Folge 119 – Ein Abend lang Vollgas: OneShots

Wie pflegt man das Hobby, während alle Beteiligten vor lauter Termindruck ächzen? Wie minimiert man den Zeitaufwand und maximiert den Spaß? OneShots sind die Brechstange im Werkzeugkasten des Spielleiters! Wir sprechen darüber, was OneShots idealerweise leisten können und wie man das Beste aus ihnen herausholt.

Cast: Martin, Dominik, Carsten, Holger Länge: 00:50:53

Inhalt:
05:04 Gold, Silber, Bronzemünze: die besten OneShots aller Zeiten
09:37 rumpelnde Plots, stammelnde Spielleiter, Blicke auf die Uhr: entsetzliche OneShots
17:06 Wahn und Wirklichkeit: Kurze Spielesitzung, bizarr aufwändige Vorbereitung?
23:26 Wo ist die Datenbank der eintausend perfekten OneShots?
39:32 wie man den perfekten OneShot auswählt, montiert und serviert
46:09 OneShots: Mülleimer oder Allzweckwaffe des Rollenspiels?

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: My little Pony RPG Starterset (Ulisses Spiele)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Beantworte in den Kommentaren bis zum 11.05.2019, 24 Uhr, die folgende Frage: „Wie ist dein Verhältnis zur OneShot-Kultur? Kennst du besonders empfehlenswerte OneShots? Was zeichnet sie aus? “

Links:

Old Slayerhand
Electronic Square Dance der Atom-Reptil-Bikini-Frauen
Silvanas Befreiung
Nepeta Cataria
Riders of the Storm

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34 Gedanken zu „Folge 119 – Ein Abend lang Vollgas: OneShots

  1. Ich bin ein großer Fan von Oneshots. Auf der einen Seite helfen sie, ein neues System kennenzulernen. Andererseits gibt es immer wieder oneshot-taugliche Abenteuerideen, die einfach in keine laufende Kampagne passen.

    Zu mit den besten Oneshot-Systemen zähle ich Unknown Armies. Während ich mir keine Kampagne in dem Setting vorstellen kann, gibt es unglaublich gute Abenteuer dafür, die sich oft in 2-4 Stunden hervorragend spielen lassen. Die Charaktere für diese Szenarien sind in der Regel hervorragend ausgearbeitet und aufeinander abestimmt, sodass sich aus oftmals kleinen Aufhängern eine exzellente Gruppendynamik ergibt. Besonders herausstreichen würde ich „Box – Ein okkultes Kammerspiel“ sowie „Freud und Leid“

    • Ja, Unknown Armies ist sicherlich eines der besten OneShot-Systeme überhaupt. Vielen Dank für die beiden OneShot-Empfehlungen, die sehr interessant klingen und die ich mir auf jeden Fall genauer ansehen werde: „Freud und Leid“ ist in der Unkown Armies OneShot-Anthologie „Schnellschüsse“ erschienen. „Box – Ein okultes Kammerspiel“ gibt es dagegen zum freien Download im Unkown Armies-Magazin Kassiber 8: http://unknownarmies.rpgmuenchen.de/downloads/

  2. Wie ist dein Verhältnis zur OneShot-Kultur?
    Ich bin als SL wie SC sehr an der Figurenentwicklung interessiert. Deshalb sind One-Shot für mich erstmal nicht so interessant. Wenn es allgemeingültige One-Shots sind, die man in die Kampagne einflechtet und in die man seine bisherige Figur einbauen kann und sie danach noch spilebar sind, dann nutze ich es es gerne.
    Die benannten Horror/Grusel oder auch Plotzentrierten Abenteuer MIT VORGEGEBENEN FIGUREN spiele ich mal gerne, weil diese Abenteuer mit dem zufälligen Abenteurer nicht spielbar wäre.
    Da wir in der Woche regelmäßig spielen, haben wir eh nur Sitzungen von 3 Stunden. Also spiele ich genug, damit greift das Argument von Euch (damit ich überhauptmal spiele) bei mir nicht.

    Kennst du besonders empfehlenswerte OneShots? Was zeichnet sie aus?
    Abwärts – von CoC da sind die vorgegeben Figuren ganz wichtig
    In Medias Res – von Unknown Armies, weil es halb als Live zu spielen ist und die Amnesie und das erforschen seines Hintergrundes ein mögliches Abenteuer ist, aber es eigentlich nicht sein muß.

    • Stimmt absolut – das sind zwei ganz besondere, hervorragende OneShots, die Du genannt hast. Ich kenne In Medias Res nur als Cthulhu-Abenteuer, das ursprünglich im Magazin Unspeakable Oath #10 und im Band The Resurrected Vol. 3: Out of the Vault erschienen ist. Der Autor John Tynes hat ja aber für beide Systeme geschrieben, sodass es ja vielleicht eine Urur-Version vom Abenteuer in Unkown Armies geben könnte 🙂

      • Tja , vertan. Ich wollte zuerst den Ausbruch von Schnellschüsse nennen, da ist Ausgangsituation In Medias Res sehr ähnlich, deshalb habe ich es wohl verballert.

        • Schnellschüsse ist überhaupt eine tolle OneShot-Anthologie! Den Ausbruch habe ich bislang noch nicht gespielt, aber gelesen – mich reizt das als SL sogar mehr als In Medis Res. Schön, so werde ich jetzt nochmal daraf gebracht, dass doch zu mal zu leiten, wie auch ein zwei andere UA-Abenteuer, die Sal im Post weiter oben schon empfohlen hatte 🙂

  3. Ich bin, was OneShots betrifft, recht zwiegespalten. Ich habe mit meiner Gruppe so ein Hauptrollenspiel, das wird von uns in einer großen Kampagne bespielt, in der die Charaktere langsam wachsen und dann doch nach und nach ihre Nerven verlieren (ja auch Cthulhu kann man in langjärigen Kampagnen spielen!)

    OneShots spiele ich vorrangig mit Savage Worlds.
    1. Das Rollenspiel ist sehr flexibel für alle Themen anpassbar
    2. Die Charaktererschaffung ist relativ kurz und bündig.

    Doch wenn ich mit OneShots wirklich viel Spaß haben möchte, ziehe ich hierfür das Rollenspiel „Das Monster aus der Spätvorstellung“ (Original: It came from the late, late, lateshow) heran. Hier kann ich mit dem selben Charakter sämtliche Genres bespielen. … Gut … Das ganze ist dann nicht ganz so ernst, aber besonders das genannte Cthulhu-Abenteuer „Electronic Square Dance der Atom-Reptil-Bikini-Frauen“ habe ich auf sehr unterhaltsame Weise in diesem Rollenspiel umsetzen können.

    Das interessante an OneShots ist für mich, dass es oft Charaktere gibt die für dieses Abenteuer erstellt worden sind. Dann kann man mal eine Einheit Soldaten mit Spezialauftrag, eine hochrangige Raumschiffcrew usw. spielen, was mit zufällig erstellten Charakteren mit Erklärungsnot, weshalb sie sich jetzt gerade an diesem Ort befinden, nicht gehen würde.

  4. Ich spiele One Shots fast nur auf Cons und dann am liebsten als Erzähl Rollenspiel. Meine Empfehlungen hier sind The Sekeletons, Witch: The Road to Lindisfarne oder Soth: Cultists vs. Investigators. Die Spiele bieten einfach mal was ganz anderes als das typische DSA, SR oder CoC Abenteuer.

  5. Zuallererst mal heißt es nicht „Ich habe mich zu Erzählspielen weiterentwickelt“, sondern „Ich habe mich hin zu Erzählspielen verändert“ 😀 😀

    Ansonsten:
    Ich spiele im Verhältnis recht viele One-Shots, weil ich dank Schichtarbeit keine regelmäßigen Runden mit hoher Spielfrequenz habe. Deswegen haben Con-Runden u.Ä. einen recht hohen Anteil.
    Das ist mir eigentlich auch ganz recht so – ich leite meistens und habe daher z.B. kein Eigeninteresse an spielmechanischer Charakterentwicklung. Da ist mir die Freiheit, auch mal etwas abseitigere Ideen und Systeme auszuprobieren oder Dinge zu tun, die nicht in eine Kampagne passen oder diese sogar recht zwingend sprengen würden, in Relation deutlich wichtiger.
    Wenn ich mich praxisorientiert zwischen beiden Optionen entscheiden müsste, fiele meine Wahl also auch eher auf One-Shots (bei 100% Wünsch-dir-was hätte ich aber eine feste, regelmäßige Kampagne und ergänzend dazu hier und da mal One-Shots).

    Bei der Frage nach empfehlenswerten One-Shots habe ich etwas gestutzt – „offizielle“ One-Shots spiele ich nur in Form von Einführungsabenteuern, wenn mal ein neues oder zumindest unbekanntes System ausprobiert werden soll. Die gibt es dann natürlich in gut und schlecht, aber dabei geht es eher um handwerkliche Aspekte wie Praxistauglichkeit und „Umfang“ in dem Sinne, dass man einen brauchbaren Einblick in das System bekommt.
    Richtig weggeblasen wird man von so einem Einführungsabenteuer aber nicht.

    Wirklich in Erinnerung bleiben da eher die One-Shots, die eine Weile reifen konnten oder wo jemand eine großartige Idee hatte – das kann man aber nur sehr bedingt planen.
    Manchmal wird so aus einem „Man müsste ja eigentlich mal…“ auf einer Party mit hohem Nerd-Anteil ein großartiger One-Shot bei nächster Gelegenheit. Oder ein Spielleiter sucht sich mit ausreichender Vorlaufzeit die passenden Spieler zusammen, um eine Idee X umzusetzen.
    Das sind dann bei mir oftmals Sitzungen, bei denen der Vorbereitungsaufwand jedes sinnvolle Maß sprengt (weil ich z.B. für irgendeinen alternate history-Kram Fachbücher wälze) und die in deutlichem Widerspruch zur anderen Sorte One-Shots stehen, die ich als „eigentlich“ sehr improvisierungsfreudiger SL mal eben aus dem Armel schüttle.
    Jedenfalls passt da bei keinem der beiden Extreme ein „Fremdprodukt“ in mein Bild. Für ersteres gibt es keine ausreichend große Zielgruppe, weil ja zuerst einmal die Idee 100% passen und begeistern muss, damit man sich den Riesenaufwand überhaupt macht, um das dann ordentlich umsetzen zu können und das muss dann obendrauf noch gut umgesetzt sein – da wirds ziemlich eng.
    Und bei zweiterem brauche ich nur eine hingerotzte Idee in 2-3 Sätzen, wo ich mir denke „Ja, da kann ich was draus machen“…aber das würde ich nicht als empfehlenswerte One-Shot-Vorlage bezeichnen 😉

  6. Martin, mich wundert, dass Du immer Tal der Biber erwähnst, was relativ sandboxig ist und Euren Railroadingthesen so gar nicht standhält. So ist beispielsweise ein Finale in der Mine wie bei den Indianern möglich.

    Eine gute Quelle für Oneshots ist der WOPC (oder dieses Jahr der WTSC), das sind ja alles Einsteiter und damit zu 99% gute Oneshots.

    Und wenn ich mir da die Gewinner der letzten Jahre anschaue, muss ich Eure These zerreisen, dass Oneshots leichter zu schreiben sind als „normale“ Abenteuer. Das Eindampfen und Kondensieren ist halt auch eine Kunst, wie ich am diesjährigen WTSC-Sieger zeigen möchte: http://spiele-im-kopf.blogspot.com/2019/04/wintertsc-2018-dnd5-ravnica-der-aedifex.html

    Weitere Gewinner findest Du hier: https://greifenklaue.wordpress.com/2018/01/15/wopc-downloads-wieder-online/

    • Ja, das Eindampfen und Kondensieren bei der Festlegung des Plots und beim Aufschreiben ist auf jeden Fall eine enorme Leistung. Daher würde ich die These leicht modifizieren wollen: „Oneshots mit vorgefertigten Charakteren“ sind leichter zu schreiben als Abenteuer, die mit generischen Charakteren spielbar sein sollen!

      • OKay, dazu kommt noch der Unterschied Oneshots und Onepager. Erstere muss man ja auch nicht eindampfen.

        Jedenfalls: Basis eines guten Abenteuers ist oft eine gute Idee – und die ist unabhängig von Länge und Verwendung.

  7. Ich mag One-Shots, um neue Systeme kennen zu lernen. Zuletzt habe ich ITRAS BY geleitet, nur um mal das System und die Mechanik zu testen.

    Ansonsten kann man da auch mal „die Sau rauslassen“. Will sagen, dass man da auch mal mit seinem Charakter Dinge macht, die man sonst nicht so machen würde. Geleitet habe ich: Orks, die einen Drachenhort plündern. Colonial Space Marines, die aus einem Raumschiff raus wollen. ITRAS BY, und 191 Stockwerke abwärtsm usw.
    Ich mag sowas.

  8. Also bei mir besteht bei One Shots ein großer Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Ich hätte gerne eine Runde, in der man jede Sitzung ein neues System oder Konzept ausprobiert.
    Aber eine so flexible Runde fand ich noch nie. Selbst wenn einige Spieler Interesse hätten, ist immer mindestens einer dabei, der selbst in Systemen mit nur drei Werten über eine Stunde braucht, um eine Figur zu erstellen. Und der dann auch nicht richtig ins Spiel kommt.

    Dabei sehe ich Experimente als eine der großen Anwendungen von One Shots. Man kann einfach besser ausprobieren, was noch so alles geht.
    Ich möchte z. B. gerne einmal eine Runde spielen, wo man Figuren bekommt, die nur noch eine Woche zu leben haben, und man weiß ganz genau, dass nichts, was man tut, daran etwas ändern könnte. Was macht man mit dieser Woche?
    Oder mal eine Sitzung bettelarme Waisenkinder verkörpern. Oder Leute, die durch einen Unfall durch die Zeit reisen.

    Die zweite große Anwendung liegt natürlich im Horror – Cthulhu, Dread usw.
    Sowohl „Der Sänger von Dhol“ als auch „My little sister wants you to suffer.“ kann ich hier sehr empfehlen.

    Es gibt noch eine Anwendung, über die ihr etwas mehr hättet sprechen können: Als Einstieg in ein System oder gar in das Rollenspiel im Allgemeinen.
    Ich habe für jedes System, das mir liegt, ein Einstiegsabenteuer auf Lager. Letzte Woche führte ich wieder eine Dame mit meine Abenteuer „Verschollen in Hogwarts“ ins Rollenspiel ein.

    Mein Lieblings-One-Shot kommt auch aus dieser Kategorie. Ein befreundeter SL leitete einmal einen D&D-One-Shot für uns und ich übernahmt ihn direkt für andere Fantasy-Systeme.

    PS: Ich weiß nicht, ob man euch schon informiert hat, aber Katzen im Weltraum kommt:
    http://faterpg.de/2019/04/space-cats-turbofate-fuer-kinder-im-crowdfunding/

    • Dein Abenteuer „Verschollen in Hogwarts“ klingt interessant. Mit welchem System bespielst du das? Ich habe leider zumindest kein offizielles Harry Potter pnp gefunden, hätte aber mal sehr viel Lust drauf und ich denke, dass sich HP sehr gut eignet von der Spielwelt her.

  9. – Wie ist dein Verhältnis zur OneShot-Kultur?
    Klasse, mit einer Spielegruppe von mir spielen wir zu jedem Treffen ein neues OneShot zu einem anderen System (Und dazwischen immer wieder Cthulhu ;)).
    Wir wolle so einen Eindruck von verschiedenen Systemen gewinnen, bis alle meiner Meinung sind, dass wir nur noch Midgard und Cthulhu zocken. 😉
    Da unsere Gruppe aktuell nicht immer komplett am Tisch sitzt ist es nicht weiter schlimm, wenn man mal einen Abend verpasst hat, denn das Erlebte ist für die kommenden Sitzungen nicht relevant.

    – Kennst du besonders empfehlenswerte OneShots?
    Coriolis – Dunkle Blumen, DSA1 – Silvanas Befreiung (wenn man es nicht all zu ernst nimmt), Cthulhu – Das Corbitt-Haus, Splittermond – Jagdfieber

    – Was zeichnet sie aus?
    An einer Stizung spielbar, schnell gelesen und vorbereitet, unterhaltsam, man kann gut Stimmung aufbauen.

    Beste Grüße,
    DanF!

  10. Ich bin ein Oneshot-Fan. Gerade in unserem Rollenspielverein bietet sich diese Abenteuerform auch für die Treffen an. Außerdem muss man bei Oneshots nicht langfristig denken und kann seine Figur richtig ausspielen. Für mich ein riesiger Vorteil.

    Mein Lieblings Oneshot ist (Martin wird jetzt stöhnen *g*) „Der Sänger von Dhol“. Das hab ich jetzt locker schon ein Dutzend mal geleitet und es war immer klasse.

    • 😉 Ich hatte schon bei der ersten Erwähnung hier in den Kommentaren leise gestöhnt (beim Lichtbringer war es glaube ich).

      Der Sänger ist auf jeden Fall ein klasse Abenteuer und wenn der gut funktioniert, dann ist das doch super. Es ist halt offenbar einfach nicht „mein“ Abenteuer.

  11. Ich bin auch zwiegespalten. Ich habe ein Zeitlang Online sehr viele Oneshots gespielt, auch im DSA Universum. Vorallem weil ich dort immer sehr viele Ideen für Charaktere habe und diese auch testen möchte, man aber in einer Festrunde nicht laufend Charakter wechseln kann.

    Es waren dabei einige gute One Shots dabei, auch für DSA kann man kurze Plots schreiben, sogar sehr kurze, denn oft war es dann eine Stunde Kennen lernen der anderen SCs und dann drei Stunden Abenteuer.
    Nur irgendwann ging es dann in der Community los, dass keiner mehr leiten wollte und manche auf die „grandiose“ Idee kamen, den Spielleiter auszuwürfeln…der sich dann auf 30 min ein Abenteuer überlegen soll. Das funktioniert nicht und das war auch vorläufig das Ende meiner One-Shot Spielzeit.

    Ich selbst kann aber keine One Shots leiten, da ich sehr schlecht darin bin Spieler zu „treiben“, wenn die drei Stunden in der Taverne philosophieren wollen, dann lass ich sie das machen. Also One Shots leiten muss man wirklich können, bei mir werden es immer Few-Shots (2-3 Abende)

  12. Oneshots eigentlich nur auf Cons, so gut wie nie in der heimischen Runden. In der Regel um ein System kennen zu lernen.

  13. Wie ist dein Verhältnis zur OneShot-Kultur?

    Ich spiele derzeit fast nur noch One Shots. Ich mag sie sehr gerne und habe die Erfahrung gemacht, dass lang angelegte Kampagnen bei meiner niedrigen Spielfrequenz fast immer irgendwann ins Leere laufen und/oder ich die Lust und Motivation verliere. Und ich will als (meist) SL einfach auch nicht mehr so ewig viel vorbereiten, mich wöchentlich an Termine binden etc. One Shots finde ich deshalb hervorragend sowohl zum Testen von Systemen als auch allgemein für schöne Rollenspielerlebnisse. Übrigens habe ich mich – Eigenwerbung! – in den Handbüchern des Drachen II von Ulisses des Themas One Shot in einem Essay angenommen und komme zu ziemlich ähnlichen Ergebnissen wie ihr im Cast.

    Kennst du besonders empfehlenswerte OneShots? Was zeichnet sie aus?

    Ich mag am liebsten die One Shot Systeme, die ihr gegen Ende eures Casts geraaaaade noch so erwähnt habt (da habt ihr nochmal die Kurve gekriegt 😉 ). Ich empfehle hier also in erster Linie komplette One Shot Spiele wie Fiasko, Dread, Geh nicht in den Winterwald und Ten Candles; innerhalb davon gibt es meist auch nochmal verschiedene Szenarien, aber da habe ich keine besondere weitere Empfehlung, das sind meist eher so Kulissen/Ausgangssituationen (Fiasko, Ten Candles) oder grobe Szenario-Beschreibungen (Dread, WInterwald), aber der Star ist jeweils mMn das Spiel selbst. Diese Systeme zeichen sich dadurch aus, dass man an einem Abend das Szenario samt Charakteren gemeinsam kreiert und ausspielt, woraufhin es dann auch abgeschlossen ist. Punkt. Klingt erstmal nicht spektakulär, aber durch die Mechanismen, die die gemeinsame Gestaltung fördern, ist das Ergebnis für alle spannend und oft überraschend, Wendungen gibt es, sie sind aber nicht unbedingt von vornherein durch den SL vorgegeben, sondern ergeben sich aus dem Spiel und/oder den Mechanismen des jeweiligen Spiels.

    Was einzelne One Shot Abenteuer zu eher mainstreamigen Rollenspielen angeht, mochte ich viele der DSA4 Anthologieabenteuer, beispielsweise die Märchenanthologien (ein hübscher One Shot ist z.B. Stefan Untereggers „Verwünscht“ aus „Feenstaub und Fabelwesen“) und die Gruselanthologie „Dämmerstunden“ (außer natürlich die „Nacht der geifernden Mäuler“ darin – das ist total schlecht und der Autor ein Idiot). Oft sind es halt die ewig langen Kämpfe, die DSA-Abenteuer als One Shot disqualifizieren, aber z.B. „Verwünscht“ schafft man in 4 Stunden.

    Als mittlerweile nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipp empfehle ich auch die Szenarien im Grundregelwerk von Tales from the Loop sowie jene in der „Our Friends the Machines“ Anthologie. Gerade mit dem namensgebenden Abenteuer dieser Anthologie hatten wir kürzlich sehr viel Spaß bei einem One Shot.

    Cthulhu bietet aber bei weitem – ihr habt es ja auch oft genug erwähnt – das größte und tollste Repertroir an One Shots, da sind wir uns einig. Ich weiß gar nicht, was ich da empfehlen soll, da ist so vieles so gut; und noc hdazu hab ich oft als Spieler auch einfach die Eigenkreationen der Spielleiter miterlebt. Gerne mochte ich aber z.B. „Gestohlene Leben“ aus „Kleine Völker“ und „Kerkerwelten: Rußschwarzes Berlin“ aus der Cthuloiden Welten #6, wobei das jetzt eher zwei von ganz vielen Beispielen sind, die mir auch wegen der Umsetzung des SLs viel Spaß gemacht haben. Das ist vielleicht generell das Geheimnis guter One Shots: Wenn ein SL ein Szenario einfach super ausgestaltet, dann ist das in meinen Augen wichtiger als der Inhalt des Szenarios selbst und man ist einen Abend lang wie verzaubert. Besonders gerne mag ich es, wenn es einen Clou oder eine Wendung gibt. Bei Ten Candles mag das die Auflösung sein, wer SIE sind, bei einem Cthulhu-Abenteuer vielleicht der Moment der Erkenntnis, was genau hinter den jeweiligen Vorgängen steckt, aber es kann auch eine sich von den Spielern her entwickelnde daramtische Szene sein.
    Am Ende gilt: Wenn man das gerade Gespielte gerne als Film sehen würde, dann war es fantastisch.

    • Danke für die Tipps Dominic! Was das DSA4-Abenteur „Nacht der geifernden Mäuler“ aus der insgesamt sehr zu empfehlenden Grusel-Anthologie „Dämmerstunden“ anbelangt, da wage ich Dir nur zu wiedersprechen. Das ist ein hervorragendes Abenteuer und rangiert auf der Liste der DSA-Bewertungen zu Recht weit oben! 🙂
      Bei „Tales from the Loop“ – da hoffe ich ja, dass sich dafür ein Deutscher Verlag findet, der das übersetzt und hierzulande herausbringt.

  14. Ich hab zu meinem Bedauern sehr wenig Oneshot Erfahrungen. Aber jedes Mal war es um sehr spezielle Dinge mal anzutesten.
    Erzählen könnte ich von unserem Ork Oneshot der meine Partnerin nachhaltig verstört hat, als sie früher nach Hause gekommen ist. Es war sehr lustig und laut. 😀
    „Harai Rashmok!“

  15. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit One-Shots gemacht. Mit den verschiedensten Motivationen.

    Auf Cons sind One-Shots ein Klassiker. Meistens wird dort mit vorgefertigten Charaktereren gespielt und das hat sich auch bewährt aus den genannten Gründen. Von den Spielleitern habe ich schon unterschiedliche Qualitäten kennen gelernt. Wobei viel Vorbereitung nicht automatisch gute Runde bedeutet – aber es hilft durchaus. Bei Drachenzwinge Con, die meinem Empfinden nach eher ein großes Gruppentreffen ist, haben wir im Vorfeld im Forum Charakter erstellt oder abgesprochen, teilweise sogar Vorgeschichten miteinander verknüpft. Das hat unheimlich zur Spielintensität beigetragen.

    Hauptsächlich spiele ich inzwischen online mit TeamSpeak oder Discord, organisiert über die Drachenzwinge. Dort sind One-Shots weit verbreitet. Es ist eine großartige Möglichkeit für Neulinge, das (online) Rollenspiel kennen zu lernen. Wir organisieren sogar spezielle Einsteigerrunden, die in das online Rollenspiel einführen. Mit verschiedenen Systemen, die damit auch vorgestellt werden.

    Ein andere viel genutzte Möglichkeit ist, dadurch Leute kennen zu lernen für eine Festrunde. Häufig veranstalten Spielleiter mehrere One-Shots, um Spieler*innen in Aktion zu erleben, bevor sie sich ihre Festrunde zusammen stellen.

    Ein wichtiger Grund, warum ich selbst regelmäßig One-Shots spiele, ist, das ich einfach richtig viel Lust darauf habe, verschiedenste Facetten unseres Rollenspiels kennen zu lernen. One-Shots bieten mir die Möglichkeit, neue Systeme oder Settings kennen zu lernen. Einige kreative Sachen sind sogar darauf ausgerichtet, als One-Shot gespielt zu werden. Oder das System/Setting läd dazu ein, dass immer wieder Leute in unterschiedlichen Konstellationen zusammen spielen, z.B. bei Shadowrund oder mein Supernatural (Demon-Hunter)-Poolgruppe.

    Für abgefahrene Settings eignet sich Fate sehr gut oder Spielleiter entwickeln was selbst. Auf die Art habe ich auch schon KATZEN IM WELTALL gespielt. 😉 Die PbtA Systeme eignen sich auch gut dafür, da sei nur als Beispiel Monster of the Week genannt. Auch Ratten! hat mir Spaß gemacht. Und alle OSR Sachen sind großartig als One-Shot für zwischendurch. Ähnlich auch Beyond the Wall.

    Es gibt auch tolle Systeme, die gezielt darauf angelegt sind, nur als One-Shot stattzufinden, z.B. ViewScream, Fiasco, Alles-sind-Kalle (Everyone-is-John), Einhunderelf Jahre, One last Job, Geh nicht in den Winterwald, und mehr. Das sind auch fast immer unterhaltsame, intensive Rollenspiel-Abende.

    Ein weiterer wichtiger Grund für mich ist die Zeit. Beruf-Familie-Freunde/weiter e Hobbys schränken einfach die verfügabre Rollenspielzeit ein. One-Shots bieten mir die Möglickeit häufiger zu spielen, wenn ich freie Abende habe oder spontan Zeit habe, ohne mich gleich für eine Festrunde verpflichten zu müssen.

  16. Ich mag Oneshots super gerne,
    stelle aber leider immer wieder fest, dass man mehr als 4 Stunden braucht und es dann ausufert zu einem FewShot.
    Cthulhu preist oft solche Abenteuer an, oft funktioniert es dann doch nicht.

    Was ich für mich entdeckt habe ist Beyond the Wall von System Matters.
    Ich leite auf Cons eigentlich jedes Mal mind. 1x BtW, damit ich sicher in 3-5 Stunden modular durchkomme.

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