Folge 136 – Spielleiter-Burnout

Zitteranfälle beim Anblick der Würfel, Schweißausbrüche beim Ausrollen der Battle-Mat, Ohnmacht beim Schrillen der Türklingel, die die Ankunft der Mitspieler für den heutigen Abend verheißt. Was tut man, wenn einen der Job des Spielleiter ernsthaft zu stressen beginnt? Wie revitalisiert man sich für das beste Hobby aller Zeiten?

Cast: Martin, Dominik, Carsten, Holger Länge: 52:20

Inhalt:
04:24 Weiter verbreitet als man denkt: Spielleiter-Burnout
06:27 Der Podcast-Psychologe präsentiert: Burnout im nicht-irrealen Leben
12:34 Akkord-Meister, Turnier-Spieler, Zwerge: Risikogruppen-Analyse
16:22 Das Leben ist halt hart! – Burnout als Dauer- und Normalzustand
31:57 Was muss man sich als SL eigentlich alles bieten lassen?
39:43 beleidigt herumsitzen im Paradies: vom großen Glück, der SL zu sein
48:01 Praxistipps: Burnout vermeiden, Spaß maximieren, befreit spielleiten

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Shadowrun 6 – limitierte Edition (Pegasus Spiele)
Mäzenaten: Tanja (Emporion of Games)
Beantworte in den Kommentaren bis zum 05.01.2020, 24 Uhr, die folgende Frage: „Hast du Erfahrungen mit Spielleiter-Burnout? Von welchen Einsichten kannst du berichten?“

Links:

Bleeding
Eskapodcast – Folge 47: Improvisationskunst
Graham Walmsley – Play Unsafe
Das Rollenspiel-Audiokolleg

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17 Gedanken zu „Folge 136 – Spielleiter-Burnout

  1. Hast du Erfahrungen mit Spielleiter-Burnout?
    Von welchen Einsichten kannst du berichten?

    Ich denke, dass ich öfter bis zur Erschöfung / bis zur Unlust gespielt habe, bevor ich das Zepter abgebe.
    Vornehmlich, wenn ich lange leite und da merkt man, dass der Spielleiter ja der einsamste Job der Welt ist. Gerade wenn das Feedback der Spieler nichtsagend ausfüllt.
    Wenn es viele Sitzungsausfälle aus Termin-, Krankheit- und sonstige Gründen gibt, demotiviert mich das. Besonders wenn ich schon alles vorbereitet habe und die Situngs dann ausfällt.

    Ich benötige manchmal eine Pause, wenn dann ein anderer leitet, dann kribbelt es schnell in den Fingern.
    Mir hat es sehr geholfen, mich mit Rollenspieltheorie zu beschäftigen, in welcher Form auch immer. Man denkt ja schnell man ist mit seinen RSP-Problemen allein. aber wenn andere das in einem Blog oder Podcast erzählen, dann fühlt man sich nicht mehr, wie der letzte Depp auf der Welt.

  2. Aus SL-Perspektive würde ich den möglicherweise beginnenden Burnout noch viel früher ansetzen als im Podcast angesprochen:
    Schon wenn ich bei einer einzigen Sitzung im Vorfeld überlege abzusagen, weil ich keinen Bock drauf habe, fange ich an zu analysieren, ob es ein ernstes Problem gibt.

    Oft genug kommt dann als Bewertung raus „Halt einfach die Fresse und geh leiten“ 😉
    Meistens kommt der Spaß spätestens, wenn die Sitzung Fahrt aufnimmt.
    Aber ein paar mal habe ich da auch schon Entwicklungen im Ansatz bemerkt, die wir dann rechtzeitig abstellen konnten.

    Bei den Spielern und aus eigener Spielerperspektive sehe ich das genau wie angesprochen: Wer zur Sitzung auftaucht, gibt damit schon implizit Feedback über den bisherigen Verlauf der Kampagne. Halbwegs pünktlich, vorbereitet usw. – mehr brauche ich als SL nicht als Feedback.

    Vor allem, weil ich dieses Jahr mal wieder einen „kalten“/stillen Ausstieg mehrerer Spieler in der Runde eines anderen SLs erlebt habe – die hatten teils dann über mehrere Termine gaaanz wichtige andere Sachen zu tun, andere haben sich einfach gar nicht mehr gemeldet und immerhin einer hat es geschafft, sich eine generelle Ausrede aus den Fingern zu saugen, warum er in absehbarer Zukunft keine Zeit mehr hat und damit seinen Ausstieg offiziell verkündet.
    Das Ganze ist doppelt ärgerlich, weil die Runde erstens aus meiner Perspektive mindestens passabel, eher gut, lief und man durchaus was hätte ändern können – dafür muss man aber auch ansprechen, was einen stört und nicht einfach wegbleiben. Und zweitens hat der SL jetzt genau wegen dieser Aktion SL-Burnout hat in dem Sinne, dass er sich gedacht hat: Warum soll ich mir die Arbeit machen, wenn die Spieler lieber die Runde zusammenbrechen lassen statt kleine Probleme anzusprechen?

  3. Da war sie am Ende der Folge wieder diese Idee vom Rollenspiel-Kolleg, die ich ehrlich gesagt ziemlich faszinierend finde :), auch wenn ich gestehen muss, die erste Audiokolleg-Folge vom Eskapodcast (Lesung der Regeln von Swords & Wizardry Continual Light) nicht zu Ende gehört zu haben.

    Ich bin bisher ja Nur-Spieler, habe also keine eigenen Erfahrungen mit SL-Burnout — aber wenn ich perspektivisch daran denke auch mal irgendwann leiten zu können finde ich genau das riesige mögliche Hintergrundwissen über die Welt (bei Spielen mit ausführlicher Hintergrundwelt wie DSA oder Shadowrun) immer etwas abschreckend. Genau an der Stelle würde ich als Vielhörer von Podcasts und Audiobüchern tatsächlich manchmal ein Audiokolleg wünschen. Das wäre wohl auch leichter verdaulich als vorgelesene Regeln mit Ihren vielen Zahlen, Listen und Tabellen.

    Mir fallen nur zwei Podcasts ein, in denen explizit die Hintergrundwelt erforscht wird: der Battlepod als Diskussionsrunde über das Battletech-Universum (naja, zählt nur halb als Rollenspiel, weil das zugehörige Rollenspiel nicht wirklich populär ist) und der Neo-Anarchist Podcast für Shadowrun. Würde mich durchaus freuen, wenn es davon in der Zukunft mehr gäbe!

  4. Spielleiten soll Spaß machen. Gerade dann, wenn man der Haupt-SL der Runde ist. Insbesondere kann es sein, dass man als SL ideell viel mit dem Hobby verbindet, aber leider manche Spieler nicht wertschätzen, was der SL an Arbeit investiert. Manchmal wird sogar erwartet das der SL seinen „Job“ macht und kritisiert was nicht gut gelaufen ist.
    Mir ist es so gegangen, dass ich über 10 Jahre geleitet habe und die Spieler als gute Freunde gesehen habe, da man ja im Rollenspiel etwas besonderes miteinander erlebt. Das war leider eine Täuschung. Nach einer Krise im Real-Life, sind insbesondere viele „Freunde“ aus dem RPG-Bereich auf Distanz gegangen und haben nicht zu mir gehalten.

    Ich finde, die Spieler sollten sich gar nicht erst daran gewöhnen, dass sie nicht leiten müssen, weil es ja den Typen gibt, der es sowieso macht. Spielleiter sollten aufpassen, nicht als einziger diese Rolle zu übernehmen. Mir ist klar, dass nicht jeder die Zeit dazu hat zu leiten, aber ich finde es gut, sich soweit möglich abzuwechseln.

  5. Ich habe ja so eine generelle Maßnahme als Idee, die gegen vieles präventiv wirken könnte. Nämlich, dass man eine Rollenspielkampagne als Projekt anlegt. Das bedeutet, man spielt die geplante Kampagne durch und entscheidet bzw. prüft danach, ob man eine weitere Kampagne spielen will bzw. die Zeit dafür hat.

    Wer dann aussteigen will, kann aufhören und muss sich nicht groß erklären, weil das Projekt ja wie abgemacht zu Ende war. Und so kann in einer Rollenspielrunde natürlich auch als Spielleiter aussteigen ohne der „Böse“ zu sein, der die Gruppe sitzenlässt.

    (Ich habe das bei Chören mitbekommen. Die finden teilweise schwer neue Mitglieder, weil die sich nicht so verpflichtet fühlen oder in einem Verein Mitglied werden wollen. Also machen sie die Proben und das darauf folgende Konzert zu einem zeitlich begrenzten Projekt.)

  6. Ich habe aktuell einen Spielleiter-Burnout. Und zwar bin ich jetzt seit Anfang 2018 – abgesehen von Oneshots – nur noch Spielleiter (in mindestens zwei festen Runden) und das obwohl ich viel lieber Spieler bin. Daher hab ich aktuell schon etwas den Spaß an unserem Hobby verloren. Ich dachte ich kann das durchziehen, aber momentan quäle ich mich nur beim Spielleiten. Und das wo jeder meiner Spieler mindestens noch eine andere feste Runde als Spieler hat. Nur ich bin der einzige der immer leitet.

    Daher hab ich den Vorsatz gefasst im neuen Jahr maximal die Hälfte der Zeit zu leiten und den Rest zu spielen.

  7. – Hast du Erfahrungen mit Spielleiter-Burnout? Von welchen Einsichten kannst du berichten?
    Also, einen reinen Spielleiter-Burnout kann bei uns eigentlich keiner bekommen, dafür Spielen wir zu selten (ca. einmal alle zwei Monate). Hatte das Spielleiten allerdings schon bewusst an einen Mitspieler bewusst abgegeben, weil beruflich und privat einige Dinge zu erledigen waren/sind und ich das Gefühl hatte, wenn ich jetzt aktuell noch meine Runden vorbereiten muss, ich den Spass am PnP-Rollenspiel verliere. Glücklicherweise klappt dies wunderbar. Wir haben uns bei dem System für das regelleichte Dungeonslayers entschieden, damit die Arbeit im Vorfeld so gering wie möglich gehalten wird.Wir sind mittlerweile alle Fans von Dungeonslayers geworden. Bier und Brezzel und Monsterklopperei. 🙂

    Beste Grüße,
    DanF!

  8. Ist die Folge als Reaslsatire gemeint? Habt ihr schon eine Hilfegruppe gegründet? Die „Anonymen Spielleiter“? Kurz ASP.
    Erfahrung mit „Burn Out“ in unserem Hobby habe ich nur in der Form gemacht, als dass eine Geschichte irgendwann auserzählt ist und ein Spielleiter eine kreative Pause benötigt um auf Ideen für weiter Kampagnen zu kommen. Das habe ich auch schon bei mir beobachtet. Oft haben wir dann einen kompletten Genrewechsel vollzogen.
    Immer wieder das gleiche Abenteuer zu leiten, ist mir zu redundant. Das kann ich mir nur vor einer Veröffentlichung eines selbstgeschriebenen Abenteuers vorstellen, um noch Unstimmigkeiten und letzte Fehler zu beheben, ansonsten habe ich in den letzten Jahren fast ausschließlich lange Kampagnen selten gespielt und meist geleitet. Da machen mir Wiederholungen nur selten Spaß.
    Aber generell gilt für Burn Out bzw. die Zeit davor: achte auf dich, tu dir regelmäßig was Gutes, verändere deine Umgebung so, dass es deinen Bedürfnissen entgegen kommt und überdenke deine Erwartungen an dich und deine Mitmenschen. Soviel zur Alltagspsychologie.
    Guten Rutsch an alle.

  9. Ich war die letzten Jahre als Spieler unterwegs und habe in den vorherigen Spielrunden auch den Spielleiterburnout nicht mitbekommen.
    In der aktuellen Runde sieht das Bild ganz anders aus. Unser Spielleiter sagt öfter am Spieltag ab und es ist seit über einem Jahr keine Runde zustande gekommen. Als Gegenmaßnahme hat sich einer der Mitspieler in DW eingelesen und leitet bei Ausfall eine Alternativrunde. Mit dieser Maßnahme zeigt sich aber auch, dass in der gesamten Gruppe das Hobby eher auf den niedrigeren Rängen der Prioritätenliste rangiert. Da wird dann nicht zugesagt oder auf Terminabsprachen reagiert. Einen der „Mitspieler“ habe ich noch nie gesehen, den gibt es glaube ich nur in Sagen…
    Bei 7 Leuten kommen dann in der Alternativrunde 1 SL + 2 Spieler zusammen.
    Um uns in der Gruppe etwas breiter aufzustellen und den neuen SL auch zum Spielen kommen zu lassen hab ich entschieden DCC anzubieten und als Alternative parallel zu DW laufen zu lassen. Auf den Vorschlag hin hab ich Rückmeldung von 3 der potentiellen Spieler bekommen die anderen konnten nicht Mal zu der Aussage, dass kein Interesse besteht genötigt werden.
    Somit hat die Runde dann in der exakt selben Zusammensetzung stattgefunden wie unsere DW-Runde.
    Nach nur einem Anlauf bin ich von der Situation frustriert. Da kann ich mir schon gut vorstellen, dass das auf regelmäßiger Basis den kompletten Spaß am Spielleiten auffressen kann.

    Für die erste selbst geleitete Session hat sich DCC als entspannt in der Vorbereitung gezeigt.
    Für den ersten Trichter braucht man wenig Regelwissen und die mitgelieferten Abenteuer bieten einen guten Einstieg. Die Gruppe steht im Endeffekt schon an der Tür zum Dungeon und eine Gruppenzusammenführung oder ähnliches ist nicht nötig.

  10. Ich hatte es mal, dass ich einfach für einen Abend Zuviel wollte. Mich in Kleinigkeiten festgebissen habe, was totaler Schwachsinn im Nachhinein war. Wie bin ich rausgekommen? Zunächst hat mir keiner was gesagt, dass ich einfach zu viel gemacht hatte. Dann fiel es mir selbst auf, als ich von den vielen vorbereiteten Dinge nur zwei Stück wirklich benötigte. Allein das war für mich ein Grund, einfach einen Gang bzw. sogar zwei, zurückzuschalten und die wichtigen Dinge vorzubereiten.

  11. Erfahrung mit Spielleiter-Burnout habe ich nicht. Allerdings habe ich durchaus beobachtet, dass es für Spielleiter psychisch eher belastend ist, wenn Spieler weder die Gruppe (Terminfindung/Verlässlichkeit/Anwesenheit) noch die Runde (Beteiligung/konstruktives vs. destruktives Verhalten/Gestaltung der Charaktertiefe) am Laufen halten. Selbst durch die Charaktere begründete oder witzig gemeinte Sabotage am Plot im Einzelfall richtet nicht so viel Schaden an. Frustrierend und auslaugend sind also meiner Erfahrung nach eher technische Aspekte, die nicht aus künstlerischer Sicht diskutierbar wären, sondern eher was mit respektvollem Umgang miteinander zu tun haben.

  12. Ich hatte das Glück, in eine Gruppe mit SL-Wechsel anzufangen. Auch in den folgenden Gruppen habe ich darauf bestanden. Und daher kein SL-Burn-out. Manchmal ist es ganz einfach. 🙂

  13. Für mich war das eine der besten Folgen des Eskapodcasts – und ich habe alle gehört, ehrlich. Besonders Carsten professionelle Verknüpfung und Abgrenzung des Symptoms Burnout von der Diagnose Depression war für mich persönlich wertvoll.
    Was mir trotz eures guten Segments zum Feedback indes ein wenig zu kurz kommt, ist die Bedeutung der Wertschätzung der Spieler gegenüber dem Spielleiter für dessen Motivation – und damit ein Faktor, der einem „Burnout“ vorbeugen hilft. Da hättet ihr noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können.
    Eine persönliche Erfahrung dazu: Ich war in meiner damaligen DSA-Runde mit wechselndem Meister derjenige, der am häufigsten „hinter dem Schirm“ saß, die längsten Kampagnen und die detailreichsten Abenteuer vorbereitete (häufig individuell auf einzelne Spielercharaktere zugeschnitten, keine Kaufabenteuer). Leider ist die Gruppe irgendwann mitten in einem laufenden, mehrteiligen Abenteuer auseinander gebrochen. Zwischen Beruf, kleinen Kindern, Wohnortswechseln und anderen Aktivitäten haben wir vordergründig „keinen Termin mehr gefunden“.
    Im Rückblick ist mir aber klar geworden, dass ich als Meister ausgebrannt war und nicht mehr die Kraft hatte, meine vier Spieler weiter am Spieltisch zu versammeln, die meist einen geringen „buy-in“ erbrachten und mir kein nennenswertes Feedback bzw. Wertschätzung gaben. Ein „folgendes hat mir gut gefallen“ oder „danke für deine Mühe“ hätte mich sicher zum Weitermachen motiviert.
    Jahre später habe ich dann eine ehemalige Mitspielerin getroffen. Sie äußerte Bewunderung: Es sei ihr erst klar geworden, was für ein engagierter und guter Spielleiter ich gewesen sei, und was ich trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen regelmäßig geleistet habe, nachdem sie selbst zwei Kinder hatte.
    Wer als Spieler einen Spielleiter vor dem Burnout bewahren möchte, sollte ihm oder ihr einfach gelegentlich sagen, dass man Spaß an seinen oder ihren Abenteuern hat und die Mühe respektiert, die er oder sie sich regelmäßig mit den Vorbereitungen macht (natürlich vorausgesetzt, das ist auch der Fall). Danke, Eskapodcast, dass ich das endlich mal in einer Diskussion zum Thema festhalten kann.

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