Folge 143 – „Ich verdiene als Spielleiter viel Geld“ (Interview)

Bezahltes Spielleiten war gerade erst Thema? Wir legen nach! Christian Thier erzählt uns von seinem Leben im härtesten Gewerbe* der Welt. Wie hoch ist die Nachfrage nach seinem Service? Welches Einsatzgebiet hat ein fliegender SL? Und, ganz wichtig: Wieviele Gold- und Silbermünzen wechseln pro Session die Hände? Kann man am Ende sogar gut und reichlich davon leben?

*Faktenlage zur Gewerbehärte derzeit noch unklar

Cast: Martin, Christian Länge: 01:00:30

Inhalt:
01:29 Rollenspielviten: vom Junghelden zum professionellen SL
09:20 Was sind das für Leute, die fürs Spielleiten bezahlen?
17:00 Was muss der Profi-SL alles können? Wie regelfest muss er sein?
26:74 Wieviel Geld bekommt man als Profi-SL? Wer bezahlt die Chips?
37:24 Sonderwünsche und Screening: Was steht alles auf der Checkliste?
40:50 vorbereitete Figuren, Duft-Suspenser, massig Filmblut: RPG-Luxus!
47:37 Was macht man mit einem Störer, der nervt, aber bezahlt hat?
56:33 Ist bezahltes Spielleiten unfein und schlecht für das Hobby?

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Abenteuer gestalten (System Matters – Verlag)
Mäzenaten: Tanja (Emporion of Games)
Äußere dich in den Kommentaren bis zum 12.04.2020, 24 Uhr zum Interview oder stelle Christian eine Frage (vorzugsweise zu seiner Tätigkeit als professioneller SL 🙂 ).

Links:

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Eskapodcast Folge 135: Spielleiten gegen Geld
DSA Junior
Plattencover von Manowar
EDO – Fantasy

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24 Gedanken zu „Folge 143 – „Ich verdiene als Spielleiter viel Geld“ (Interview)

  1. mh,… meine Stellungnahme zum Thema ändert sich gegen über der anderen Folge um Mietleiter nicht.

    Interessant fand aber, dass der Profi-SL als auftretender Künstler gewertet wird. Da ist natürlich ein Theaterhintergrund ganz praktisch.

  2. Das war eine interessante Folge. Ich hätte nicht gedacht, dass da soviel bei rum kommen kann. Er scheint sich auch richtig viel Mühe zu geben. Hätte schon auch Interesse, dass mal auszuprobieren.

  3. @Christian Thier: Worauf legen potentielle Kunden denn besonderen Wert? Anders gefragt, was hilft Ihnen bei der Entscheidung, dich für diese Dienstleistung einzukaufen?

  4. Jemand, der meinen Traumjob ausübt! Ich bewerbe mich hiermit als Unterstützung für den Raum Kassel und Norddeutschland. 

    Eine Frage hätte ich da aber noch: Wie ist das eigentlich mit dem Urheberrecht? Schließlich machst du damit Gewinn.
    Ein Kaufabenteuer und eine reine Rollenspielwelt sind für das Spiel explizit gedacht. Da wäre es wohl zweckmäßige Verwendung, auch wenn man damit Geld verdient.
    Mit offiziellen Rollenspielen geht das vermutlich noch. Da es ein offizielles Star-Wars-Rollenspiel gibt, darf man es wohl auch für Geld leiten. Oder sehe ich das falsch?
    Aber meine beliebtesten Runden zum Beispiel sind Harry Potter mit Fate. Dürfte man das oder steigt einem dann Rowlings Anwalt aufs Dach?
    Ergo: In welchem Maße darf profitorientiert in etablierten IPs leiten?

    • Da ich meist in eigen Derivaten und oder SRD Versionen leite gibt es da wenig Probleme. Ich verwende auch keine Kaufadventure sondern nur eigen geschriebene Sachen.

      • Das steht doch aber im Widerspruch zum Interview. Da hast du gesagt, du würdest DSA, DnD, Shadowrun oder Cthulhu leiten, aber Midgard nicht. Du verweist sogar stolz darauf, dass Leute während deiner Runde Grundregelwerke bei Amazon bestellen. Eigene Derivate davon hin oder her, wirbst du doch da aber mit geschützten Marken und dem geistigen Eigentum anderer, um Gewinn zu erzielen. Wenn das eine Computerspielfirma oder ein Escape-Room-Betreiber machen wollen, besitzen sie Lizenzen und zahlen Geld an die Rechteinhaber.
        Frage: Müsste ein Profi-Spielleiter auf die Frage „Können wir DSA so spielen, dass wir Kaiser Hal ummoschen können?“ nicht eigentlich antworten: „Nein, das geht nur unentgeldlich. Sobald ich Geld damit verdiene, müsste ich Gebühren an die Rechteinhaber bezahlen und Kaiser Hal ist nicht mein geistiges Eigentum.“ antworten?

        Davon ab gibt es ja – bleiben wir mal bei DSA – Profi-SLs, die von Ulisses offiziell beauftragt sind (und bezahlt werden, wenn auch nicht zu den hier geradezu astronomischen Summen), um z.B. auf Cons zu leiten, wo dann die Spieler aber eben nicht extra bezahlen müsse. Frage: „Wie geht man als Profi-SL mit dem Wissen um, ohne Lizenzierung ein Vielfaches (>10) zu verlangen wie offiziell lizenzierte Spielleiter?“

        Abgesehen davon dass Geruch wohl eher selten eingesetzt wird, sind ja vor allem die Figuren ein Highlight. Baust du alle Modelle im Computer selbst mit CAD-Software zusammen oder benutzt du Dateien aus dem Internet, um diese auszudrucken? Im ersten Fall wäre der Zeitaufwand wohl so hoch, dass du quasi nichts mehr pro Stunde verdienst, im zweiten Fall würdest du ja das geistige Eigentum anderer ausdrucken, um Geld damit zu verdienen.
        Daher die Frage: „Woher stammen die ausgedruckten Figurenmodelle?“

        Von den Figuren und der Duftorgel abgesehen, habe ich wenig im Interview gehört, dass die Spielleitungsqualität so dermaßen erhöht, dass man im Vergleich zu einem engagierten Hobby-SL von einem Qualitätsplus sprechen könnte. Ich selbst bin schon von gut verdienenden Menschen wegen des Hobbys Rollenspiel angesprochen worden und habe da dann entweder gleich auf eine Einsteigerbox verwiesen, ohne vorher einmal gegen Geld zu leiten, oder ich habe das gemacht, was bislang wohl in der Szene üblich war: Ich habe einfach einen Abend lang im Sinne des Hobbys geleitet, weil ich ja auch selbst Spaß am Spielleiten habe. (Von Peanuts wie „Du leitest, wir besorgen Chips.“ will ich jetzt nicht sprechen, sowas hat mich nicht zum Profi-SL erhoben.) Es gibt ja auch viele Rollenspielautoren, die unentgeldlich Leiten, denen ich aber trotzdem eine gleichhohes Maß an Geschichtenerzählqualität wie dir attestieren würde. Am Ende des Interviews hast du gesagt, du würdest einfach etwas vollkommen anderes machen. Frage: „Was unterscheidet denn jetzt den Profi-SL vom engagierten Hobby-SL außer der Tatsache, dass der Profi-SL (durch seinen Beruf) häufig reiche Menschen trifft, die vor dem Erwerb eines Grundregelbuchs (s.o.) noch für das Spielen eines Einführungsabends Geld bezahlen?“

        Und noch eine letzte Frage. Nehmen wir mal an, dass wäre alles rechtlich sauber und dein Beispiel würde Schule machen. Dann würden Autoren keine Bücher mehr für Verlage schreiben, weil es lohnender wäre, drei Abende lang spielzuleiten. Verlage würden nur noch Grundregelwerke und Weltenbeschreibungen drucken, die sie dann an private Spielrunden verkaufen, sich aber vor allem über Lizenzgebühren an Profi-Sls finanzieren. Auf Cons würden Spieler 10 € Eintritt für die Saalmiete bezahlen und dann 80 € bei Profi-SL XY, der früher spannende Abenteuer für Tischrunden geleitet hat.
        Frage: „Stellst du dir so die gute Zukunft der Szene vor? Und wenn nicht: Wie geht man als Profi-SL mit dem Widerspruch um, selbst in diese Richtung zu treiben, auf der anderen Seite aber zu hoffen, der Rest der Szene würde selbstausbeuterisch so verharren, wie er gerade ist?“

        • Also, ich fang mal oben an.
          Ja ich habe gesagt ich würde DnD, DSA, SR oder Cthulhu leiten. Ich werbe aber nicht aktiv damit. Ich nutze sie als Referenz. Midgard schloss ich aus, da ich weder Welt noch System kenne. Ich könnte also noch nicht mal sagen ob ich es auch nur ansatzweise wiedergebe. Die rechte frage: DnD z.b. ist ein OGL, die auch die Gewerbliche Nutzung beinhaltet. Call of cthulhu ist ein trademark von chaosium. (Die Jungs sind sehr eigen was CoC angeht, siehe ‚open cthulhu‘ abmahnung)
          Allerdings veröffentlichten sie eine OGL zum basic roleplaying system BRP. Schließen in dieser aber auch die nutzung aller cthulhu ähnlichen Themen aus. Was soviel heißt cthulhu spiele ich, nur nicht im BRP. Das stimmt. Das ist aber ein Punkt auf den ich später noch einmal eingehe. Ähnlich verhält es sich bis jetzt auch mit SR und DSA. Die rechte zu DSA unterliegen Ulisses. Die zur aktuellen SR version catalys labs bzw. Lokalisiert zu Pegasus. Bei denen man sich im Einzelfall ein Aufführungsrecht erbeten muss. Und da sind wir auch schon beim runter gezogenen Punkt. Ich bin bis dato noch nicht in die Verlegenheit gekommen das ich eine Lizenzverletzung tätigte. Da ich wie von mir erwähnt bis dato kunden hatte die meist selbst mit den begriffen ‚call oder trail of cthulhu, cyberpunk, sprawl oder shadowrun geschweige denn Das schwarze Auge etwas anfangen konnten. Und die insofern völlig mit einer eigen Adaption der Trope klar kommen. Die es aus gründen der Regel Einfachheit auch nötig machte. DSA jemanden zu erklären der noch nie einen Würfel in der Hand hatte, ist nur mit viel Geduld und Spucke möglich und sprengt den ‘lockeren-4h-unterhaltungsabend-Rahmen’ völlig. Vor allem wenn das System und alles damit verbundene erstmal auf einem der letzten plätze der Bucketlist meiner Kunden rangiert.
          Es stimmt ich verwies auf das Regelwerk von dungeons & dragons Eine andere gedruckte form der 5e OGL existiert nicht. Jetzt kommen noch Spitzfindigkeiten einer offenen und einer geschlossenen Aufführung hinzu, welche sich leicht vom recht der Print Publikation unterscheiden, (die allerdings auch für Streamer hinter einer paywall z.b. zum tragen kommen. Und auch das Vorlesen, allerdings nicht das aufzeichnen und somit vervielfältigen bzw. Verarbeiten und Verbreiten von Werken beinhalten.) So, da Rollenspiel einem Vorlesen nicht unähnlich ist oder eben der Künstlerischen Interpretation als Aufführung unterliegt wird es schwer. Meist sind es Namen, Logos, Schriftzüge, Illustrationen, oder gar Mechaniken, (so sie ihr Distinktionsmerkmal ist.) die geschützt sind. Um hier aber auf Nummer Sicher zu gehen, rate ich zu einer Abklärung mit betreffenden Verlag und der Bestätigung einer einmaligen Aufführungsgenehmigung, falls nötig auch nach gängigem Tantiemen Satz, Üblicherweise liegen die kosten hierfür in einem einstelligen % Rahmen der Einnahmen.
          Insofern hast du recht um Kaiser Hal, nach allen DSA Regeln der Kunst und im vollen Umfang des Geistigen DSA Eigentums (vor allem in Anbetracht von Handouts und Co.) zu vermöbeln und dafür Geld zu verlangen würde ich ein einmaliges Aufführungsrecht für eine geschlossene Aufführung beziehen, die sich aber gut in meinen Fixkosten unterbringen ließen.

          Thema promotion SL: ja einige Verlage engagieren SLs um ihre Produkte auf öffentlichen Veranstaltungen vorzustellen, ich kann wenig über diese Leistung berichten, auch nichts über deren Entlohnung. Sehe aber auch die weit weg von dem was ich mache, da es mir z.b. schon mal gar nicht darum geht ein bestimmtes Produkt zu vertreten, und dies meist auch in einem vom Verlag kontrollierten Rahmen stattfindet, deren Preisgestaltung vollkommen in der Hand der Veranstalter liegt. Und zu dem Punkt das diese Lizenziert sind, und ich angeblich nicht, verweise ich wieder nach oben. Ich will auch gar kein offizieller DSA Spielleiter sein. Nur weil ich mir die Aufführungsrechte zu einem Stück von Bertolt Brecht kaufe, macht mich das noch lange nicht zu einem Mitglied der Brecht Erben. Ulisses hat da seine eigenen lokalen Leute und die machen einen Wahnsinns guten Job.

          Figuren: ich kaufe die Druckdateien meist bei Hero Forge. Oder gar fertig bei Reaper, wenn ich über etwas passendes stolpere. Und nein ich verdiene kein Geld damit. Das ist meine Figur, ich nutze sie zur Visualisierung. Und nein die Nutzung selbiger ist als Requisite nicht Lizenz bedürftig. Wenn der Kunde nett ist, schenke ich ihm dann sogar die Figur, ist ja meine. Du darfst im Theater auch einen IKEA Tisch auf die Bühne stellen ohne Tantiemen an IKEA zu zahlen. Schwierig wird es wenn dein Stück dann ‚hørveticle‘ heißt und sich voll und ganz mit dem Thema IKEA beschäftigt in der der Tisch eine ‘tragende’ Rolle spielt. Aber da schweife ich gerade ab.

          Unterschied Profi SL vs. Engagierter Hobby SL: Das ist kniffelig. Vielleicht gar nix. Ich will mir jetzt kein Federkleid anziehen, das nicht auch jedem anderen gut steht. Es gibt genügend Leute die wundervolle Props bauen für ihre Runden. Die Miniaturen malen. Handouts gestalten. Die Rhetorisch gefestigt sind. Und die mit Dialekt und Stimme und sogar körperlich ihren Figuren ausdruck verleihen.Deren Geschichten faszinierend konzipiert sind. Die einfühlsam auf ihre Gruppe eingehen. Die einfach wissen, wie man einen unterhaltsamen Abend für fremde Leute gestaltet. All das findest du sicher auch in einer engagierten Hobby SL. Vielleicht mit viel glück auch alles gleich stark vertreten in ein und derselben Person. Um jetzt aber zum Kern des ganzen zu kommen. Was mache ich genau vollkommen anders? Ich mache Entertainment. Wenn du so willst eine one man Bühnenshow. In der die Zuschauer interaktiv mitwirken können. Was unterscheidet den escape room vom Ravensburger Exit spiel? Mit viel Ehrgeiz und handwerklichem Können nicht viel. Nur ist mein Handwerk eins das man schwer greifen kann und dessen theoretischer Teil, hier den Rahmen sprengt. Für das ich aber lange Zeit Studiert habe. (Wenn man auf sowas Wert legt.)

          Abschluss: auch wenn ich allen Annahmen trotze, ich bin Auf- und Darbietungsrechtlich gut abgesichert und auch Vertreten. Und postulierte Szenarien mit exklusiv Büchern und einer verödeten Autoren Landschaft sehe ich doch arg an den Haaren herbei gezogen. Ich würde sagen, der Markt reguliert sich selber. Ich sehe noch nicht mal eine Kultur für das in Amiland erweckte PayUrConGM bei uns Boden fassen. Geschweige denn einer Konkurrenz zu irgendwas. Autoren, werden weiterhin auch im öffentlichen Rahmen Schreiben und auch unentgeltlich Lesungen veranstalten. Jeder wird GRWs zu seinen Lieblings Systemen kaufen können. Wie ich mir die Zukunft vorstelle in meiner Sparte? Es wird einen Markt für die geben die diese Sachen auf der Ebene der Unterhaltungsmedien promoten, die zb. Ihre Runden via Twitch mit paywall in die Welt hinaus tragen und somit als Aushängeschild für einzelne Systeme gelten werden. Evtl werden diese sogar mit eingebunden in weiterentwicklung von Settings oder supplements. (siehe Mercer&Co, Hauke, und Mháire, usw.) ALLERDINGS wird die Nische hierfür mehr als überschaubar sein und keinem normalen Hobbyisten etwas weg nehmen.

          • Vielen Dank für die Antworten. Ich finde es sehr wichtig, dass du das alles noch einmal herausgestellt hast, das kam im Interview zumindest bei mir deutlich anders an. Das kann aber auch an Fragen gelegen haben wie „Wie regelfest muss man da sein?“ Eigentlich gar nicht, man spielt ja schließlich nach eigenen Regeln (bzw. DnD in einem Rahmen, in dem die Standardzauber nicht unbedingt existieren). Ich denke, dass auch andere Nachfragen hier andeuten, dass das anders rüberkam, etwa wenn es um die Vorstellung geht, man könne da einfach jedes beliebige System spielleitern, weil es ja ein Rollenspielsystem ist. Außerdem kommt vermutlich hinzu, dass die vorherige Folge zu dem Thema da auch eher die Idee besprochen hat, das Lieblingssystem einfach gegen Geld zu leiten.

    • Ein spannender Gedankengang: Wenn du ein Buch kaufst, darfst du es lesen. Wenn du einen Film kaufst, darfst du ihn anschauen. Darfst du das Buch dann auch gegen Geld vorlesen? Bei Filmen ist es explizit verboten. Und wenn du gegen Geld ein Buch vorlesen dürftest: Dürftest du es dann als Hörbuch vorlesen? Wo wäre der Unterschied? Wieso dürftest du es vorlesen, aber keine Aufnahme deiner Vorleseleistung verkaufen? Wieso zahlen dann Verlage Geld dafür, dass sie ein Hörbuch herstellen? Wieso verkauft ein Autor die Rechte zum Vertreiben der Buchtexte und zum Anfertigen eines Hörbuchs an einen Verlag, du darfst sein Werk aber unentgeldlich verbreiten? Und wenn du denkst, du darfst das dann doch nicht, stellt sich schon die Frage, wieso du glaubst, es wäre legal, mit dem geistigen Eigentum anderer ohne deren Einverständnis Geld durch Spielleiten zu verdienen. Wenn eine Spielwelt auch noch ein geschützter Begriff ist, warum sollte das nicht auch in dem Moment gelten, in dem du versuchst, durch das Bewerben mit dieser Welt und anschließende Nutzen der Welt zur Gestaltung eines unterhaltsamen Abends gegen Geld zu verdienen?

      Ich rate mal dazu, in Rollenspielbüchern nachzulesen, was da vorne drin steht. Ich habe gerade in einem Grundregelwerk nachgelesen und dort steht explizit, dass die Verarbeitung und Verbreitung des Werkes nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags erfolgen darf. Bei der heimischen Runde wird niemand klagen, wenn dort verbreitet und verarbeitet wird, aber sobald es um gewerbliche Nutzung geht, sieht die Sache komplett anders aus. Eine Runde gegen Geld zu leiten und dabei das System und die Hintergrundwelt zu nutzen, steht in meinen Augen im Widerspruch zum Copyright-Hinweis in dem Werk. Selbst ein eigenes Abenteuer in einer als solcher benannten Shadowrun-Welt, die Nutzung eines Star-Wars-NSCs oder das Auftauchen eines Alten aus Cthulhu stellen allesamt Verarbeitungen von Werken anderer Menschen dar.

      Fanfiction ist ja mitunter schon schwierig und da sind viele Verlage sehr kulant, auch beim Abenteuer für das Lieblingssystem im Internet. Gratiscomputerspiele werden dagegen regelmäßig gestoppt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da eine große Kulanz besteht, sobald jemand einfach mal so Geld verdienen möchte.

      Es geht mir hier nicht darum, dass irgendein Verlag Spieler verklagen möchte, die in der heimischen Runde spielen. Es geht auch nicht darum, dass einem SL mal ein Buch spendiert wird oder jemand die Pizza für den SL bezahlt, sondern um Gewerbeabsichten.

      • Das Kriterium ist die „schöpferische Höhe“ bei der Interpretation. Wenn die hoch genug, dann ist das in Ordnung. Den Film einzulegen reicht offenbar nicht, um sich ein Werk zu eigen zu machen. Wo da die genaue Grenze verläuft, kann ich nicht sagen, aber aus dem Bauch heraus ist eine „spielleiterliche Interpretation“ tief im grünen Bereich.

        • „Wir spielen heute in Gareth.“ hat ja noch keine schöpferische Höhe. „Das ist Nahema, die hat AT 17.“ auch nicht. Und bei „Ich biete für 500 € einen Abend Shadowrun.“ liegt auch noch keine schöpferische Höhe. Man kann argumentieren, dass die Höhe im Bereich des Abenteuers an sich liegt, aber sie fußt halt immer auf dem geistigen Eigentum anderer. Würde das von dir Angemerkte gelten, könnten wir ja Star Wars 10 drehen und als solches vermarkten, weil wir eine schöpferische Höhe am Film haben.

          Beim Film zieht dein Arguement ja z.B. bei ähnlichen Versionen, die sich inhaltlich unterscheiden (Hat hier jemand Porno gesagt?), aber auch da steht nie Star Wars drauf (Star Wars, die Pornfassung), sondern da wird ein schöpferisch eigenes Produkt mit offensichtlicher Ähnlichkeit beworben (Porn Wars, das galaktische Treiben). Übertragen bedeutet es, dass man DmP spielt oder auf Abenteuria in Garth die Zauberin Nameha auftaucht.

          Eigentlich müssen wir uns da aber auch nicht wund interpretieren, weil solche Fragen doch von einem professionellen Spielleiter im Vorhinein abgeklärt wurden. Oder?

        • Sorry für den Doppelkommentar, aber mir fällt da noch was ein. Nehmen wir mal an, du schreibst den Bestseller Katzen im Weltall. Ein Jahr später bringe ich das Katzen im Weltall Musical an den Broadway. Ist ja nur eine Interpretation mit eigener schöpferischer Höhe. Da hätte ich aber sofort eine Klage am Hals. Würde ich aber Spacecats – das Musical vermarkten, dann sähe die Sache anders aus, solange man auch im Rest eine eigene schöpferische Höhe erkennen kann.

      • Vermutlich nicht, aber ich würde auf den Gewinn verzichten, weil ich das Buch schon haben. Das erhöht dann die Gewinnchance. 🙂

  5. hmm derzeit ist es wohl die Erfahrung die freunde von ihnen gemacht haben. Also das Hörensagen. Wert legen meine Kunden Hauptsächlich auf die Erfahrung die sie unbedingt mal machen wollen.

  6. Also für mich ist das Meistern gegen Geld nicht der Untergang des Abendlandes. Und das was im Podcast beschrieben wurde, geht deutlich über das hinaus, was ich am Spieltisch bisher in ca. 20 Jahren so erleben durfte.
    Ich sehe auch überhaupt keine Gefahr für das Hobby Rollenspiel. Es gibt ein kleines Klientel, dass Geld zu zahlen bereit ist und ein sehr großes Klientel, dass das eben nicht ist. Für beide ist ein Markt da. Nur weil es kommerzielle Angebote gibt, werden die nichtkommerziellen nicht aussterben.
    Und es gibt niemanden, der es verbietet weiterhin kostenlos zu meistern.

    Insgesamt habe ich den Eindruck, dass es sich hier um Liebhaberei/Kleingewerbe handelt. Einen Markt der es erlaubt, dass zíg professionelle Meister davon leben sehe ich aktuell nicht. Und wenn doch, dann siehe oben 🙂

    Die Fragen des Urheberrechts sind sicherlich spannend, andererseits gibt es auf roll20 zig kommerzielle Meister die DnD mit offiziellen Modulen anbieten und das im klagefreudigen Amerika. Mir wäre nicht bekannt, dass es eine Abmahnungswelle durch Wizards of the Coast gab oder gibt.

    Ich würde es durchaus mal ausprobieren, wenn es einen Anbieter in meiner Nähe gäbe. Aber es wäre eben mal ein Highlight, das regelmäßige Spiel ersetzt das sicher nicht.

    Meine Frage an Christian, wäre eigentlich nur, ob er noch andere Anbieter kennt bzw. ob es schon soetwas wie eine Szene für kommerzielle Spielleiter gibt (in deutschland)?

    • hmm ich habe bis dato nur von 2 weiteren die das im deutschen Raum anbieten mitbekommen. Martin und Lara. Ich kenne aber keinen von beiden persönlich, noch habe ich Erfahrungen über ihren Leitstil. Ich kenne aber einige Krimi-Dinner Anbieter und kleinperformance Künstler die im privaten Rahmen tätig sind. Ich würde also sagen von einer Szene sind wir noch ganz weit entfernt.

  7. okay um noch etwas tiefer in die Materie ‚Vorlesen‘ einzutauchen. das Vorlesen ist ein nach §15 abs.2 des Urheberrechtes geschützter Prozess der eigentlich nur dem Urheber unterliegt. das wäre der Autor. Bzw. die Auswahl wer sein Werk Vorlesen darf. bei Autoren Gemeinschaften etwas schwer. weshalb es sog. Abtretungen gibt. der Verlag. So jetzt muss der Verlag entscheiden wer die Nutzungsrechte bekommen darf. das Werk also vorlesen darf. Das gilt für den Öffentlichen bereich. Dieser definiert sich durch einen nicht abgrenzbaren Personenkreis die nicht in einem Persönlichen Verhältnis zu einander stehen. (Laufkundschaft). Der Private Rahmen ist Nutzungsfrei.
    eine weitere Außnahme bildet die sog. Öffentliche Lesung. hier liegen die verwertungsrechte bei der VG Wort. die ähnlich der GEMA oder der VDL die interessen der urheber schützt und nicht kommerzielle Vorträge im öffentlichen Raum reguliert. bei ihr sind also öffentliche Lesungen anzukündigen.
    Jetzt ist Rollenspielen kein Vorlesen im eigentlichen Sinne. Ich lese ja keine Texte aus dem Buch 1 zu 1 vor. Ich adaptiere das Urheberrechtlich geschützte Werk zu Aufführungszwecken. Dabei würde ich ggf. Begrifflichkeiten nutzen die Geschützt sind. wie du eingangs schon sagtest z.b. ‚Kaiser Hal‘ .. ‚Yogh-sogoth‘ ‚Dunkelzahn‘, welten, oder Systemnamen, bestimmte Namen von Gegenständen evtl. NSCs. dinge die als Distinktionsmerkmal gelten. Bespiel Shadowrun. wenn ich eine Cyberpunkwelt bespiele die elfen, zwerge, und Orks und Trolle beinhaltet ist das nicht Geschützt. selbst wenn mein Konzern ARES heißt ist das nicht geschützt. da ARES ein eigename aus der Griechischen Mythologie ist. Ich könnte Ihn sogar zu einem Waffenhersteller machen und Ihn Ares Incorporated nennen. (welcher seit 1971 ein real existierender Waffenhersteller ist)
    selbst Chummer, Street samurai und Rigger sind keine geschützten SR Begriffe. Selbst Chaosium musste feststellen das der Sicherung von Begriffen grenzen gesetzt sind. so sind z.b. bestimmte Namen die von chaosium in den mythos eingefügt wurden geschützt, orginale von Lovecraft erwähnte z.b. nicht. das mit einem Verlag im nacken der sehr triggerhappy ist, was lawsuits angeht macht das ganze nicht angehmer.
    Ja was ist denn dannschützbar? Das gesamte Werk. verwende ich Namen, Orte, Distingierte Spielmechaniken die zusammen genommen dem Orginalwerk in großen Teilen ähneln, dann muss ich eine Nutzungslizenz beziehen. Völlig richtig. Fun Fact, die DIcepool mechanik von SR ist nicht schützbar, musste catalyst feststellen. Bediene ich aber nur eine bekannte z.b. Cyberpunk Trope ist dies Zulässig. Problematisch wird es ab dem moment der Interaktivität der Spieler. Da ich ja nicht steuern kann was andere beisteuern… ‚ihh ahh du hast dunkelzahn gesagt der heißt bei uns aber OhneZahn, warte jetzt muss ich eben bei Pegasus mir die Lizenz erwerben und ihr müsst alle noch oben drauf legen.‘ … Nein! Ich muss mich mit meinem Werk nur weit genug weg vom Original bewegen. oder es Lizenzieren. Was weit genug weg ist ist im Ernstfall das Problem eines Richterlichen entscheids, bzw. Gutachtens (siehe randy wolfe vs. led zepplin) (ich würde einer gemeinhin gemunkleten Prozent Angabe von ab 40% oder ab 50% keine Beachtung schenken.) in beiden Fällen darf ich aber das Produkt Werblich erwähnen. durch kniffe wie ‚based on‘ ‚ähnlich wie‘ ‚bekannt aus‘. Wenn ich denn werben würde. ähnlich wie eben jene im Interview erwähnten Filmtitel allerdings würde ich mir aber selbst damit schwer tun, den die Leute, die bis jetzt an mich heran getreten sind, denen sagt Shadowrun, genau so viel wie Schlupp vom Grünen Stern. Ich warte also noch auf denjenigen der an mich heran tritt und sich explizit System XY wünscht.

    Hätte ich geahnt das euch das Thema Urheberrecht und die Verwertungs- und Leistungsschutzrechte so dermaßen interessieren, hätte ich da noch etwas mehr zu erzählt.

  8. Ich selbst bekomme als „Künstler“ mein Geld von Youtube für Werbung.
    Das sind circa 30€ pro Monat, also sehr wenig für 5 Stunden Leiten pro Woche.
    Bei Patreon bekomme ich zZ 40$, davon finanziere ich mir vollem die laufenden Kosten wie Homepage etc und paar Upgrades am Mikro oder neue Bücher.
    Das ist natürlich freiwillig, meine Podcasts sind frei für alle Verfügbar.

    Leiten gegen Geld hat einen faden Beigeschmack. Ich habe das mal gemacht und es hat sich nicht richtig angefühlt.

  9. Sehr interessantes Interview, vielen Dank für diese Folge!

    Meine Frage an Christian: Cool, kann ich einsteigen? 🙂

    Im Ernst: Es tun sich da jede Menge Fragen auf. Ich bin jemand, der (wie wohl die meisten SLs und ganz sicher auch Christian) natürlich gerne und aus Spaß an der Sache leitet. Natürlich sollte ein SL auf die Wünsche seiner Spieler eingehen, aber ich denke, wenn er auf Dauer glücklich werden will, sucht er sich Spieler, die den gleichen Spielstil, die gleichen Genres, die gleichen Systeme etc. mögen wie er. Und ich denke, wenn man das unentgeltlich und mit Bekannten macht, kann man da auch ein Stück weit seine eigenen Vorstellungen voranstellen.
    Als Beispiel: Ich persönlich empfinde es z.B. als Qual, ein Rollenspiel zu spielen, bei dem ich stundenlang Miniaturen in einem taktischen Kampf über eine Battle Map schiebe (ohne Wertung; andere empfinden es als Qual, stundenlang mit Fokus auf Erzählen zu spielen, völlig OK). Wenn man nun aber als Dienstlei(s)ter (sogenannter „DL“ 😉 ) gegen Entgelt leitet, also einen Service anbietet, stelle ich mir das etwas kniffliger vor.

    Deshalb meine Frage:
    In wie weit kannst du die Wünsche deiner Kunden „steuern“ und das tun, was dir selbst Spaß macht? Gab es schon Runden, in denen die Kunden z.B. auf ein bestimmtes, von dir überhaupt nicht geschätztes Spielsystem/Genre/Spielstil bestanden haben?

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