Folge 146 – Die dunklen Geheimnisse der OSR (Interview)

Originalausgabe von Chainmail unter dem Kopfkissen? Check. Mit Gary und Dave noch persönlich gequatscht? Doppel-Check! Der Oldschool-Papst Moritz Mehlem erweist uns die Ehre und lüftet die Schleier, die die OldSchool-Renaissance umwabern. Wir prüfen kritisch, ob die OSR ein fader Aufguss ist oder vielleicht doch ein knisterndes Feuer, das der Funkenschlag alter Tage neu entfacht hat.

Cast: Martin, Moritz Länge: 01:09:20

Inhalt:
00:20 zehn Jahre Dauervorsprung: das „D“ in „DnD“ steht für „Moritz“
08:01 olle Kamellen: OSR, wer braucht sowas überhaupt?
18:50 OSRIC, was ist das? Ein Shampoo? – von der Relevanz der OSR
21:41 die OSR in Deutschland: Geheimtipp oder Bastion der Aufrechten?
29:08 Postmodernismus: Richtet sich die OSR an saturierte Altrollenspieler?
33:06 Nostalgie, Eitelkeit und Zufallstabellen: Wäre NEZ das bessere Kürzel?
42:42 die besten drei Abenteuer von kurz nach früher bis jetze
58:40 Praxistipps vom Altmeister: die OSR zum Zünden bringen

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Fluch der Babarenkönige und Segler auf Sternenloser See (System Matters Verlag)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Schildere in den Kommentaren bis zum 24.05.2020, 24 Uhr deine Erfahrungen Prognosen mit und deine Prognosen zur OSR oder stelle Moritz eine Frage (vorzugsweise zum Thema 🙂 ).

Links:

Eskapodcast – Folge 21: Der Erfinder des Nudelauflaufs (Interview)
Eskapodcast – Folge 126: DCC, Glanzlicht der OSR
Dragonsfoot Forums
Moritz bloggt wie ein junger Gott! (Von der Seifenkiste herab)
wenn Martin auf Gary treffen würde
Illustrationen von Erol Otus
Larry Elmore
OSRIC
dieser Hashtag muss trenden!

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28 Gedanken zu „Folge 146 – Die dunklen Geheimnisse der OSR (Interview)

  1. So ein bisschen stehe ich mit einigen Aspekten der OSR schon auf Kriegsfuß – das teils abartig augenkrebserregende Artwork* tut da genau so seinen Teil wie die Weirdness (mit der ich so gar nichts anfangen kann) und ein paar Ecken des D&D-Regelwerks, insbesondere die Magieregeln.

    *Da muss ich an den Grafikmenschen vom Starcraft Remaster denken, der meinte: „Das sieht genau so aus, wie man sich falsch dran erinnert, dass es früher ausgesehen hätte“ 😉
    Will heißen:
    Ein hochwertig produziertes OSR-Spiel mit liebevoll auf Elmore/Yüce getrimmtem Artwork (gerne als Box!)…das gibts viel zu selten.
    Im Grunde so was wie Forbidden Lands, aber das hat wieder das „falsche“ Regelwerk. Denn so sehr mir manche Sachen bei D&D auf den Keks gehen, hätt ichs trotzdem lieber als dieses schwedische D6-Gewurstel…

    Andererseits sind die übergeordneten Gedanken wie offen würfeln und „echte“ Herausforderungen bieten genau mein Ding…
    Entsprechend schaue ich da immer mal wieder rein und habe immerhin eine kleine Handvoll OSR-Spiele gefunden, die mir ganz gut gefallen – Wolves of God etwa oder Stars Without Number sowie Lion & Dragon.

    Und mit den gleichen Grundgedanken gibt es abseits von D&D auch noch ein paar andere, die im Prinzip mit in die OSR-Ecke gehören, ob das nun Traveller ist (was auch quasi seinen eigenen Retroklon darstellt und deswegen keine Klonschwemme braucht 😉 ) oder Advanced Fighting Fantasy/Stellar Adventures.

    Weil die aber alle den gleichen Ansätzen in Sachen Spielleitung, Verhältnis von SL zu Spielern, Schwerpunkt auf Spielerfähigkeiten etc. pp. folgen, wird es zwar irgendwann neue Nostalgieveranstaltungen für die dann alten Säcke geben (gutes altes DSA4.1 so wie früher – da hab ich laut gelacht), aber das ist dann eben keine OSR, so wie ja heute schon fieseste Alt-DSA-Erzählonkelei, Eisenbahnfahrt und Würfeldreherei zwar DSA „wie früher“ ist, aber doch deutlich was anderes als OSR.

  2. Großartige Folge! Das hat mir jetzt mal ordentlich den Sonntag versüßt. Vielen Dank. Mich begeistert an der OSR der kreative Output und die Do it Yourself – Attitude vieler Designer*innen & content creator: So viele frische Ideen, spannende settings…da kommt man im Grunde nicht mehr hinterher. Schön ist ja auch, dass es mittlerweile auch etliche OSR Sachen gibt, die nicht mehr nur den klassische Dungeon Crawl in den Blick nehmen oder in Bezug auf das System als D&D-Interpretation aufgefasst werden können. Das (geniale) Mothership RPG oder Stars without Number fielen mir auf Anhieb als Bsp. für SciFi settings/Systeme ein.
    Lesetipp für historischen Abriss über die Frühzeit von D&D, das klang in der Folge ja auch an (mit Fußnoten galore!): Jon Peterson (2012), Playing at the World

  3. Großartige Folge! bei alle dem geballten wissen würde mich interessieren ob ihr vielleicht wißt ob es die deutsche „Rote Box“ von D&D auch als PDf wo gibt, da ja die Preise einer gedruckten Box ins unermessliche steigen thx m.

    • Hi. Nein. Leider nicht. Und ja, man trifft immer seltener auf Auktionsplattformen darauf. Und wenn, dann zu echt schlimmen Preisen. Ich habe leider nur noch meine eigene Arbeitskopie und eine eingeschweißte Box. Die muss ich leider behalten…

  4. Schöne Folge! Ich persönlich mag OSR als Ergänzung zum normalen Rollenspiel. Ich spiele momentan DSA 4.1 und da ist ein schnelles OSR zwischendurch manchmal eine wahre Wohltat. Die Regeln sind übersichtlich, ein Charakter ist schnell gemacht und an ein bis zwei Abenden ist man durch.
    Als Spieler ist die Herausforderung schön. DCC ist da ein schönes Beispiel. Bei vielen klassischen Systemen ist mE die Option, dass der Spielerheld auch einmal sterben kann, doch recht unwahrscheinlich. Das Design von DCC oder Lotfp finde ich gerade gut. DCC habe ich mir tatsächlich nur gekauft, weil das Cover so auffallend und old-schoolig ist.

  5. Interressante Folge. Wir hängen noch bei DSA 3. Zum einen haben wir noch einen Schrank voll an Heften und Büchern aus den 90ern und zum anderen mochten wir die komplexer werdenden Regeln nicht. Letzteres wäre event. eine Chance für OSR.

    Meine Frage an Moriz: Wie schnell kommt man in OSR hinein?
    Und eine Spezial-Frage zu Carcosa: Habe ich es richtig verstanden, dass in dieser imaginären Stadt sowohl OSR-Fantasy- als auch moderne Call of Cthulhu-Abenteuer stattfinden?

    • Hi. Ich denke man kann sehr schnell reinkommen – zur Not spielen wir mal eine oder zwei Runden.

      Den von System Matters übersetzten „primer for old school gaming“ kann man sich mal gut durchlesen. Der kostet ja nix. Ist nicht ganz perfekt, aber um ein paar Basis-Konzepte zu überblicken ist er sehr brauchbar. Dann organisiert man sich einen oder zwei reine Retroklone und vielleicht ein paar gute Abenteuer und es kann losgehen.

  6. Ich habe die Befürchtung, dass die von mir gespielten langen Heldenreisen mit langer Entwicklung der Figur nicht zur OSR passt. Für meine Vorstellung ist die brutale Tödlichkeit ein Spaßkiller.

    Andererseits habe ich großen Spaß ein eindimensionalen Figuren, deren Ableben mir dann egal wäre. Und die Vorstellung, dass die Figur, die es durch den Funnel kommt, es auch wirklich verdingt hat, kickt mich auch.

    …. naja, vielleicht einfach mal ausprobieren.

  7. Interessanter Beitrag, gerade weil mir OSR nicht liegt. Ich habe selbst erst vor kurzem das Modul Tomb of Horror gelesen.
    Kennt ihr diese ausführliche Kritik and DnD und wie wäre es dazu eine Folge zu machen?
    https://theludite.com/dragon/ (das ist VIEL zu Lesen)
    Sie beschreibt für mich auch vieles was mir an DSA und Co. nicht gefällt.

  8. Sehr schöne Folge, hat großen Spaß gemacht.
    Eine Frage an Moritz & Martin: Die 4. Edition von D&D war recht umstritten, die 5. Edition scheint wieder besser zu gefallen. Hat das eurer Meinung nach positive oder negative Auswirkungen auf die OSR Szene?

    • Ich glaube die OSR-Szene stört sich nicht an D&D 5. Vermute, die nimmt sie kaum zur Kenntnis. Also man erkennt wohlwollend an, dass das Rad wieder etwas in Richtung „einfacher“ gedreht wurde, aber ich kenne wenige englischsprachige Old-Schooler, die D&D 5 spielen.

      Witzigerweise spielten etliche (ich auch) gerne D&D 4. Es ist zwar ein unterdurchschnittlich großartiges Rollenspiel. Aber es ist ein fast perfektes Skirmish-Game mit perfekt formulierten Regeln für Turnier- oder vergleichende Abenteuer. uh. Jetzt hab ich gerade Bock auf eine herausfordernde Runde D&D 4…

  9. Ich werde selber nicht so recht warm mit OSR, weil ich mich da mit meinen Vorlieben (erzählerische Spiele zum einen und moderne, mainstreamige Systeme zum anderen) am genau anderen Ende des Spektrums bewege. Ich sage OSR deshalb einen qualvollen Tod & einen erbärmlichen Untergang voraus! Muahahah! Da ich mit meinen Prognosen aber generell stets falsch liege, hat OSR wahrscheinlich eine blühende Zukunft vor sich. Die Vergangenheit ist also Zukunft, oder Zukunft ist Vergangenheit oder so ähnlich 🙂

    An Moritz Mehlem stelle ich die Frage aller Fragen:
    Arneson oder Gygax?

    • Ich bin sicher, dass sie neben anderen Strömungen irgendwie weiter existieren wird. Glüklicherweise gibt es ja für jeden Geschmack etwas.

      Lange Jahre hätte ich ganz klar Gygax gesagt, heute bin ich mir nicht mehr so sicher.

      Heißer Ansehtipp: Die Dokumentation „Secrets of Blackmoor“ – habe ich ja schon im Podcast gesagt. Das ist mal eher die Arneson-Sicht, wo wir ja jahrzehntelang eher gygaxozentristisch informiert wurden.

      @Duden: I call dibs on „gygaxozentristisch“.

  10. Hallo Moritz,

    in guter Tradition des Eskapodcasts schlage ich dir mal vier gewagte Thesen zur OSR vor und du beziehst dazu Stellung. Und bitte keine #larifariholgerantwort, okay?

    1) Auch wenn sie so gut und alt tut, ist die OSR eigentlich eine Unterform der Indybewegung – klar fokussierte, simple Regeln; eindeutige Zielsetzung; massiver DIY-Anteil. Usw.

    2) Die OSR ist eigentlich nur ein Fanservice für die Nostalgie alter, grummeliger Männer. Weil die Darstellung der guten alten Zeit historisch völlig inkorrekt ist (ist sie übrigens tatsächlich), geht es offenbar nur darum, dieses nostalgische Gefühl anzusprechen.

    3) Mit der 5. Edition von D&D ist die OSR weitestgehend obsolet, weil durch den offenen Playtest die meisten Forderungen der OSR in D&D 5 einflossen.

    4) Verliese sind die Erbsünde des Tischrollenspiels. Nicht weil sie an und für sich schlecht wären, sondern weil sie zu leicht durch Videospiele zu ersetzen sind (die größten Konkurrenten um die Zeit potentieller Spieler). Klar, für jemanden, der schon Rollenspieler ist, ist der Unterscheid deutlich. Aber für einen Außenstehenden ist es total unoffensichtlich, warum Viecher in Verliesen zu verkloppen am Tisch mit Figuren und Kopfrechnen bessern sein sollte als am Rechner mit geiler Grafik und komplexere Mathematik, die die CPU einem abnimmt. Die Prävalenz von Verliese im Tischrollenspiel hindert das Wachstum des Hobbys.

    Also, was sagst du dazu?

  11. Ja, ich bin schon ein alter Hase im Rollenspieluniversum und machte so manche Regel-Version-Aufblähung mit. Doch habe ich bemerkt, dass die Schwierigkeit neue Mitspieler, die zuvor noch nie Rollenspiel gespielt haben, ans Rollenspiel heranzuführen, mit der Komplexität der Regeln zunimmt. Daher kommen mir OSR-Systeme wie „Beyond the Wall“ sehr entgegen, da sie die Einstiegshürde doch sehr niedrig halten und jeder gleich mit ins Abenteuer einsteigen kann.
    „Beyond the Wall“ wird bei mir derzeit als Standard-Einsteiger-Rollenspiel in meiner Rollenspiel-Ag in der Schule verwendet. Und es läuft richtig gut. Und wenn der Wunsch nach Komplexität zunimmt, und die Spieler flügge werden, können sie ja mit anderen Systemen selbstbewusst zu eigenen neuen Ufern segeln.
    Wenn ich mir vorstelle, dass ich mir damals anstatt der Roten D&D Box die aktuelle DSA-Regeln (oder andere komplexe Regelwerke) hätte selbst beibringen müssen, wäre ich wohl kläglich gescheitert und hätte aufgegeben.

    Ich glaube bei den gereiften Rollenspielern ist es nicht unbedingt der Wunsch den alten Sense of Wonder wieder zu erleben, sondern es hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass man, nach allen Rollenspiel-Entwicklungs-Orgien, mit einfachen Regeln ebenso stimmungsvolle Abenteuer spielen kann.

    Es ist jetzt nicht so, dass ich reuhmütig zu den „alten“ Systemen zurückgekehrt bin. Ich spiele auch aktuelle, regeltechnisch ausgeprägte Rollenspiele. Aber ich spiele differenzierter. Je nachdem mit wem ich spiele, wird das entsprechende Rollenspiel ausgepackt.

    Im Endeffekt (und jetzt werden mich viele Rollenspieler wohl steinigen) ist das Rollenspiel für die erzählte Geschichte unwichtig. Daher ist mir derzeit einfacher lieber.

  12. Eine Frage:
    Stammt die OGL wirklich noch von TSR? (Podcast Minute 16:50) Ich dachte, die hätte wotc 2000 eingeführt.

    Aber ansonsten ja, ich merke, wie die Kreativität gefordert wird und wie schwer mir das als altem DSA-Spieler fällt. Im Moment brauche ich gerade ca. 10 Low Level für The Black Hack, und ich komme nicht voran (und Monsterdesign bei TBH bedeutet „HD festlegen, eine Sonderfertigkeit ausdenken“)

  13. Prognosen abzugeben fällt mir schwer – ich glaube auch, dass die OSR sich einen festen Platz erobert hat. Sie profitiert m.E. aber auch davon, dass es zu wenig regelleichte, klassische Rollenspiele gibt.

    Ansonsten geht’s mir wie dem YY: es gibt Aspekte der OSR, die ich sehr mag. Mit anderen tue ich mich schwer (ich finde bspw. eine ganze Reihe von Designartefakten nicht übermäßig elegant und mag tendenziell uneinheitliche Mechaniken nicht so sehr). Aber insgesamt liegt die OSR schon ziemlich nahe an meinem optimalen Spielgefühl, insofern würde ich sagen: mehr OSR ist immer gut. Ganz oben auf der Wunschliste: ein Old-School Shadowrun. Aber auch ein Old-School-DSA würde mich ansprechen. Leider fürchte ich, dass es da wirklich an der Lizenzbasis fehlt.

    Und was mir immer wieder schmerzlich auffällt: abseits gewisser Restaurationen durch Ulisses gibt es kaum eine deutsche Übersetzung vor 2000 in digitaler Form. Das ist wirklich ein Verlust.

  14. Huch, obiger Kommentar galt dem fnord 😉

    Meine Frage an Moritz: Woran arbeitest Du aktuell (rollenspieltechnisch)?

    Anmerkungen zur Folge:
    DCC auf Platz 3 hinter Pathfinder und D&D? Die IcV2-Zahlen sagen, dass DCC ab und an die Top 5 erreicht, aber aktuell z.B.:
    https://icv2.com/articles/markets/view/43732/top-5-roleplaying-games-spring-2019

    Es gibt/gab auch einige wenige DSA1-Klone (oder Versuche):
    Das Auge – https://www.ulisses-ebooks.de/product/281716/Das-Auge
    DDR – http://tagschatten.blogspot.com/2012/03/retroklon-ddr-vage-vorstellungen.html

    Literarische Vorlage für die DnD-Alzheimermagie:
    https://greifenklaue.wordpress.com/2009/02/09/literariesche-vorlage-fur-die-dnd-alzheimermagie/

  15. Erst einmal – vielen Dank für die Folge und die Einblicke!

    Zu den Prognosen – ich prognostiziere mal, dass so lange es Menschen gibt, die „damals“ (TM) gespielt haben, es auch die OSR geben wird. Gerade regelleicht wird ja immer dann interessanter, wenn man neben Arbeit und Familie noch ein wenig Rollenspiel unterbringen will – und eben dann mehr Zeit aufs Spielen denn aufs Regeln lesen verweden möchte.

    Meine Frage an Moritz:
    Ist die OSR automatisch herausforderungsorientiert vom Spieansatz her?
    Ich las in den „Handbüchern des Drachen“ (meines Erachtens sogar von Mentzer) den Kommentar, dass „damals“ (also in den echten Anfängen) die SL immer „gegen“ die Spieler gespielt hat und per se eher knickerig war (á la „Dir fällt ein Stein auf den Kopf, denn Du hast nicht gesagt, dass Du nach oben schaust…“) – ist das das gewollte Spielgefühl, wenn Du spielst „wie damals“?

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