Folge 188 – Die fabelhafte Welt der Fanzines

Fanzines! Rohes Hobbykondensat, fantastische Kleinkunst, herrliche Artefakte – oder aber! – aus der Zeit gefallene Irrläufer, närrischer Kitsch, anmaßende Nachahmerprodukte? Wir gehen der kuriosen Existenz der Fanzines auf den Grund und versuchen uns an einer Bewertung ihrer Möglichkeiten, ihrer Aktualität und ihrer Relevanz. Mit im Studio: ein leibhaftiger Elfenwolf!

Cast: Martin, Carsten, Michael Länge: 54:05

Inhalt:
01:41 Wo haust der Elfenwolf, was frisst er gern?
04:38 Weniger als 100 Ausgaben eines Fanzines produzieren? Das akzeptieren wir nicht. 
17:22 von der echt, echt seltsamen Stellung der Fanzines im Literaturbetrieb
19:15 Periodizität, Liebhaberei, Semioffizialität – was ist eigentlich ein Fanzine?
27:50 The Golden Age Of Fanzining: als ein Fanzine noch das Internet war (for reals!)
40:23 Kunst, Künstlerschaft, Kundenorientierung: von der Verortung der Macher
45:46 Sind Fanzines nostalgischer Kitsch, oder sind sie noch zeitgemäß?
52:15 ein Salut in Richtung Ingo Schulze, aka Greifenklaue

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Gammaslayers GRW, Elfenwölfe, zwei 🙂
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games), Michael
Beschreibe uns in den Kommentaren bis zum 01.01.2021, 24 Uhr deine persönliche Beziehung zu Fanzines. Gibt es Fanzines, die du vielleicht besonders hervorheben möchtest?

Links:
Das Fanzine-Archiv
Fanzine-Abenteuer (DSA)
Trodox – durchgängig seit 1989
Interview mit Fanzinemacher („Das magische Blatt“) + Con-Veranstaltung seit 30 Jahren
Der System Matters Fanzine Wettbewerb

Download der Folge als mp3 ] [ Archiv ]

12 Gedanken zu „Folge 188 – Die fabelhafte Welt der Fanzines

  1. Hallo zusammen,

    joa Fanzines. Da war ich fast schon zu spät dran oder zu wenig drin. Außer dem Aventurischen Boten (ab #70) hatte ich da nichts gelesen. Und selbst der Bote würde ich nur bedingt für ein Fanzine ansehen; ihr hattet ja schon auf den „offiziellen“ Inhalt hingewiesen.

    Den Boten fand ich klasse, da er den Metaplot und lokalere Geschichten weitergeschrieben hatte und gutes Zusatzmaterial für offizielle und eigene Abenteuer geboten hatte. Als Ulisses Spiele dann daraus mehr einen Werbekatalog für neue Produkte daraus gemacht hatte wurde er dann allerdings abbestellt.

    Ich wünsche Euch allen ein paar ruhige Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr (es kann nur besser werden)

    Viele Grüße

    Thomas der Zweite

  2. Mein erstes Fanzine könnte das Zunftblatt gewesen sein. Ich hab noch bei der Anduin mitgemacht, ehe sie ihre lange Laufzeit beendete. Und ich hoffe, nächstes Jahr mal Zeit für einen Beitrag zum Trodox zu finden, den ich hiermit mal empfehle.
    Über die Jahre bin ich ein fleißiger Fanzine-Sammler geworden und habe mich immer bemüht, Infos zu alten Zines online bereitzustellen – z.B. in der RPGGeek-Datenbank oder im Fanzinearchiv-Wiki. Rollenspielfanzines bieten einen interessanten Einblick in die Geschichte der Szene.

  3. Um mal einen Gegenpol zu den DSA-Fanzines zu setzen: Mein erstes Fanzine war die Druidenpost, die 1985 das erste Mal erschienen ist. Sie hatte ihren Fokus auf (A)D&D und war damals für 4,80DM zu haben. Ich fand diese klasse und war froh um jede Werbung, die sich in dieser Zeitschrift befand, da sie mir, abseits der Großstadt, doch einen kleinen Überblick über die Rollenspielpublikationen bot.
    Und nun zur Frage, ob diese Fanzines noch in diese Zeit passen, oder ob sie eher Dinosaurier aus vergangener Zeit sind … Ich glaube eher an die Dinosaurierthese, denn früher hattest du „dein Rollenspielsystem“ (naja da gabs auch noch das andere, das du ignoriert hast). Und du warst froh um jede Erweiterung, um jeden Artikel, um jede Rezension. Du hattest immer das Gefühl auch Artikel beitragen zu können, fühltest dich einer Gemeinschaft zugehörig (heute hast du dein Forum oder deinen Blog).
    Heute hast du nicht mehr dein System, sondern hast eine ganze Landschaft von Rollenspielen, die du je nach Gefühl und nach Freundeskreis spielst. Ich glaube nicht, dass hier ein Fanzine diese Bandbreite abdecken könnte. Und wenn sie spezialisiert auf ein Genre ist, müsste ich so viele Fanzines lesen … Da hätte ich weder Zeit noch das Geld dafür.
    Und ein weiterer Punkt ist das Copyright, das wohl heute viel strikter verfolgt wird, als in den Anfangszeiten des Rollenspiels. Ich weiß gar nicht, ob man heute einfach eine Zeitschrift herausgeben könnte in der man Abenteuer für die aktuelle D&D5 veröffentlicht. Jedenfalls dürfte man heute nicht mehr D&D in die Zeitschrift schreiben sondern es lediglich mit 5e oder Ähnlichem umschreiben. Da gibt es so viele Fallstricke, die früher gefühlt einfach nicht vorhanden waren.
    Ich denke, es hat schon seinen Grund weshalb heutige Fanzines (z.B. aus dem Fanzine-Wettbewerb von System Matters) eher den OSR-Bereich bedienen.
    So jedenfalls mein Eindruck

  4. Die Fanzines meiner Jugend waren eher Vereinsmagazine wurden also von den Mitgliedern eines Vereines gewuppt und hatte hier auch seine Mindestabnehmer.

    Die meiste Arbeit wurde natürlich von 1-2 Personen geleistet, aber ein paar Artikel kamen von wenigen anderen.
    Ich war immer ganz Stolz, wenn ich mal mit einem Artikel als Mitarbeiter der Ausgabe genannt wurde. Das der Chefredakteur 2/3 der Ausgabe geschrieben und gezeichnet hat, wird dann gerne übersehen.

    Das die Fanzines als Informationsverteiler vor dem Internet dienten, ist nur zu wahr. Ich habe einiges aus Fanzines-Magazinen geleitet. Wobei man ja auch noch die RSP Magazine Wunderwelt und Zauberzeit hatte.

  5. Ich muss hier einfach, auch im Namen von Greifenklaue, natürlich die Slay! hochhalten, das Fanzine von Dungeonslayers, das von Greifenklaue ins Leben gerufen wurde und an dem ich auch schon ein wenig mitarbeiten konnte (…darf ich das überhaupt oder ist schon Werbung? :D).
    GK hatte damals schon echt den richtigen Riecher aus dem Riesenhaufen an DS-Fanwerk ein paar thematisch zueinander passende Werke vorzustellen und allen auch langfristig allen zugänglich zu machen. Die Slay! zeigt zudem auch gut, dass sich digital und Fanzine nicht ausschließen (sie ist ja in erster Linie digital wurde aber wieder auf GKs Bestreben auch gedruckt) und haben auch in einem extrem digitalen Forum noch einen Sinn, da in der Slay! nochmal schön kuratiert viele kleine, geheime Perlen gesammelt und auch Artikel, die im Forum vielleicht nicht so den großen Platz haben einen Ort finden.

  6. Ich möchte ein Fanzine aus einer ganz anderen Ecke hervorheben. Aus der Live-Rollenspiel-Ecke gibt es sein 1995 den „Helios-Boten“. Man merkt, dass der „Aventurische Bote“ hier als geistiger Vater Pate stand. Die Artikel sind allesamt In-Time und schildern das aktuelle politische und kulturelle Geschehen oder vergangene Cons im Fantasy-Land „Heligonia“. Die Artikel wurden von den Regionalspielleitungen, verdienten Stamm-NSC mit eigener Baronie oder ambitionierten Spielern erstellt. Hier wurde auch der aktuelle Stand von Briefspielen im Land Heligonia abgebildet; z. B. wer liegt vorne beim Heligonischen Wagenrennen oder was erlebten die Spieler im Briefspiel am Magierturm.
    Die kopierten und handgehefteten Ausgaben gab es jeweils am Ende des LARP-Cons günstig zu erwerben. Die letzte Seite verwies auf die Autoren sowie die nächsten geplanten Cons. Der Helios-Bote bringt es dabei auf 87 Ausgaben und seine akademische Schwester „Das Portal“ auf 21. Zusätzlich gab es das Spieler-Fanzine „Das Pergament“, welches auf niedrigsten Boulevard-Journalismus-Niveau „Pleiten, Pech und Pannen“ In-Time aufgearbeitet hatte. Diese wurden allerdings nur heimlich „gefunden“; bevorzugt in Anwesenheit von Heligonischem Adel. BILDlich gesprochen wollte niemand zugeben, so ein Schundblatt zu lesen.
    In den 90ern gab es noch zwei kurzlebige Fanzines von Heligonia-Spielern. Die „Betiser Tulpe“ war mit amourösen Kurzgeschichten des Adels ausgestattet. Der Heli-Po… richtete sich mit seinen schlüpfrigen Geschichten ganz eindeutig an ein erwachsenes Publikum.
    Auch nach 26 Jahren erscheint der „Helios-Bote“; doch nur noch online und in deutlich geringerem Umfang.
    Quelle: https://www.heligonia.de/die-escandrische-bibliothek/

    Ich wünsche euch eine schöne Weihnachtszeit und bleibt gesund!

  7. Ich liebe Fanzines als Format. Meine ersten Kontakte mit der Rollenspielszene waren bereits vom Envoyer geprägt, den ich begeistert las. Das tat mir auch sehr gut, denn das war ein allgemeines Magazin. Anders als viele andere, die die ersten Jahre ihres Hobbytums nur bei einem System hängen, hatte ich direkt einen breiten Überblick.
    Ich lese da auch heute noch gerne drin. Interessant sind für mich auch heute noch rollenspieltheoretische Artikel, bspw. zu Klischees im Spiel.
    Auch meine ersten Veröffentlichungen waren in Fanzines: Envoyer, Anduin und Zunftblatt.

    Irgendwie ist dieses Format vielleicht wirklich nicht mehr zeitgemäß. Ich sehe aber drei Vorteile des Fanzines gegenüber dem Blog:
    1) Serendipität: Man kann viel leicht über neue Sachen stolpern, die man gar nicht suchte.
    2) Die meisten Blogs haben zwar direktes Spielmaterial, aber wenig Metathemen. Dieses Feld wurde eher von Podcasts wie dem Eskapodcast geerbt.
    3) Weil man ein Paket bekommt und keine einzelnen Artikel, ist es einfacher, Einsteigerartikel und Werke für Fortgeschrittene zusammen zu verkaufen. Blogartikel bleiben häufig aus einem sehr simplen Niveau, weil sie keine Leser abschrecken wollen. Die höheren Weihen bleiben auf der Strecke.

  8. Ich habe Fanzines ehrlich gesagt total verpasst und mich erstmals mit dem Aventurischen Boten das erste Mal damit beschäftigt, den aber nie gekauft sondern geschenkt bekommen. Jetzt warte ich sehnsüchtig auf meine oder vom System Matters Verlag, da dieser ein Fanzine vom lieben Moritz Mehlen beiliegt.

    Ich glaube aber, dass die Rollenspielfans auch weiterhin das Format pflegen werden, da wirklich viele die ich kenne das gute alte Papier lieben. Mich inklusive 😃

  9. Hiho, danke für diese Folge!

    Falls ihr wirklich noch die Folge über aktuelle Fanzines machen wollt, hätte ich da etwas Brand-Aktuelles für euch, das DEREZEIT-Projekt:

    https://www.orkenspalter.de/index.php?board/554-derenzeit-der-andere-bote/

    https://m.youtube.com/watch?v=E05KombbI1c

    Ursprünglich sollte es nur eine open-source-Artikelsammlung für individuell zusammenstellbare Do-it-yourself-Zeitungen sein, aber dann hat sich ein Redaktionsteam aus Autoren und Illustratoren zusammengefunden, einen Schreib-Wettbewerb veranstaltet und am 20.12.21 eine erste richtige Ausgabe online veröffentlicht:

    https://www.ulisses-ebooks.de/product/381263/DERENZEIT–Ausgabe-001–1042-BF?src=newest_community&filters=45921

    Schönen Tag derweil,
    Christian Gross alias „Ridetianer“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.