Folge 99 – Immersion

Die Handlung verinnerlichen, alle Skepsis ausblenden, ins Spiel eintauchen: Immersion kann ein zentrales Ziel sein, wenn man unser Hobby betreibt. Wie erreicht man immersive Zustände? Welche Stolpersteine liegen einem häufig im Weg? Ist ein immersives Spiel nicht letztlich eine Selbstauslieferung an den Spielleiter? Welche Tücken sind noch damit verbunden?

Cast: Martin,Tanja, Carsten, Dominik, Holger Länge: 52:33

Inhalt:
01:04 Konzentration, Immersion, Flow: Entrückung und ihre Tücken
06:34 die Spielfigur des Mitspielers hassen können: der Mehrwert von Immersion
16:00 Sie sind ein Wildschwein, sie sind ein Wildschwein! – hypnotische Trance
23:02 Bleeding, Flashbacks, Agressionen: Feedbackschlaufen und Schmerzen
37:10 Socialising, Pizza, Wo-sind-eigentlich-meine-Würfel? Flow erst am 21.30 Uhr
45:53 Hilfe, wir haben immersiv gespielt und ich wurde bespielleitet!

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Dread (deutsche Ausgabe, System Matters Verlag)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Beantworte in den Kommentaren bis zum 05.08.2018, 24 Uhr, die folgenden Fragen: „Welchen Stellenwert hat Immersion beim Rollenspiel für dich? Hast du erzählenswerte Erfahrungen damit gemacht?“

Links:
Blood Rage (Brettspiel)
Herr der Ringe (Brettspiel)
hypnotische Trance
Asterix und Obelix – Hypnose
Tetris als Therapie
Bleeding im Larp
Brille im Larp
Labyrinth der Monster
BADD – Bothered about Dungeons and Dragons
Designers and Dragons

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16 Gedanken zu „Folge 99 – Immersion

  1. Schöne Folge, und ich bin sehr gespannt, was ihr wohl zu Eurem Jubiläum macht.
    Spannend fand ich auch, dass es mal einer mehr war als sonst.

    Welchen Stellenwert hat Immersion beim Rollenspiel für dich?
    Ich hätte gerne mehr Immersion, aber ich kann das selber nicht liefern, und dann wäre es vermessen von mir, es von meinen Spielern bzw. Mitspielern zu erwarten.
    Wir spielen in der Woche für ca.2,5 Std. Reinspielzeit + Pizzaessen und Smalltalk. Ich komme direkt von der Arbeit und ein anderer bringt vorher die Kinder ins Bett. Ein weiterer nickt um ab Stunde 2 immer mal wieder ein, wenn die Spannungskurve nicht ganz hoch ist. Ihr hattet die These, dass erst nach zwei Stunden Immersion kommt, bei uns ist dan die Sitzung vorbei. 🙁

    Die Trennung zwische Spieler- und Spielleiter -Immersion finde ich auch ganz interessant. Ich habe als SL immer keine Ahnung, wie dicht ist die Stimmung bei den Spielern ankommt. Es mag für die Spieler ganz atmosphärisch sein, aber ich bin auf der Metaebene handwerklich beschäftigt, den Plot zu bedienen, den NSC richtig auszuspielen, die Regeln einzuhalten und Atmosphäre zu erzeugen. Desweiteren achte ich noch auf die reale Zeit, weil ich ja um 22.00 Uhr die Sitzung sauber* beenden möchte, denn wir müssen morgens alle früh raus. Da kommt bei mir keine Stimmung auf…
    *sauber heißt nicht in der Szene, schlimmer noch Kampf ungewollt abbrechen, weil die letzte Bahn fährt.

    Hin und wieder spiele ich mit anderen Leuten mal einen Nachmittag oder gar die Nacht durch. Hach, wie früher. Da ist immer sehr immersiv nach einer gewissen Anfangsphase. Diese Leute haben meist mehr Spass an Charakter-/Figurenspiel als am Abenteuer.

    Hast du erzählenswerte Erfahrungen damit gemacht?“
    Vorneweg sind die immersivsten Erlebnisse für mich im LARP gewesen, was aber wohl am ehesten an der Dauer liegt. Wenn ich ein ganzen Wochenende oder eine ganze Woche in einer Rollen bin, dann fällt es ja leicht, alles auch in Rolle zu tun. Nicht nur die Highlights, sondern auch das langweilige. Kämpfe als Oger, wache als Oger, esse als Oger, repariere deine Rüstung als Oger, langweile dich als Oger, kaufe ein als Oger, hole Wasser als Oger usw. Der erholsamste Urlaub meines Lebens….

    Brillen auf LARP: Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle ihre Brillen durch Kontaktlinsen ersetzen ließen, aber das entspricht nicht der Realität. Hier bauen wohl alle LARPER auf das Ausblenden der Realität. Was wieder ein guter Beweis für die Immersion auf einem LARP ist. Es spielt sich eben auch im LARP noch viel im Kopf ab. Zwar blendet man eher was aus, als das man sich was vorstellt. Auf Fotos entdecke ich immer wieder Brillen, Tetrapaks, Klappstühle und Autos, die mir im Spiel nicht aufgefallen sind.

    • Dankeschön und beneidenswert – das klingt nach einer regelmäßigen (vielleicht sogar wöchentlichen) Spielrunde 😉

      Ich kenne das als SL ähnlich wie Du es beschrieben hast. Ich erlebe aber ab und an, dass mich als SL ebenso Stimmung, Atmosphäre und Situation fesseln, sodass die ganze technische SL-Perspektive in dem Moment dann ziemlich weit in den Hintergrund rückt.

      Und ja, die immersivsten Momente habe ich bislang ebenfalls im LARP erlebt.

      • Ja, wöchentlich. In Demut erkenne ich an, dass die meisten in meiner Altersklasse , das nicht mehr haben.
        Es fällt besonders auf, wenn wir einen neuen Mitspieler suchen. Der 1. wöchentlich Zeit und 2. Unser fast antiquiertes System spielt (3.ED). mitspielt.

  2. Ich finde es falsch, wenn man Immersion zu sehr erzwingt. Am Ende findet es ja im Kopf von jedem einzelnen statt. Und somit muss auch jeder für sich im Kopf die Immersion aufbauen können (sofern gewünscht). Da kann man sich als Mitspieler oder Spielleiter noch so sehr ein Bein ausreißen: Wenn bei jemandem die Stimmung nicht aufkommt (oder aufkommen will!), dann ist das so. Stören sollte man sich davon nicht.

    Klar, dass passende Musik und andere atmosphärische Elemente die Immersion verstärken kann. Eine Debatte, ob LARP mit oder ohne Brille, finde ich da aber übertrieben.

    Die größte Problematik: Langsames Reinkommen ins Spiel sowie ständige Unterbrechungen. „Mal eben für 1 Minute auf dem Balkon dampfen gehen“, ist da so ein schöner Immersionskiller. Man merkt das aber schon nicht mehr – da die Immersion hierbei gar nicht erst aufgebaut wird (zumindest nicht stark genug). Hier bleibt es also wieder bei jedem selbst überlassen, die Immersion für sich selbst aufzubauen. Sich von Dampfern & Co. bestenfalls nicht stören zu lassen.

    Ach ja: Ein paar Out-Game-Gacks zerstören die Immersion aus meiner Sicht nicht. Im Gegenteil: Eine lockere Atmosphäre sorgt dafür, dass man sich wohlfühlt. Die beste Voraussetzung für Atmosphäre und Immersion also.

    • Stimmt absolut – Immersion lässt sich schlecht erzwingen.

      Zu den Spielunterbrechungen: Ich spiele in einer Cthulhu-Runde, wo auch zwei oder drei Raucher dabei sind und auf dem Balkon rauchen. Das funktioniert beim Spiel aber relativ problemlos. Entweder machen wir da ohnehin mal für alle eine Pause oder wir verbinden das Rauchen draußen mit einer Spielszene (sowohl mit als auch ohne Beteiligung des SLs).

  3. Immersion versuche ich so gut wie möglich zu erschaffen. Grade beim Online spielen kann man sich super rein denken, wenn es keine ablenkende Faktoren gibt. Am Tisch sieht man natürlich die Gesichter der anderen und kann sich vielleicht nicht wirklich vorstellen, wie ein Schmalhans vor dir einen kräftigen Rittersmann spielt oder ein etwas fülligerer Mitspieler eine grazile Elfe spielt, eventuell noch mit verstellter Stimme.

    Wenn man Online nur die Stimme hat auf die man sich konzentriert und dazu ein Bild des Charakters sieht, kann man sich super drauf konzentrieren.
    Mit ein bisschen seichter Musik unterlegt, nicht zu aufdringlich, oder Sounds kann man viel erreichen.

    Immersion ist mir wichtig, daher möchte ich auch, dass meine Spieler wenig OT Anmerkungen machen, viel Ingame bleiben

    • Interessanter Vergleich mit dem Spielen mit und ohne seine Mitspieler zu sehen.

      Tatsächlich ist es mir im Tischrollenspiel noch nicht passiert, dass ich die Figur optisch gesehen (so wie ich sie mir dann vorgestellt habe) unpassend zum Aussehen des Gegenübers am Tisch fand.

  4. Ich finde wichtig, die überwiegende Atmosphäre der Kampagne oder des Abenteuers zu spüren. Ich bediene mich da gerne eines wiederkehrendes Soundtracks. Damit lassen sich Spieler teilweise sehr schnell in die passende Stimmung versetzen. In einer Runde hat ein Spieler regelmäßig eine Kiste mit Requisiten mitgebracht und vor der Sitzung den Raum entsprechend gestaltet (altertümliche Geldstücke, ein Schwert, etc.). Im Zuge dessen haben wir uns mit Tonkrügen ausgestattet, was auch zum Ambiente beigetragen hat.
    Die eindrücklichsten Erfahrungen waren einmal als Spieler: während der gesamten Cyberpunk-Sitzung brannte eine blaue Glühbirne von der Decke. Das Zimmer hat nie kälter gewirkt. Als Meister habe ich einmal in einer Maisonette-Wohnung geleitet. Zum großen Auftritt des Clanältesten Vampir, bin ich vorher oben verschwunden und mit Kostümierung die Treppe heruntergestiegen. Das herunter wabernde Trockeneis hat die Szene rund gemacht. Eine weitere Sitzung haben wir nachts in einer Kapellenruine mitten im Wald abgehalten. Da wird jedes noch so kleine Geräusch zum Immersionsverstärker. Sowas kann man nur selten machen ohne das sich die Wirkung abnutzt.
    Larp ohne Brille ist in meinen Augen einfach nur fahrlässig. Nichts trübt den gemeinsamen Spielspaß mehr, als Leute, die sich selbst und andere in Gefahr bringen.

  5. „Hast du erzählenswerte Erfahrungen damit gemacht?“… Keine Ahnung… ich erzähle einfach ´mal ´was:
    Im Allgemeinen bin ich jemand, der schon ästhetisch der Idee von Ökonomie, Reduktion und Minimalismus gegenüber aufgeschlossen ist. Es hat aber sehr lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass es das im Rollenspiel-Sektor auch gibt. Erstkontakt waren für mich norwegische Rollenspiele. Irgendwann lag Itras By vor mir auf dem Tisch und ich war fasziniert. 95% Setting (surrealistisch, bunt, durchgeknallt, phantasievoll), 4% Spieltipps, 1% Regeln. Da das System noch einen traditionellen Spielleiterjob hat, schrieb ich einfach ein ähnlich traditionelles Abenteuer, fuhr damit auf eine Con und fand vier Damen (!), die dabei sein wollten. Für mich war das ein wichtiger Moment, denn beim Spiel erkannte ich ein paar Vorteile, auf die ich seitdem nur ungern verzichte:
    Wenn ich mich nicht um komplexe Regeln kümmern muss,
    – kann ich als Spielleiter meinen Spielern viel besser zuhören.
    – kann ich mich viel besser in die von mir geführten Nichtspielerfiguren einfühlen.
    – kann ich viel besser über den Verlauf den Handlung des Abenteuers nachdenken.
    Kurz: Die kaum vorhandenen Regeln und auch die Tatsache, dass ich das Abenteuer selbst geschrieben hatte, setzten in meinem Hirn so große Räume frei, dass ich dann doch so eine Art Immersionserfahrung hatte… und das als Spielleiter! Ich bin singend nach Hause gefahren. Seitdem sind meine Systeme einfacher geworden, die Vorbereitung allerdings eher nicht. Insgesamt nacht´s mich glücklicher.

  6. Hallo zusammen,
    eure grossartige Verlosungsaktion nehme ich zum Anlass auch mal einen Kommentar zu schreiben.
    Immersion entsteht für mich vor allem in den Dialogen der Spielfiguren während des Spiels. Vor allem wenn der SL die NSCs lebendig darstellen kann, fällt mir leicht in meiner Rolle aufzugehen. Stundenlanges Erforschen von Dungeons ist für mich eher wenig Immersionsfördernd.
    Interessant finde ich frage, ob es Systeme gibt die die Immersion potentiell fördern. Als Beispiele würde ich Dread und TenCandles nennen. Beide bentzen Spielmechaniken, die auch die Gefühle der Spieler ansprechen.
    Man könnte den Begriff der Immersion noch aufteilen in die Immersion in die Rolle und die Immersion in die Geschichte. Systeme die die Spieler auch an der Gestaltung des Settings und der Handlung beteiligen (wie z.B. FATE) mögen die Immersion in die Rolle an manchen Punkten erschweren (durch Metaspiel), erhöhen aber die Immersion in die Geschichte, da die Spieler ja ihre eigenen Ideen eingebracht haben und daher noch mehr involviert sind.

  7. Welchen Stellenwert hat Immersion beim Rollenspiel für dich?
    Einen relativ geringen, auch weil es mir leicht fällt, Immersion zu empfinden. Wenn ich es immersiv will, bevorzuge ich Larps, da macht die Tavernenrunde deutlich mehr Spaß als die simulierte im RPG.

  8. Hallo zusammen,
    vielen Dank für euren tollen Podcast. Es ist immer wieder eine Freude euch zuzuhören.
    Ich spiele seit gut über 30 Jahren Rollenspiele und dabei alle möglichen Systeme und Szenarien. Bei meiner aktuellen Runde (wir spielen seit über 20 Jahren miteinander) entwickeln wir eigene Systeme und Welten, eben weil wir mit der Immersion in gegebenen Welten und Systemen nicht zufrieden sind. Obwohl wir uns schon so lange kennen und miteinander spielen.
    Letztendlich geht es bei einem Rollenspiel meiner Meinung nach genau darum einzutauchen mit und in der Welt, der Geschichte und den Charakteren zu fühlen.
    Ich für meinen Teil tendiere immer mehr in die Richtung, dass ich glaube, dass es hilft, wenn es keinen Spielleiter gibt und alle Spieler gleichermaßen für das Erlebnis des Abends verantwortlich sind. Ebenso finde ich zunehmends, dass regelleichte und erzählorientierte Systeme helfen den Flow herzustellen.
    Allerdings habe ich wenig Belege dazu und meine Kollegen in der Runde sehen das eher auch anders.
    Ich entwickele selber an einem System, dass das gemeinsame Geschichtenerzählen und die tiefe Immersion fördern soll und suche nach Tipps, Tricks und Ideen aller Art, was da helfen kann.
    In diesem Sinne weiter so und vielleicht habt ihr und eure anderen Zuhörer ja noch ein paar Ideen für mich.

    • Ich glaube nicht, dass es Universallösungen gibt, um Immersion herzustellen. Ich persönlich empfinde P&P immersiver als Larp, Systeme mit SL immersiver als ohne, Railroading immersiver als Sandboxing, reine SL-Geschichten immersiver als gemeinsames Erzählen. Aber es gibt eben auch leute, die das anders erleben. Und dann ist natürlich die Frage, ob Immersion das Nonplusultra ist, oder ob spannendes, intensives, witziges, kreatives Spiel nicht ebenso erstrebenswert oder sogar erstrebenswerterist. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

      Für dein eigenes System:
      Ich nehme an, du hast die modernen Strömungen schon ausprobiert? Fate und PbtA, 10 Candles und Dread waren Augenöffnen für mich. Nicht alles hat für mich funktioniert, aber man lernt so viel über Möglichkeiten des Rollenspiels.

      Ich drücke die Daumen, dass ihr das perfekte System für euch findet. 🙂

      • Hallo Faras Damion,
        danke für deine Meinung und Anregungen ich habe mir die Systeme und Spiele, die du erwähnt hast zum Teil angesehen und auch eine Menge spannende Ansätze darin gefunden. Kennst du die Arbeiten von Ben Robbins, wie Microscope oder Follow, die fand ich auch sehr spannend: http://www.lamemage.com

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