Folge 155 – Zustand und Zukunft des Rollenspiels

In Folge 152 haben wir eine Prognose über den Zustand des Rollenspiels aus dem Jahr 2009 auf Herz und Nieren überprüft. In der heutigen Folge stellen wir eine Gegenwartsdiagnose und spekulieren, wie das Rollenspiel in zehn Jahren aussehen wird. Handverlesene und phänomenale Gäste helfen uns dabei.

Cast: Martin, Frank, Gerd, Roland, Daniel, Patrick, Hadmar Länge: 01:04:20

Inhalt:
00:21 Zehn Jahre im Hobby: the wind of change
04:13 Autor, Redakteur und Cthulhu-Experte: Frank Heller
10:03 Rollenspielladen-Urgestein: Gerd Eibach
22:15 Rollenspiel-Onlinehändler: Roland Bahr
30:20 Rollenspiel-Verlagsleiter: Patrick Jedamczik und Daniel Neugebauer
44:06 Rollenspiel-Podcastkasper: unser Host
47:13 Rollenspiel-Guru und -Übervater: Hadmar von Wieser

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Das Wispernde Herz  (Das Schwarze Auge)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Beschreibe uns in den Kommentaren bis zum 27.09.2020, 24 Uhr, welche Prognose du für das Rollenspiel für das Jahr 2030 abgibst oder stelle den Gästen eine Frage. 🙂

Links:

Eskapodcast 152 – vom Untergang des Rollenspiels 2008/09
Der Hexer von Salem
André Wiesler: What is roleplaying? 1, 2, 3
Fria Ligan Verlag
Schallplatten verkaufen sich besser als CDs?
Augmented Reality
Vocoder

Download der Folge als mp3 ] [ Archiv ]

19 Gedanken zu „Folge 155 – Zustand und Zukunft des Rollenspiels

  1. These (ohne den Podcast gehört zu haben): In 2030 werden postapokalyptische Szenarien nicht mehr so gut gehen. Wenn man sowas will, kann man auch gleich aus dem klimatisierten Spielekeller nach draußen gehen. Stattdessen wird sich der (um den Winkel Alpha auf seiner AR-Liege)
    geneigte Rollenspieler rein europäisch-weißer Fantasy (z. B. die Tempelritter Kampagne) reinziehen. Cyberpunk wird von Alphabet Inc. wegen Subversion verboten. In den USA herrscht DJT als gottgleicher Imperator und CEO Maximus von Alphabet Inc (dem jetzt auch SpaceX, Facebook, Amazon usw angegliedert wurden). Die südliche Mauer zu Bewahrung des heimischen Marktes von den Schundprodukten von Aztech wird jährlich verstärkt. Die EU gibt es nicht mehr, dafür ein neues Frankenreich beherrscht von dem Duumvirat Kaiser Jean Christophe Napoléon und Kaiser Karl Friedrich von Hohenzollern.

  2. Dieses Thema packt mich weiterhin ziemlich. Insofern spekuliere ich mal etwas drauf los.

    Ich denke, das Rollenspiel wird noch eine ganze Weile weiter wachsen (wenn auch vielleicht weniger schnell) und danach nicht so bald schrumpfen.
    Trotzdem wird auch mit diesem größeren Markt, niemand mit RSP reich werden. Das geht einfach nicht. Ich werfe hier erneut meine umstrittenste These in den Raum: Rollenspiel ist der Marxismus der Unterhaltung. Da wird man nicht reich mit, da kann man höchsten von leben.
    Sehr große Verlage, wie WotC, mögen ordentliche Gewinne machen, aber auch diese Ausnahmen werden kaum an die Mitarbeiter weitergereicht. Von RSP wird man nie eine Villa bezahlen können.
    Aber(!) angrenzende Unterhaltung wird vermutlich immer mehr einspielen. Man vergleiche mal den Erfolg der Critical-Role-Animationsserie mit den Einnahmen durch die CR-Quellenbücher.

    Ich würde außerdem zwei Punkte von Hadmar aufgreifen. Vielleicht möchte er sich dazu ja äußern.
    Ich glaube auch, dass Rollenspiel die Welt zu einem besseren Ort macht. Und ich denke, dieser Effekt wird sogar noch wachsen. Es wird mehr in Therapien verwendet werden (eh ein steigender Trend), mehr zur Gruppenarbeit, mehr zur Selbstverbesserung.
    Ich sehe auch die wachsende Inklusion als Trend und wichtige Aufgabe. Die von Hadmar beschriebene Dominanz des englischsprachigen Marktes finde ich hier aber gelegentlich kontraproduktiv. Weil diese Konzepte alle aus den USA stammen und dann hier per Strg+C, Strg+V Maßstäbe angewendet werden, die auf Europa nicht ohne weiteres übertragbar sind. Amerikanische Rassenvorstellungen und amerikanische Sexualmoral sind hier die größten Probleme mMn.

  3. Sehr schöne Folge, inhaltlich und vom Aufbau her. Ich hatte zuerst mit einer „Podiumsdiskussion “ gerechnet, was natürlich der Knaller gewesen wäre. Aber so war es auch sehr gut.

    In 2030 wird sich vielleicht das Onlinerollenspiel noch mal mehr etabliert haben und mehr Leute trotz räumlicher Trennung spielen können, immer mal andere Spiele und mit anderen Spieler.
    Wie Hadmar Wieser erwähnt hat sind im Onlinerollenspiel noch viele Möglichkeiten nicht ausgereizt (Musik, Filmchen, Hintergrund, Masken, Spracheveränderungen).

    Das wir alle im gleichen Pflegeheim sitzen und spielen, wird 2030 hoffentlich noch nicht der Fall sein und die Rente ist dann auch noch nicht erreichbar. Aber die Kinder sind dann so groß, dass man wieder Zeit.
    Zum Thema Nachwuchsförderung bin ich blank. Denn eigentlich komme ich durchs spielen ans Spiel und da ist die Konkurrenz durch andere Medien echt groß.

  4. Hallo,

    zunächst mal gratuliere ich Euch zu eurem sehr kurzweiligen und informativen Podcast. Ganz besonders auch zu den beiden Folgen zur (rückwärtigen) Betrachtung über die Zukunft des Rollenspiels. Fand ich sehr interessant.

    Besonders teile ich hierbei die Annahme aus dem letzten Beitrag, nachdem die amerikanischen Produkte noch stärker den deutschen Markt dominieren werden. Oder anders gesagt: die auf Einsteigerfreundlichkeit (z.B. DnD) getunten Systeme werden besser in den sozialen Medien präsentiert werden können und damit ein breiteres (und weniger erfahrenes) Publikum ansprechen. Hingegen werden komplexere Systeme (dazu ich zähle DSA) vermutlich weiterhin eine konstante Fangemeinde aufweisen.

    Was ich mich dabei frage ist: durch die Vielzahl der Systeme, dem ganzen Haufen an Regelwerken, Quellenbüchern, vorgefertigte Abenteuer, Weltenkompendien usw. füllen sich bei scheinbar vielen Spieler*innen ganze Regalreihen Mit Material. Wann wollen die das denn alles spielen? Ich bin froh, wenn ich 1-2 Mal die Woche meine DnD5e-Runden spielen kann. Ich habe bei Weitem nicht Alles von 5e, aber damit kann ich doch auf Jahre hinaus spielen, bis man mal – überspitzt formuliert – das Monster Manual durch hat.

    ich würde mich daher freuen, wenn Ihr mal eine Folge produziert, wo ihr der Frage nachgeht, was wirklich gespielt wird und was sonst nur der Sammelleidenschaft zum Opfer gefallen ist.

    Viele Grüße

    Stephan

    • „ich würde mich daher freuen, wenn Ihr mal eine Folge produziert, wo ihr der Frage nachgeht, was wirklich gespielt wird und was sonst nur der Sammelleidenschaft zum Opfer gefallen ist.“

      Das fände ich auch mal interessant, und natürlich die Gründe warum man System X, Y und Z hat, aber nur Katzen im Weltall spielt. (Mangel an Mitspielern, Mängel des Systems , Mangel an Material.)

  5. Ein paar ungeordnete Gedanken:

    Ich vermute, dass in 10 Jahren Nostalgiespiele im 2000er Stil rauskommen.

    Online-Spiel wird verbreitet sein und es wird mehr Verkäufe für Plattformen geben, also Kartensets zu Abenteuer oder Monster samt Bilder und Werte, die direkt in das zukünftige Roll20 geladen werden.

    Bücher aus Papier wird es immer noch geben. Aber Rollenspielläden leider nicht mehr.

    Ich glaube, dass der DnD Hype stark abnimmt. Sie haben ein tolles System zur rechten Zeit rausgebracht, aber das wird sich nicht wiederholen lassen.

    • „Ich vermute, dass in 10 Jahren Nostalgiespiele im 2000er Stil rauskommen.“

      Oh, ich kann es mir definitiv vorstellen:
      „Hey, wisst Ihr noch, DSA4.1? Wie wir damals ewig gesessen haben und grübelten, ob wir für die letzten 5 Abenteuerpunkte noch Nivesisch auf 2 steigern oder doch lieber einen Punkt in Töpfern kaufen sollten?“

  6. Moin,

    ich denke, dass wir deutlich mehr Rollenspiel übers das Internet sehen, wobei im Zuge von Crowdfundings auch mehr online spezifischer content angeboten wird (Sound snippets, digitale Charaktete, elektr. Battlemaps und Probes).

    Eine Verknüpdung völlig neuer Medien wie VR, deep fake, einfach zu designende Spieleumgebungen für den Heimgebrauch werden wie 3D am Massenmarkt vorbei gehen, da sie kein dringendes Bedürfnis erfüllen.

    Erfolgreiche US Marken werden stark etabliieren und den Vertrieb direkter organisieren, wobei content stärker zergliedert oder als Abo Modell vertrieben wird, um eine bessere Monitarisierung des Hobbies zu ermöglichen und die Expansion zu rechtfertigen.

    Frage an die Runde: Gibt es ein Produkt/ein Gadget/einen Mechanismus/ein Spielzubehör was jedes gute Rollenspiel in 2030 hat? ( ala Deck Building, Karten mit Werten, Spielleiterschirm und dice tower, Holo Drone und GPS Stiefel )

    Beste Grüße,
    Rob

  7. Ich denke, dass das Hobby weiter in verschiedene Richtungen wachsen wird – man fällt also unter die gleiche Überschrift, aber hat auch mit großen Teilen der Szene im Prinzip nichts zu tun (wie das bei manchen Sportarten auch ist: „Radfahren“ ist der große Überbegriff, aber die einzelnen Kategorien sind so verschieden, dass sie jeweils eigene Begriffe prägen).

    Eine große Trennlinie sehe ich bei dem verlaufen, was Hadmar in Sachen virtuelles Rollenspiel angesprochen hat: Klar wird es Leute geben, die diese Möglichkeiten nutzen, aber damit ufert auch die Vorbereitungszeit, der Rechnerbedarf etc. pp. völlig aus.

    Rollenspiel hat sich ja gerade gegen die oft als „Spielerklau“ angeführten PC-Spiele gehalten, weil man so leicht und schnell improvisieren kann und die Produktionsmittel so zugänglich sind.
    Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das zumindest einen Teil der Szene immer im „analogen“ Bereich halten wird.

    Ähnlich auch mit Abo-Modellen und sonstiger digitalisierter Monetarisierung:
    Einen gewissen Teil der Kundschaft bekommt man damit, aber anders als bei Videospielen & Co. hat man hier nicht nur die Wahl, alles so zu fressen, wie es ist oder das Spiel nicht zu spielen.
    Wenn man auf solche Modelle keinen Bock hat, dann – siehe Lichtbringer – macht man es eben selbst und das wird wie im Podcast angeklungen immer leichter.
    Benutzbar hat man ein Spiel in Windeseile und halbwegs ansehnlich ist es auch mit vertretbarem Mehraufwand.
    Da hat der kommerzielle Anbieter keinen Hebel und keine „Macht“ über die Spielerschaft, sondern muss schlicht das bessere Angebot im Vergleich zum Eigenbau parat haben.

    Randbemerkung:
    „Ich vermute, dass in 10 Jahren Nostalgiespiele im 2000er Stil rauskommen.“

    Gibt es dann auch Retroklone zweiter Ordnung? Also Neuauflagen für die Leute, die sich nostalgisch an die Retroklone erinnern, aber die zugehörigen Originale nie gekannt haben? 😀

        • Nein, aus der Nähe Hannovers, aber Ackerknechts Frage war ja mit Google Fu leicht zu beantworten, wenn man sich an den Namen des Ladens erinnert.
          Bei der Wegbeschreibung musste ich passen .

          • Melde dich am besten im Vorfeld mal bei uns, vielleicht gibts ja ein Zeitfenster, dass man mal ein Käffchen trinken kann oder so.

          • Hat leider nicht geklappt, meine Veranstaltung hat überzogen und ich musste zum Zug…
            Es kann aber, wenn sich die Situation wieder beruhigt, durchaus passieren, dass ich in den nächsten 2 Jahren noch ein oder zwei Mal nach Würzburg komme – dann gebe ich Bescheid. (Hübsche Stadt habt ihr da, btw)

    • Hermkes Romanboutique in der Valentin-Becker-Str. 1a in Würzburg. Das liegt vom Konresszentrum aus gesehen hinter der Residenz: Ist schon ne längere aber machbare Strecke zu Fuß, ansonsten fahren auch Buslinien von der Juliuspromenade aus da hin: https://www.comicdealer.de

      Toller Laden – wenn Du es schaffst – schreib gerne mal Deine Eindrücke! 🙂

      • Auch ich habe es zu meiner großen Schande noch nicht geschafft, Gerd zu besuchen.

        Aber sein Laden ist mir selbst im fernen Kiel empfohlen worden!!

  8. Mein Vision für 2030:

    DSA6 wird noch modularer und das Grundsystem für Spiele auf Dere (wahlweise in Aventurien oder im High-Fantasy-Setting Myranor oder auch in Uthuria). Die 3W20-Probe ist optional nutzbar, ansonsten wird ein einfacheres Würfelsystem geboten, das auch Einsteigern ein flüssigeres Würfeln ermöglicht.

    D&D6 wird Umsetzungen dann populärer Settings auch anderen Medien wie Kartenspielen oder Fernsehserien bieten.

    Die gößten RSP-Händler werden online arbeiten, Läden wird es noch weniger geben.

    Generell wird mehr online laufen – bei Kaufabenteuern werden Bodenpläne, NSC-Karten, passende Musik, Filmchen usw. für Oberflächen wie Roll20 oder Ähnliches direkt mitverkauft.

    „Verlage“ wird es sicherlich noch ein paar geben, aber nur sehr wenige Personen werden ihr Leben wirklich mit dem Schreiben von Rollenspielen verdienen – vielmehr werden Personen nebenher Abenteuer, Programme usw. anbieten und über DriveThruRPG (oder was immer dann gerade genutzt wird) verkaufen. Auch ein Sponsoring-System wie Patreon (aktuell schon beim Uhrwerk-Verlag oder bei Donnerhaus) wird helfen, RSP-Material zu produzieren.

    Die Spielelandschaft wird sich noch weiter diversifizieren – es wird mehr und unterschiedliche Systeme geben, vielleicht auch noch weitere Genre und mehr Spielarten (vom DungeonCrawl bis zum Liverollenspiel am Tisch) geben.

    Ich denke außerdem, dass Rollenspiel eine (weiter alternde) bestehende Fan-Gemeinde behalten wird, Nachwuchs aber nicht dauerhaft gebunden werden kann – dafür gibt es jetzt schon zu viel zu konsumieren und zu erleben.

    Zu diesem Thema hätte ich noch eine Frage an Hadmar von Wieser:
    Er meint, in Deutschland beträgt der Anteil der Rollenspieler unter 1 % – in Amerika um die 5 %.
    Jetzt die 100.000-Spieler-Frage: was haben die Amerikaner anders gemacht, um diese Zahlen zu erreichen? Was müssten wir tun (wenn es nicht schon zu spät ist), um das Hobby weiter bekannter zu machen?

    Zum Abschluss natürlich noch: super Folge!! So viele verschiedene Stimmen zusammen, die auch alle etwas zu sagen haben – toll!! Absolut Super!!
    Vielen Dank dafür!!

  9. Hoppla, wie die Zeit vergeht. Da wollte ich doch meinen Senf bis zum 27.09. 24 Uhr noch dazu geben und schon gibt es ein neues Thema.
    Trotzdem ein paar Wort meiner Einschätzung zur Zukunft des Rollenspiels, obwohl ich ja bekanntermaßen nicht viel von solchen Prognosen halte, was ich scheinbar mit dem einen oder anderen Interviewgast des Podcasts gemein habe.
    Das klassische P&P hat, meiner Meinung nach, keine so grandiose Zukunft. Wenn erst mal die Rollenspieler-Generationen, die in den 70er und 80er-Jahren entstanden sind und Zurzeit noch die größte, sammelwütigste und kaufkräftigste Gruppe bilden, verschwunden ist, wird das einen bedeutenden Einschnitt im Rollenspielmarkt erzeugen.
    Für mich bedeutet das aber nichts negatives für dieses Segment des Rollenspielhobby, denn das Spiel lebt von den Leuten, die es spielen, kreativ sind und sich mit eigene Ideen neue Welten und Geschichten erschaffen. Ob es dann noch einen Verlag mehr oder weniger gibt, der Rollenspiele professionell vertreibt, spielt für mich keine Rolle. Die Rollenspielszene startete vor über 40 Jahren eben durch die zahlreichen Kreativen, die in der Folge neue Spiele erdacht haben, Ergänzungsmaterial und Geschichten auf Amateurebene verbreitet haben (damals z.B. in Fanzines, heute z.B. in Blogs) und so wird es sicher immer weiter gehen.
    In diesem Sinne feiere ich auch die Aussage von Gerd, aus der Romanboutique in Würzburg und kann nur sinngemäß wiederholen: Für ein Rollenspiel ist nicht viel nötig, seit kreativ, lasst was aus eurer Phantasie entstehen, habt Spaß auch mit einfachen Geschichten – so wird das Rollenspiel immer weiter existieren.

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