Folge 176 – Turn it up to eleven: Musik im Rollenspiel

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil stets sie mit, äh, … , ja … weil ja alle miteinander reden wollen. Und auch müssen, denn es ist ja Rollenspiel! Dennoch: Die Macht der Musik ist unbeschreiblich und ihre Möglichkeiten sind unbegrenzt. Wie kann Musik das Rollenspiel maximal bereichern? Vorhang auf zur ersten komplett eingesungenen Musical-Folge.

Männerchor: Martin, Carsten Länge: 01:00:45

Inhalt:
01:44 Walgesang und Alphorn-Konzerte: Was hört der Eskapodcast?
16:17 Musik ist wichtig! Facebook-Umfragen bescheinigen hohe Relevanz
27:36 Überwindung aller Widerstände: die Musik als Herrin aller Künste
40:14 Dudelsack in den Highlands, Techno in Shadowrun: Intradiegese?
47:33 von der einzigen Flagge, die man in Wacken schwenken darf
48:48 Die schmutzige Spielpraxis: Wie man das meiste aus Musik herausholt

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Shadowrun: Schlagschatten (Pegasus Spiele)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Beschreibe uns in den Kommentaren bis zum 17.07.2021, 24 Uhr, wie bei euch der Musikeinsatz an einem normalen Spielabend abläuft, welche Art von Musik ihr nutzt und  wie deine Erfahrungen mit Musik im Rollenspiel sind.

Links:
This is Spinal Tap! – Turn it up to eleven!
Umfrage: Welche Musik verwendet ihr am häufigsten im RPG?
Umfrage: Wie seht ihr den Einsatz von Musik durch den SL?
Dämonenkronenbanner!

Download der Folge als mp3 ] [ Archiv ]

19 Gedanken zu „Folge 176 – Turn it up to eleven: Musik im Rollenspiel

  1. Bei mir gibt´s keine Musik am Tisch. Wenn Musik läuft, höre ich zu, auch wenn sie noch so leise ist. Schlimmstenfalls ist sie so leise, dass ich mich ärgere, nicht genau zuhören zu können. Für mich ist Musik beim Rollenspiel leider Ablenkung.

    Es gibt allerdings eine Ausnhame, und zwar den homodiegetischen Einsatz. Wenn die Rebellen einen Song proben, der ihren Widerstand erhöhen soll, wenn der berühmte Musiker zum Fest aufspielt, wenn in der Abendsonne die Flussdelphine ihren verführerischen Gesang ertönen lassen… dann darf diese Musik auch zu hören sein… vielleicht sogar selbst gesungen sein. Hier höre ich zu und bin in der Szene. Tolle Sache.

  2. Wann gibt es ein mp3 Album vom Eskapodcast Posaunenchor? Bei Finanzierungsschwierigkeiten gerne Crowdfunding!

  3. Hallo zusammen,

    ich bin mittlerweile von normaler Musik umgestiegen zu Naturgeräuschen (z.B. die angesprochenen Wellen bzw. Waldgeräusche) oder Filmsoundtracks. Allerdings eher von unbekannten Filmen um die genannte Assoziation zu vermeiden.

    Eine Intromusik hatten wir mal für die DSA Königsmacher-Kampagne. Das war tatsächlich irgendwann zu merken, dass die Konzentration einsetzt sobald die Musik anfängt.

    Die die Borbarad-Runde habe ich ein Thema für Borbarad gewählt, dass immer dann startet wenn er auftaucht oder sein Wirken spürbar wird.

    Mittlerweile nutze ich Musik zunehmend weniger, da es auch ablenkend sein kann. Das mit dem Gesang habt ihr ja bereits angesprochen.

    Dann mal noch ne lustige Episode: Wir spielen ein WoD-Setting und im Hintergrund läuft üblicherweise die Band Tenhi (https://de.wikipedia.org/wiki/Tenhi) was eine recht ruhige, düstere Atmosphäre erzeugt – also genau passend zum Setting bzw. dem was im Spiel passiert. – Bis plötzlich Modern Talking läuft weil sie auf der feTENHIts-Playliste gelandet sind… hat uns alle erstmal geschockt und war ein guter Lacher. 🙂

    Viele Grüße
    Thomas der Zweite

  4. Okay, das ist wirklich ein Thema, das überraschend spät in der Geschichte des Eskapodcasts kam. Ich rechnete ein wenig damit, als ich die Umfrage auf Facebook sah.

    Da ich sehr improvisierend leite, kann ich Musik nur selten einsetzen, was die paar Male dann vielleicht besonders wirkmächtig macht.
    Solange wir über Discord spielen, hat ein Mitspieler ohne Absprache sich selbst zum Musikzuständigen gemacht. Der Discord hat einen Bot installiert, der Lieder von Youtube abspielen kann. Das hat auch den Vorteil, dass jeder sich die Lautstärke der Musik nach Belieben einstellen kann (auch auf 0), ohne die Mitspieler leise oder lauter zu machen.
    Der Spieler verwendet meistens Filmmusik. Erst am Freitag bei einer Harry-Potter-Runde trat ein Gegner auf, der sich ironisch als Filmschurke aufführte (der hatte auch die Evil Overlord List über dem Schreibtisch an der Wand kleben). Beim Endkampf kam dann passend der Imperiale Marsch aus Star Wars über den Äther. Großartig.

    Einen Musikeinsatz, den ihr irgendwie fast gar nicht hattet, wären singende Figuren. Weil ich ja kein Schamgefühl habe, setze ich gelegentlich singende NSCs ein. Wenn die Spieler einer Figur überhaupt nicht über den Weg trauen, die außerdem ständig eine spezifische Melodie pfeift, dann kann ich die wieder pfeifen, wenn die Figur gerade in der Nähe ist. Schon sind die Spieler sehr achtsam.
    In Spielwelten, die nahe an der Jetztzeit sind, funktionieren auch politische Lieder sehr gut. In einer Runde untersuchten die Spieler eine Reihe von Morden und verstanden das Motiv überhaupt nicht. (Sie hatten übersehen, dass alle Opfer sehr reich gewesen waren.) Als sie dann einen Verdächtigen beschatteten, erkannten sie ihn als Täter daran, dass er plötzlich vor sich hin sang: „Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt…“

    Die Erkennungsmelodie für den Einstieg kann ich nur unterstützen. Meine Buffy-Runde damals fing immer mit dem Titelstück an.

    Gute Ambientemusik konnte man früher auch aus Videospielen holen. Damals waren die Titel nämlich noch als WAV-Dateien auf der CD. Und sie waren als Hintergrundmusik zu einem Spiel gedacht, was sehr gut funktionierte. Ich leitete lange zur Musik von Anno 1503.
    Was ich auch in jeder Runde mindestens einmal als verstörenden Horror einsetze, ist ein Shepardton: Eine akustische Täuschung, die wie ein ewig weiter fallender (oder steigender) Ton wirkt und sehr verstörend klingt: https://www.youtube.com/watch?v=u9VMfdG873E

    PS: Ich bin jetzt etwas verlockt, einen Meta-Musikeinsatz zu fahren und Teile dieser Eskapodcast-Folge beim Spiel einzuspielen. 😉
    PPS: Es kostet viel Übung, aber mit Gitarrenmusik kann man zum meistgespielten Komponisten seiner Zeit werden: https://unprominente.de/2020/09/29/francisco-tarrega-unwichtiger-komponist-des-nokia-klingeltons/

  5. Die Folge war recht anekdotenhaft, nicht so strukturiert wie sonst.

    Ich habe lange Musik im RSP verwandt. Leider habe sind in meiner Gruppe zwei Schwerhörige bzw. Tinnitusgeplagte, so dass eine Geräuschkulisse bei einem Spielgespräch für die beiden sehr anstrengend ist.
    Deswegen fällt das jetzt leider aus….. :-(. Ich vermisse das sehr.

    Wir haben viel Folk -/ Weltmusik für Stimmungs- und Kulturbeschreibung verwandt. Dudelsäcke um Schottland bzw. das midgardsche Alba zu beschreiben. Japanische Kodo-Trommeln für Kan Thai Pan usw. Man hat sich viel Erklärungen gespart, weil quickende Sackpfeifen und Regengeräusche bei wenigen Sätzen Beschreibung eines aufmarschierenden Heereswurmes ausreichend waren, um alle Spieler in freudige Erregung zu bringen.

    Ich versuchte immer die Stimmung der Szene mit der Musik zu transportieren. Ich habe CDs zusammenstellt, um die 70 Minuten durchlaufen zu lassen oder .

    Glücklicherweise haben zwei Freunde von mir einen Rollspielmusikversandhandel gehabt, die eine reichhaltige Auswahl von passenden CDs hatten.
    Filme habe ich seitdem immer mit einem Ohr auf dem Soundtrack und seiner Nutzbarkeit für das RSP geschaut und gehört.

  6. Sehr spannendes Thema! Ich freue mich auf die zweite Folge.

    In normalen Tischrunden für Fantasy-RPG beschränkte sich der Musikeinsatz normalerweise darauf, dass irgendeine Playlist oder CD leise im Hintergrund dudelte. Dabei verwendeten wir teils Filmmusik, teils Musik von PC-Rollenspielen, teils einfach Radio Rivendell. Das lenkt nicht ab und schafft eine angenehme und fast immer passende Stimmung.
    Radio Rivendell ist übrigens eine ergiebige Quelle um neue Tracks, Alben oder Künstler zu entdecken, denn man kann es gut nebenher laufen lassen und wenn ein Track gefällt auf der Seite nachschauen, wie der aktuelle und die letzten 20 Tracks heißen. Das ist echt hilfreich. Aber im Bereich klassischer Fantasy ist es ohnehin am leichtesten passende Musik zu finden. Viel schwieriger finde ich es z.B. bei Steam Punk.

    Für ein DSA-Abenteuer habe ich mir die Mühe gemacht, mit dem alten Programm Spockplayer ganze Szenen mit Musik und Hintergrundgeräuschen zu gestalten. Das funktionierte wirklich gut für allgemeine Szenen wie „Tavernenabend“ oder „Bei Nacht im Wald“. Eigentlich ist auch die Bedienung im Spiel recht einfach. Man muss nur darauf achten, dass für jede Szene ausreichend lange Stücke hinterlegt werden, sonst wiederholen sich Musikstücke oder Effekte zu schnell und nerven dann, statt die Atmosphäre zu unterstützen.
    Die dramatische Hervorhebung spezieller Szenen war mir dann aber zu frickelig, weil das Timing wirklich perfekt passen muss. Ich hatte es geplant, den Einsatz habe ich dann im Spiel aber leider völlig verpasst und für mich entschieden, das zukünftig gar nicht mehr zu versuchen. Heute gibt es sicherlich zahlreiche Alternativen und Apps, aber mangels aktiver Spielrunde bin ich nicht auf dem Laufenden.

    Ebenfalls einmal hatte ich das große Vergnügen, dass mein SL live eine Sage vorgesungen hat. Ich als absolute Gesangsniete würde mich das nie trauen und war umso beeindruckter von der Situation. Obwohl ich das Lied ja nur einmal gehört habe und die Sache ca. 10 bis 15 Jahre her ist, habe ich den Refrain des Liedes immer noch im Ohr.

  7. Hallo ihr Lieben,

    ich war doch recht erstaunt, dass ihr als handwerklich musikaffine Menschen, die technische Hürde, Musik in’s Spiel einzubauen noch gar nicht „richtig“ (zeitgemäß) genommen habt. Klar, wenn ihr ohne Laptop spielt (den ich immer hinter meinem Meisterschirm verstecke), geht’s mittlerweile auch gut über’s Handy.
    Ohne Musik geht’s bei mir gar nicht mehr. Gerade weil ich in den letzten Jahren sehr viele Dinge ausprobiert habe. Früher haben wir auch viele Soundtracks auf CD laufen lassen. Aktuell natürlich technisch angepasst. Das heisst softwareunterstützt. Hier gibt es Programme, die entweder selbst gefüttert werden können, oder schon fertige Sound-Assets liefern, mit Musik, Hintergrundgeräuschen und spontanen Sounds wie Türenknarren oder Pfeilbeschuss.

    Also, um euch einen Einblick zu geben:
    Wir spielen mit spezieller Soundsoftware über Handy bzw. Laptop und BT Lautsprecher. Früher war es https://syrinscape.com/, was qualitativ top ist, aber leider auch viel Geld kostet und nach einigen Jahren auch an Übersicht verloren hat. Schaut euch aber mal die Videos von Ben an, der „Erfinder“ der Software. Sehr sympathischer Typ, erklärt die Funktionen sehr gut.
    Mittlerweile sind wir auf Soundtale umgestiegen – meiner Meinung nach ein Meilenstein in der P&P Musik/Ambient Begleitung. Sehr intuitiv zu bedienen mit generischen Musik und Hintergrundelementen. Beispielsweise kann in einer Taverne über einen Regler die Besucherzahl gesteuert werden, sodass entweder tote Hose oder volle Hütte ist! Das gilt auch für alle anderen Schauplätze, die in der Stadt bzw. Wildnis angesiedelt sind. Genial. Wahlweise kann man den Anteil an gesprochenen Sprachfetzen im Hintergrund regulieren und sogar ausschalten, da er auf englisch ist. z. B. Ein Gast der noch Bier oder die Rechnung fordert. Sogar Kämpfe kann man mit einzelnen Rollen besetzen, Bogenschütze, Schwert-/Axtkämpfer, Waffenlos, etc… wirklich gut durchdacht. Auch im Vergleich zu Syrinscape kostengünstig. Schaut mal rein, es lohnt sich: https://www.soundtale.de/
    Ach ja, die Musik lässt sich nach Stimmungen entsprächend wählen und wirkt nie generisch, obwohl sie es ist. Ich weiss nicht wie sie es entwickelt haben, aber es ist einfach cool, wie man eine geschlagene Stunde das gleiche höhren kann ohne davon gelangweilt zu werden. An- und Abschalten kann man es natürlich auch alles.

  8. Ich setze Musik selten ein. Meist lenkt mich das als SL einfach zu viel ab und erhöht die Zimmerlautstärke nur noch zusätzlich.

    Ich hab aber mal ein In Nomine-Abenteuer geleitet und dabei als Inhalt ein legendäres GORGOROTH-Konzert (2004, Krakau) auf eine Leinwand gestreamt, weil die Gruppe dort etwas zu erledigen hatte.

    Alle Spieler waren über 18, aber ich hab einige verstörte Blicke im Rund gesehen.

  9. Bei uns lief auch lange Zeit der Herr der Ringe Soundtrack in Dauerschleife oder irgendein 10 Hour Epic Music Mix von Youtube. Inzwischen spielen wir (online) eigentlich wenn überhaupt nur noch mit Ambient Musik. Bei Roll20 hat man eine gewisse Auswahl an freier loopbarer Musik bzw. Hintergrundatmo, die der SL auch je nach Map, auf der man sich befindet, vorprogrammiert abspielen lassen kann. Soundtale habe ich mir auch geholt, allerdings noch nicht im Livebetrieb ausprobieren können. An sich aber eine sehr coole Sache.
    Ansonsten gibt es auch noch https://tabletopaudio.com/ als kostenfreie Quelle.

  10. Meine Vorbereitungszeit für Musik am Spieltisch ist über Jahre deutlich zurückgegangen. Früher waren da durchaus tagelanges durchhören von Soundtracks etc. Möglich, bei denen dann minutiös vermerkt wurde, welche Stimmungen Lieder transportieren und für welche Art von Szene man die Musik mal nutzen könnte. Beim konkreten Abenteuer hat sich das dann in einer Setliste wiedergespiegelt. Die wichtigsten Suenen haben vorab Songs zugewiesen bekommen plus ein paar generische Stücke für die Stadt, Reise, Wildnis und Kämpfe in der Hinterhand.

    Mittlerweile wäre mir das zu zeitaufwendig und ich greife entweder auf Stücke zurück die mir schnell einfallen oder gebe mich auch mit Songs zufrieden, die zu 80 statt 100% die Stimmung einfangen.

    Den Punkt mit der Länge von Songs finde ich ganz wichtig. Die meisten Songs sind ja so bei 3:30 min und auch wenn Soundtracks da gern etwas mehr Spieldauer pro Song bedeuten, hatte ich nach 45 min Würfelorgie Uch schon mal jemanden, der gefragt hat, ob wir evtl. Was anderes anmachen können, weil es mir als SL gar nicht mehr so aufgefallen ist 😀 Längere Stücke ohne zu heftige Stimmungs-, lautstärke- und Tempowechsel sind da sehr hilfreich. Skyrim zum Beispiel hat auf dem Soundtrack teilweise halbstündige Stücke mit tollem Wildnisthema.

    Eine gute Quelle um günstig an viel gute Musik zu kommen, sind immer wieder Humble Bundle Angebote, bei denen es zu den Spielen auch Soundtracks gibt.

    Ein besonderes Highlight in puncto Musik ist es, wenn Spieler*innen selbst Musik machen. Für unsere DSA Kampagne „Von eigenen Gnaden“ habe ich mal ein Lied zu Papier gebracht, dass die Barden über einen der Helden angestimmt haben und eine Spieldrin hat es dann eingesungen. War eine gelungene Überraschung für diejenigen, die nichts davon wussten und die die Aufzeichnung plötzlich über die Boxen gehört haben.

  11. In unserer Onlinerunde gibt es keine musikalische Untermalung. Weil Stimme und Musik aus den selben Lautsprechern kommen ist es ein bisschen anstrengend das auseinander zu halten…..

  12. Wie im Film kann die Musik oder Ambient Sounds die Szenen atmosphärisch deutlich dichter machen. Ich versuche als DM immer die passenden Töne zu unterlegen. Was ich nicht mache, sind Geräusche wie fliegende Pfeile oder so einzubauen. Das wirkt aufgesetzt und macht viel Arbeit.

  13. Seit zwei Jahrzehnten setze ich Musik im Live Rollenspiel für Träume oder besondere Zustände ein. Dafür hatte ich immer fleißig CDs von Filmusik gekauft. Das hatte ich später auch auf die PnP-Runden übernommen. Habe vermehrt auf Musik von PC-Spielen zurückgegriffen, da diesen einen gleichmäßigen Klangteppich bieten, ohne abzulenken.
    Seit Lockdown leite ich nur noch online und war sehr erfreut, dass Astral und Roll20 die Möglichkeit bieten Musik einzuspielen. Davon mache ich kräftig Gebrauch, um Stimmung zu transportieren und Emotionen zu fördern.
    Regisseur Sergio Leone sagte über Ennio Morricone: „Er erzählt mit seiner Musik, was ich als Filmemacher dann nicht erzählen muss“. So ähnlich verhält es sich beim RPG.

    Ich empfehle für einen stimmungsvollen, unaufdringlichen Klangteppich die Ambientemusik von http://www.tabletopaudio.com oder auch Cryochambers.

  14. Danke für die tolle Folge, ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt. Musik im Rollenspiel ist irgendwie ein leidiges Thema für mich. Das unfassbare Potenzial konnte ich bisher nur bruchstückhaft anzapfen. Für jede Situation, in der es mal klappt, gibt es mindestens auch eine in der es nicht funktionieren will. Es könnte so cool sein…

    Ich freue mich auf Zeiten, in denen eine KI das Spiel aktiv begleitet und dann passend zur aktuellen Atmosphäre Musik einspielt oder besser noch direkt improvisiert. Bis dahin behelfe ich mir durch vorab geplante Sequenzen über die ich (fast) vollständige Kontrolle habe, um Stimmungsimpulse zu setzen. Außerdem habe ich gerne ganz zu Beginn der Session passende Soundtracks laufen, die dabei helfen sollen, gefühlsmäßig im Spiel anzukommen. Die restliche Spielzeit wird entweder gar keine Musik gespielt oder unaufdringliche Ambiente-Musik, in der Regel von Computerspielen. Wenn passend, dann läuft parallel oder stattdessen eine YouTube-Playlist für Ambiente-Geräusche (Stadtgeräusche, Taverne, Waldgeräusche etc.).

    Früher habe ich auch hauptsächlich Film-Soundtracks laufen gehabt. Dazu hatte ich mir eine große Menge an Wiedergabelisten zusammengestellt, die nach Themen oder Stimmungen sortiert waren.
    Bis heute denke ich deshalb zuallererst an Rollenspielsituationen, wenn ich 13th Warrior, Conan, Braveheart oder Robin Hood höre.

    Über weite Strecken des Abends hat man die Musik allerdings nicht wahrgenommen. Wenn doch, dann oft, weil sie nicht richtig zur Stimmung oder Dynamik der Situation gepasst hat. Bis ich etwas Passenderes gefunden habe, konnte dann das Spiel zeitweise zum Erliegen kommen.
    Permanente Beschallung im Hintergrund kann auch etwas zermürbend wirken. Das merkt man daran, dass alle am Tisch gemeinsam aufatmen, sobald die Playlist ausgeschaltet wird, die seit 3 Std gelaufen ist. Insofern würde ich für längere Sitzungen ohnehin empfehlen, immer mal Musikpausen einzulegen.

    Wie oben erwähnt, setze ich am liebsten gezielte Stimmungsimpulse durch vorbereitete Szenen. Visionen und Träume eigenen sich dazu besonders gut. Das ist dann im Grunde ein Kurzfilm / Hörspiel, das ich vorbereite. Aber auch Szenen wie Ansprachen vor Schlachten, Predigten oder der Bericht eines Zeugen vor Gericht sind mögliche Kandidaten. Immer dann, wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Spieler direkt in das Wort des NSC einfallen oder die Szene auf sonstige Weise stark beeinflussen.
    Bei der Gelegenheit greife ich dann möglichst in die Vollen, spreche alles ein, unterlege Soundeffekte und schneide die Musik passend für größtmöglichen Effekt.

    Ich freue mich auch immer über Gelegenheiten für intradiegetische Musik. Die eignet sich dazu, direkt in den Plot oder mit der Hintergrundgeschichte eines Spielenden verwoben zu werden. Am liebsten habe ich es, wenn ich die Spieler*innen (oder, wenn ich Spieler bin, auch mal die Spielleitung) damit überraschen kann.
    Als wir bspw. „Zwischen den Fronten“ von Uli Lindner gespielt haben, half eine Spielerin unserem Auftraggeber, indem sie eine Ballade über die Kaiserin Rohaja dichtete. In der Zwischenzeit zum nächsten Spieltermin habe ich eine Melodie dazu geschrieben und das Stück eingespielt, um es überraschend an der passenden Stelle abzuspielen.
    Solche Momente können dem ganzen Abenteuer über mehrere Spielabende hinweg Flair geben.

    Musik ist eines der mächtigeren Werkzeuge, die einem Spielleiter zur Verfügung stehen. Man kann sich leicht beim Einsatz verzetteln, aber gleichzeitig durch kleine Impulse sehr große Wirkung entfalten.

  15. Sehr schöne Folge, haben Carsten selten so „in Fahrt“ erlebt beim Hören 😉 Freue mich schon auf die Fortsetzung!

    Mein Musikeinsatz ist sehr geprägt von meiner Lektüre auf dem guten alten alveran.org. Das heißt, dass ich mich meist im Bereich orchestraler, wenig bekannter Filmmusik bewege, und allzu neuzeitlich klingendes bei meinen DSA-Runden meide. Hier mal ein Kochrezept dafür, was bei meinen Gruppen gut ankommt (mit Hörbeispielen):

    – Zu Beginn jedes Abends ein wiedererkennbares Titelthema für Abenteuer oder ganze Kampagnen verwenden

    Wenn man ein Freund von „Was ist denn das letzte Mal passiert, Andreas?“ ist, kommt das Titelthema erst danach. Ich frage noch kurz, ob’s irgendwelche Unklarheiten / Fragen gibt, und drücke dann auf Play. Ist schöner als den Abend mit räuspern und ALLLSOOOO… zu beginnen, jedenfalls bringt es gleich zu Anfang Stimmung und ein wenig Konzentration rein.
    Beispiele: Eine Horasreichkampagne, die in „Die unsichtbaren Herrscher“ gipfelte, jeder Abend begann mit „Die drei Musketiere“ (1993, OST von Michael Kamen, erste 50sec des Stücks „D’Artagnan“: https://www.youtube.com/watch?v=5NHQ0aC_g2I&list=PLpuoM9nnFnuo1DA9ikPtoLfFFlDAvnOfJ), danach habe ich dann aus diesem Album ein weiteres zur Stimmung passendes Stück angespielt, z.B. „The cardinals coach“ für düstere Ausgangssituationen, oder „D’Artagnan“ einfach über Sekunde 50 weiter laufen lassen bis zum Ende für eher unbeschwerte Momente. Ebenfalls ein Klassiker: Schlacht in den Wolken / Aus der Asche begann jeden Abend mit dem getragenen Intro („Prologue“) aus dem Expanded Soundtrack von „First Knight“: https://www.youtube.com/watch?v=srRAVCyLm70. Auch schön: Habe mich an „Namenlose Nacht“ rangetraut, und das mit zwei Gruppen parallel gespielt. Der erste Abend begann mit Clint Mansells „Lux Aeterna“ aus Requiem for a dream (während eines Introtextes, die eine Rückschau auf noch nicht näher benannte Ereignisse enthielt, die die Heldengruppe stark mitgenommen haben): https://www.youtube.com/watch?v=bbS-Zhz31CA Genau dieses Thema habe ich in anderer Instrumentierung bei Schlüsselszenen wieder aufgegriffen.

    – Jede Schlüsselszene erhält einen Song

    Ich verwende selten „Dauerbeschallung“ mit Musik, habe auch die oben genannte „Können wir nicht mal ausmachen“-Erfahrung gemacht. Daher habe ich mir angewöhnt Schlüsselszenen einprägsame Songs zuzuordnen. Die lasse ich meist bis zum Ende laufen, so dass die Gruppe bereits während der Musik handeln kann, hinterlässt dann kein „Stimmungsloch“ sobald Musik und Vorlesetext enden.
    Beispiele: Als Verbindung zum Titelthema des Abenteuers habe ich beim wiederholten Einsetzen eines bestimmten, für „Namenlose Nacht“ entscheidenden magischen Effekts das Thema in einer Spieluhrversion verwendet. Den Spielern standen jedes Mal die Haare zu Berge: https://www.youtube.com/watch?v=z-jEpbiZFJk Gänzlich unmelodisch gehts auch zum Beispiel bei einem sich öffnenden finsteren Geheimgang: https://www.youtube.com/watch?v=xbBCpy43wHg. Die schönste Szenenmusik plane ich noch für „Aus der Asche“, haben das Ende nie gespielt. Ohne jetzt zu viel zu spoilern gibt es da eine Szene, bei der man sich für den Tod geliebter Menschen entscheiden kann, da scheint mir folgendes passend (ausnahmsweise mit Gesang): https://www.youtube.com/watch?v=MMtN5KmzRzs Macht mir eine schöne Gänsehaut…

    – Finstere und / oder rätselhafte Meisterpersonen erhalten (sofern sie mehrfach im AB auftreten) einen Song zur Wiedererkennung

    Hier ist man schnell an der Grenze zwischen „Figur tritt auf“ und „Schlüsselszene“. Wichtig ist, dass sich hier jedes Mal wieder ein „Oh Ooohhh“-Effekt bei den Spielern einstellt. In Namenlose Nacht haben diverse verführerische weibliche Hauptfiguren jeweils ihren eigenen Tango erhalten, die dann ihre ganz eigene Spannung aufgebaut haben. Eine bestimmte Hexe: https://www.youtube.com/watch?v=uW5IS6eNoDo Eine bestimmte Intrigantin al’anfanischer Abstammung: https://www.youtube.com/watch?v=fNk9rvacryo. Sprung zum Jahr des Feuers => hier zählt natürlich nur Bombast: Ein bestimmter untoter Drache 😉 hat sich immer folgendermaßen angekündigt : https://www.youtube.com/watch?v=TFk8L6S3Ru4

    – Gelegentliche Ambience

    Ich verwende ein bis zwei aus Youtube aufgenommene Tracks mit Dauer von 2h für meine Kämpfe, und mixe dann gelegentlich noch für den Hintergrund prägende Geräusche rein (einfach zwei Youtube-Tabs gleichzeitig laufen lassen und gemeinsam 1-2h aufnehmen). Also zum Beispiel Wasserplätschern und Rauschen bei Kämpfen in Namenlose Nacht. Meistens steuere ich dann mit einem auf dunkel eingestellten Smartphone meine Anlage an, ich hasse künstliches Laptoplicht in einer kerzenbeleuchteten Umgebung.

    – Voicemeeter für das Onlinespiel

    Stimme und diverse Musikkanäle gleichzeitig nach Discord oder Skype? Mit dem virtuellen Mischpult Voicemeeter kein Problem (gebt dem Kerl mal nen Kaffee aus, wirklich großartige Software!).

    – Last but definitely not least: „Ge-time-te“ Musik

    Danke für’s Lesen bis zu diesem Punkt 😀 Daher gibt’s hier noch ein Schmankerl auf das ich recht stolz bin. Die in der Episode angesprochene getimete Verwendung habe ich selten eingesetzt, aber die Effekte waren jedes Mal herausragend. Das erste Mal, dass ich damit am Tisch spontane Stimmungsausbrüche kreiert habe, war vor Urzeiten bei „Krieg der Magier“. Die Figuren begegnen sich auf einem Ball in der Neuen Residenz zu Gareth, darunter macht’s halt ein Abenteuer für 21-Stüfler von Hadmar von Wieser nicht. Die Ankunft in der Residenz habe ich recht klassisch mit dem Kaiserwalzer unterlegt. Das Stück hat einen mehrstufigen Aufbau bis zu der Stelle, mit der sich maximaler Effekt erzielen lässt.
    Wer also die Herausforderung eines dreiminütigen Vorlesetext nicht scheut, ist eingeladen sich auf folgendes Experiment einzulassen:
    – Verwendet diese Version: https://www.youtube.com/watch?v=c-hrurBfxaA und haltet die Version die ersten 2,5min auf einigermaßen gleichem Lautstärkelevel. Insbesondere gegen 0:55 müsst Ihr ein wenig runterdrehen, da gehts ins fortissimo, was den späteren Effekt ruinieren könnte. Nach der Stelle dann bitte wieder auf die alte Lautstärke zurück.
    – Malt Euch dann im Geiste aus, wie Ihr die Ankunft mit einer Kutsche durch die Gärten beschreibt, steigert Euch im beschriebenen Prunk, dem Licht, den marmorenen Freitreppen, den Blumenampeln, den erlesenen Getränken, den erhabenen Gästen, bis Ihr auf der Balustrade über dem Ballsaal angekommen seid (der Ball ist schon in vollem Gange, wichtige Leute wie Eure Spieler kommen ja traditionsgemäß etwas später…).
    – Dort müsst Ihr genau um 02:30 der Musik ankommen, und um 2:34 nur noch folgende magischen Worte sprechen: „Du bleibst einen Augenblick stehen [kurze dramatische Pause, dann auf den letzten Noten vor der nächsten Anhöhe]…. und lauschst der Musik.“ [Hier mit Karacho die Lautstärke hochreißen]. Bei der Stelle hat’s dann den ein oder anderen dafür empfänglichen Mitspieler förmlich aus dem Sessel geblasen. Tadiihh, didaaahh, da-didid-did-daaaaahhh…

    Viel Spaß beim Ausprobieren! Falls es noch eine Musikfolge gibt, (und Euch die Msuikauswahl bis hierhin nicht zu cheesy war) krame ich bei Interesse gerne noch raus, wie ich Morricones „Il Triello“ aus „The Good, the Bas and the Ugly“ für ein in das Finale von Namenlose Nacht hineingeschriebenes Triell verwendet habe 😉

    Es grüßt,
    der Cìjan

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