohl auf die Barrikaden gehen.

    Eine deutsche Romanserie, die zwar nicht einem Rollenspiel zugehorig ist, aber sich so ähnlich liest, ist „Das Geheimnis von Askir“ (von Richard Schwartz). Gerade der erste Band der Serie ist wunderbar und spannend. Die zukünftigen Helden treffen im begrenzten Handlungsraum einer verschneiten Herberge zusammen und müssen die dort statt findenden Morde aufklären, um die Nacht zu überstehen. Großartig. Es liest sich eben, wie die Beschreibung einer guten Rollenspielszession.

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