Folge 94 – Der Rollenspiel-Illustrator (Interview)

FuFu Frauenwahl, seines Zeichens legendärer Rollenspiel-Illustrator und Allzweckwaffe in allerlei aktuellen Systemen erweist uns die Ehre und steht dem Eskapodcast Rede und Antwort. Welche geheimnisvollen Dinge geschehen in der Kemenate des Zeichners? Wieviel künstlerische Freiheit nimmt man sich als Profi heraus? Was geht regelmäßig schief, wie anstrengend sind die Auftraggeber und wie oft kippt man aus Versehen ein Glas Apfelsaft über ein gerade fertig gestelltes Meisterwerk?

Cast: Martin, FuFu Länge: 51:36

Inhalt:
05:27 Lehr- und Wanderjahre eines homo aestheticus: Wie wird man zum Illustrator?
12:31 Pinsel aus Zentaurenhaar und Tinte aus gepresstem Kobold: Werkstattgeheimnisse
18:31 von der Eingebung zum Endprodukt: Skizzen, Scribbles, Bleistift, Tusche, Blut
25:25 Tipp-Ex und Photoshop: Retuschieren wie unter Stalin
29:38 selbstständig und im Home Office: heulende Kinder hüten und Kunst erschaffen
33:46 Konkretionen: Der Spinnenfrauen-Hybrid in der Produktion (Links beachten!)
40:43 Künstlerstolz und alte Meister: vom Wert und von der Würde der Comics
47:25 aus dem Nähkästchen: Empfehlungen und Warnungen für angehende Zeichner

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenke: Dungeons and Dragons 5: Dungeon Tiles Reincarnated (Wilderness) (Wizards of the Coast), weiterhin Metal Heroes and the Fate of Rock (Luxus-Ausgabe mit Pokerkartenset) und Reiter der Schwarzen Sonne
Mäzenaten: Tanja (Emporion of Games), Swen Harder (Playharder)
Beantworte in den Kommentaren bis zum 10.06.2018, 24 Uhr, die folgenden Fragen: „Wie wichtig sind dir Illustrationen? Hast du eine Lieblings-Illustration?“ oder stelle FuFu Frauenwahl eine eigene Frage zu seiner Arbeit.

Links:
FuFu Frauenwahl (Homepage)
Bristolkarton und Pentel Pinselstift
Illustration 1: Spinnenfrau vorher
Illustration 2: Spinnenfrau nachher
Illustration 3: Metal Crowd vorher
Illustration 4: Metal Crowd nachher
Illustration 5: Metal Crowd final
Eskapodcast Folge 65: Metal Heroes and the Fate of Rock (Interview)
Walter Moers: Wilde Reise durch die Nacht
Gustave Doré 

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24 Gedanken zu „Folge 94 – Der Rollenspiel-Illustrator (Interview)

  1. Liebe Hörer und Kommentatoren!

    Wegen der neuen Datenschutzverordnung waren die Kommentare nun erst einmal unterbunden, sie werden hiermit wieder freigeschalten. 😀
    Das dazugehörige Geschenkaktion wird zum Ausgleich um volle zwei Wochen verlängert, also bis zum 10.06..

    Da wir diesmal sagenhafte drei Preise anbieten können, kann ich nur empfehlen: Löchert den guten FuFu mit euren Fragen! 😀

  2. Ich kenne und Schätze den großartigen Fufu seit seiner DSA Dunkle Zeiten Box, die ich gelesen und bespielt habe und bei vielen guten Zeichnungen sein „fufu“ gesehen habe.
    Seitdem bin ich immer auf der Suche nach seinem Siegel auf Zeichnungen und freue mich über dein Interview =)

    Wie wichtig sind mir Illustrationen?
    Sehr. Ich mag es wenn ich einfach ein Bild zeigen kann und dann die Wirkung beschreiben kann, die er oder sie oder es ausübt.
    Niemand interessiert sich für die Augen oder Gürtelfarbe des Gegenübers oder ob das Rathaus gotische Säulen oder Fresken der Antike zeigt. Wenn ich eine Zeichnung präsentiere, spare ich mir 1 Minute Beschreibung, die sich eh keiner merkt.

    Daher mein Appell: mehr Illustrationen fast egal welcher Art

    • Danke Frosty! 🙂
      Als Illustrator ist es immer schön wenn man hört, dass die eigenen Sachen wahrgenommen wurden. Da sie ja hauptsächlich dem grossen Ganzen dienen, in welches sie eingebettet sind ist das nicht unbedingt selbstverständlich.

  3. Ich bin volljährig und mit der Veröffentlichung meines Posts einverstanden.
    Illustrationen sind für mich wichtig genug, dass ich mir recht viele Artbooks der üblichen Rollenspiel- und Comiczeichner gekauft habe. Durch das Erstarken des Internets nahm das etwas ab,weil man sich ja vieles für umme auf dem Rechner ansehen kann.
    Meine Lieblinge sind Simon Bisley, Mark Schultz, Brom und Larry Elmore.
    Die Comics der beiden Oberen kaufe ich unbesehen nach Handlung oder Genre, was gerade bei Bisley immerwieder zu Kopfschmerzen führt.
    Illustrationen transportieren die Stimmungen besser, die der Text bei mir nicht auslöst.

  4. Ich würde sagen Illustrationen wirken oft wie der Bass in ner Band, man merkts nur wenns fehlt^^ Ich denke viele Illustrationen sind eher angenehm um Texte lesbarer zu machen, Stimmungen verbreiten, aber sofern sie nicht wirklich sehr gut (oder größeren Fokus darauf gelegt wird) sind lese ich oft (zu) schneller drüber. Ich denke mehr achte ich auf Illustrationen auf Musikalben, nicht kaufentscheident aber es hilft ob ich die CD öfter in die Hand nehme. Spontan meine Lieblingscover wären wohl von Sturm aufs Paradis von Saltatio Mortis, Venus Luzifer von Unzucht und Schlacht von Avatar; wobei Powerwolf Cover auch immer sehr stark illustriert sind.

        • Haha, alle gibt’s nicht, sorry.
          Hm, die #3, das ist glaube ich die, bei der ich nach dem Studium der (Werbe-)Illustration desillusioniert den Rücken gekehrt habe und in ein tibetanisches Bergkloster ging um dort zu meditieren. Das war aber auf die Dauer nichts für mich weil ich es mich weiterhin in den Fingern juckte und mein Lehrmeister Lin-Xiao mit meinem Gekritzel nicht einverstanden war. Er sagte, das Zeichnen stehe meiner Erleuchtung im Wege, was ich recht lustig fand weil das Wort „Illumination“ sowohl ein Synonym für „Erleuchtung“ als auch für „Illustration“ ist.
          Wie dem auch sei, nach etwas mehr als einem Jahr verliess ich das Kloster wieder, aber meinen Mönchsnamen „Fu-Fu“ habe ich behalten. Er bedeutet soviel wie „wohlhabende Fledermaus“… ich fühle mich damit immer ein bisschen wie Bruce Wayne.

  5. Meine Frage an FuFu wäre pragmatisch: Ich will ja nicht unken, aber denkst du, dass den den Job bis zur Rente ausführen kannst? Wenn der körperlich so beanspruchend ist, wird das nicht ein Problem in Zukunft?

    • Naja, ist ja nicht immer so anstrengend aber es gibt eben immer wieder sehr arbeitsintensive Phasen, zumindest bei mir. Wenn’s mal nicht mehr so geht, dann muss man halt langsamer treten. Die Frage ist jedenfalls durchaus gerechtfertigt.

  6. Zunächst einmal vielen Dank für diese schöne Folge. Ich bin kein guter Zeichner, aber ich bewundere die Arbeit von Illustratorinnen und Illustratoren sehr. Ich lese sehr gerne Comics und mag es auch, wenn Rollenspielwelten in Comic-Stilen bildert werden.
    Ich habe das Metal Heroes Buch begeistert gespielt und werde auch immer wieder auf das Buch angesprochen, wenn ich das geschmackvolle T-Shirt zum Buch trage.Wer hat da eigentlich das Logo entworfen?
    Abgesehen von FuFus Bildern, die ich wirklich sehr hochklassig finde, weil sie eben sehr vielschichtig sind und nicht nur wunderbare Einblicke in die Spielwelt liefern-z.B. in Splittermond-sondern auch immer eine kleine Geschichte erzählen, gefallen mir natürlich auch andere Illustrationen.
    Diese sind aus dem Aspekt heraus bedeutend, dass sie die Wall of Text durchbrechen. Ich nehme mir für die jeweiligen Bilder immer auch die Zeit sie zu studieren und Einzelheiten anzuschauen. Was man da manchmal entdeckt. Großartig!
    Mein Einstieg in das Rollenspiel war mit der World of Darkness und daher bin ich bis heute mit den Illustrationen Tim Bradstreets verbunden. Es muss nicht knallbunt sein, um zu wirken. Es kann aber bunt sein und viel Freude bereiten. Auch wenn ich nie eine Spielrunde für Low Life finden werde, sind Andy Hopps Bilder der unzerstörbare Regenbogenhammer http://muthaoithcreations.com/
    Eine Mischung aus Kinderbuch, Comic und grenzenloser Vorstellungskraft -ganz wundervoll.
    FuFu, illustrierst du auch für ausländische Rollenspiele? Es interessiert mich, ob Rollenspielverlage auch über den Tellerrand hinausschauen oder eher die Leute beschäftigen, die halt im Land erfolgreich sind?
    Jedenfalls weiter so ihr alle!
    Cheers!

    • Hi David,
      die (frühe) World of Darkness fand ich auch großartig, wegen der interessanten philosophischen Konzepte und gerade auch der vielfältigen Illustrationen.
      Momentan sind keine Illus für ausländische RPGs in Planung, aber in der Vergangenheit kam das durchaus vor.
      Z.B. habe ich eine ganze Reihe Bücher zum britischen Rollenspiel „Victoriana“ und zu „Tigres Volants“ aus Frankreich bebildert, darüber hinaus etliche kleinere Indie-Produkte aus den USA. Kann also auch leicht wieder mal sein, dass ich was für’s Ausland mache.

  7. Hi zusammen,

    Illustrationen sind mir bei Rollenspielen sehr wichtig, da sie ein tolles Mittel sind, damit sich alle am Tisch etwas ähnlich vorstellen.

    Um für wichtige Personen, Szenen und Orte Bildmaterial zu finden, verwende ich recht viel Zeit und umgekehrt sibd es häufig Illustrationen die mich erst dazu bringen eine bestimmte Figur zu spielen oder in ein Abenteuer zu schreiben.

    Fragen an FuFu:

    1) Gab es schonmal ein Motiv bei dem du abgelehnt hast es zu illustrieren?

    2) Setzt du lieber realistische Motive um oder eher phantastisches/noch nie dagewesenes?

    3) Wie beliebt sind Commissions im Sinne von „kannst du mal meinen Charakter etc zeichnen“ aus deiner Erfahrung unter Illustratoren? „Netter zuverdienst und Abwechslung“ oder eher „Dankend abgelehnt“ weil die Interessenten entweder 1000 Mails brauchen, um auszuschreiben was sie wollen oder ein viel zu konkretes Bild im Kopf haben?

    Liebe Grüße,
    Robert

    • Hi Robert,
      zu 1)
      Im Rollenspielbereich kann ich mich jetzt nicht erinnern, dass ich ein konkretes Motiv abgelehnt hätte, aber ich habe mal einen Werbeillu-Job abgelehnt, weil es für einen Rüstungskonzern gewesen wäre. Die Werbeagentur die mich damals angefragt hatte, hat sich danach nie mehr bei mir gemeldet. Man sieht: Überzeugungen zu haben kann teuer sein 😉
      zu 2)
      definitv letzteres!
      zu 3)
      Dazu, wie andere IllustratorInnen das sehen kann ich keine Aussage treffen, das ist bestimmt ziemlich unterschiedlich. Was mich selbst betrifft mache ich das zwar eher selten aber nicht ungern. Hab da bisher keine nervigen Erfahrungen gemacht.

  8. Liebe Eskapodcast-Hörer,
    Vielen Dank für eure Kommentare und Fragen! Schön zu lesen, dass einigen von Euch meine Arbeiten bekannt sind und, dass das Interview für euch von Interesse war.
    Ich war die letzten Tage viel unterwegs, und vorhin erst heimgekommen deshalb antworte ich jetzt erst. Morgen antworte ich dann den einzelnen Fragen.
    Viele Grüße!
    FuFu

  9. Illustrationen sind für mich sehr wichtig, um in die jeweilige Szenerie reinzukommen. Unser Spielleiter nutzt sie ständig und ohne Illus würde mir etwas fehlen.
    Zu Studienzeiten war ich mit einem Illustratoren befreundet, der damals viel für sein selbst erdachtes Rollenspiel zeichnete (Opus Anima, damals noch NewQuest), welches wir häufiger testgespielt haben (heute kennt der eine oder andere vielleicht Jakob oder die SteamNoir Comics). Das fand ich immer tief beeindruckend, vor allem wenn ich dann auf meine schäbigen Zeichnungen vom Botanikkurs geschaut habe, wo ich direkt nach den ersten 3 Strichen gemerkt habe „Junge, das wird nix mehr“ 😉

    Lieber FuFu,
    mein Lieblingswerk aus Deiner Feder ist die Darstellung von Torxes von Freigeist, dem Joker (oder Schwarzschelm) in der DSA Abenteueranthologie Stadtstreicher. (falls Martin mitliest, die Version von Caryad ist natürlich auch super!).
    Dahin geht auch meine Frage an Dich:
    Kanntest Du die anderen Torxes-Zeichnungen bereits oder versucht man dann eher, gänzlich unbeeinflusst ans Werk zu gehen (sofern das im Rahmen der Auftragsgebervorgaben natürlich geht)?

    • Hi Dominik,
      ja den Torxes zu zeichnen hat viel Spass gemacht! Und nein, ehrlich gesagt kannte ich den Charakter vorher nicht. Kann mich auch nicht mehr erinnern ob ich dafür ein Referenzbild bekommen habe, könnte aber schon sein. Grundsätzlich habe ich eigentlich kein Problem damit mir andere Versionen anzuschauen bevor ich meine eigene Interpretation eines Charakters zeichne. Das ist m.E. ganz nützlich, um die Waage zwischen eigenem Stil und Wiedererkennbarkeit für die Spieler (und die ist ja auch wichtig!) zu halten.

  10. Hallo Fufu & Martin und danke für diese sehr unterhaltsame und informative Folge!

    Illustrationen an sich finde ich für Printmedien allgemein schon sehr wichtig bzw. unumgänglich, um auch erstmal überhaupt das Interesse beim Rezipienten zu wecken. Ob es jetzt ein gutes Buch- oder Plattencover ist, oder tolle Bilder, die den Text auflockern… gerade Bereich der (angewandten) imaginären Literatur sind gute Illustrationen nicht mehr wegzudenken, da sie mMn viel zur Atmosphäre beitragen. Ich persönlich lege da schon erhöhten Wert drauf. Zu Schulzeiten habe ich selbst auch noch relativ viel gezeichnet, leider ist das ganze dann aus Zeitgründen immer weniger geworden und heute geht es kaum über ein Glubschaugen-Monster zum Ausmalen für meinen Sohn hinaus. 😉
    In jungen Jahren hat mich besonders Bruce Pennington beeindruckt, mit seinen weiten surrealen Landschaften und aus jüngerer Vergangenheit ist da Keith Thompson zu nennen, bekannt für seine Illustrationen zur „Leviathan“ Trilogie von Scott Westerfeld.

    FuFu, deine Arbeiten kannte ich vor dieser Folge nicht wirklich bewusst, nach dieser Folge hast Du in mir aber definitiv einen neuen Anhänger gewonnen. Dein S/W Stil erinnert mich stellenweise sehr diverse Plattencover, die man vornehmlich aus dem Crustcore kennt. „99 Ways Not To Draw Cthulhu“ und „Ray Murphy & Molluskhead“ sind großartig!

    Auch ich habe natürlich einige Fragen an Dich:
    1. Du kannst eine Sache unbegrenzt haben, musst aber auf die andere Sache verzichten: Papier oder Radiergummi – was wählst Du?
    2. Wie viel deiner Sehkraft hast Du bis jetzt schon durchs Zeichnen eingebüßt? Ich erinnere mich, dass je detaillierter eine Zeichnung wurde, desto näher rückte ich früher mit der Nase an den Bleistift heran. Heute bin ich kurzsichtig! Wie sieht das bei Dir aus?
    3. Meine Partnerin steht auf diese neumodernen Ausmalbücher für Erwachsene. Ich bin es leid, sie ständig nur Elfen und Ponies ausmalen zu sehen. Darum meine Frage: wann bringst Du „99 Ways Not To Color Cthulhu“ auf den Markt?

    Viele Grüße,
    Ronny

    • Hallo Ronny,
      danke für deine lobenden Worte!
      Zu deinen Fragen:
      1) da nehme ich natürlich Papier! ohne Ratzefummel komm ich zur Not aus.
      2) bin nicht sicher, ob man wirklich schlechte Augen von zuviel Zeichnen kriegt, ich vermute das ewige Starren auf einen Monitor ist viel schädlicher… aber ja, ich wurde während der Grundschule schon kurzsichtig und bin jetzt jeit vielen Jahren konstant bei ca minus 10 Dioptrien.
      3) Ha! Ja, die „99 ways“ sollen tatsächlich mal zu einem Buch werden, wenn auch nicht zu einem Malbuch. Aber über so eins hab ich auch schon öfter mal nachgedacht. Mal sehen…

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