Folge 35 – Haben die Spieler eine Bringschuld?

Aufs Sofa fallen, den Kartoffelchip zum Mund führen, ins Spiel eintauchen – darf man sich einen Rollenspielabend kredenzen lassen? Will man das überhaupt? Gilt das Genussprimat oder ist man darüber hinaus irgendwie in der Pflicht? Wir diskutieren, was man tun kann, wenn man den Rollenspielbetrieb auch als Spieler aktiv unterstützen möchte, und wie weit man dabei gehen muss.

Cast: Martin, Holger, Sara, Robert Länge: 40:52

Inhalt:
00:45 Zuspätkommer und Würfelschnorrer: Typologisierungen in der Rollenspielerhölle
04:24 je ne regrette rien: ein Spieler sein, Spaß haben dürfen
06:41 Darf der Spielleiter auf den Tisch hauen? Sollte man spuren?
12:09 sein Innerstes erforschen: wissen und aussprechen können, was man eigentlich will
18:49 mal klar kommen: relevante Regeln draufhaben, sein Charakterblatt aktuell halten
24:50 das Feedback ist mächtiger als das Schwert: nachbesprechen & Einfluss ausüben
29:25 no shirt, no shoes, no Schwertkampf: die erwartbare materielle Minimalausstattung
32:52 die Zeche zahlen: dem Spielleiter wirkliches, echtes Geld rüberschieben !?
36:34 amtlich: Ratschläge und Tipps für Spieler im DSA5-Grundregelwerk

Links:
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Pegasus-Spiele: Shadowrun 5 Spielleiterschirm mit Cheat-Sheets

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12 Gedanken zu „Folge 35 – Haben die Spieler eine Bringschuld?

  1. Pingback: Aus dem Limbus: Rezensionen, Rollenspieler und Rassismus | Nandurion

  2. Also wir spielen schon seit 20 Jahren in der Gruppe. Was Essen an geht, wird im Regelfall bestellt. Also Pizza z.B. und dann bringen immer noch Spieler/Meister was zum snacken mit was auf den Tisch kommt.

    Mit Büchern haben wir jetzt bei DSA5 das wirklich als Gruppe gekauft. Also jeder gibt einen 5er und wir kaufen das Buch/Spielleiterschirm usw.

  3. Ich finde das Wort „Bringschuld“ zu scharf, vor allem steht es so elementar alleine. Einer hat eine Bringschuld, der andere bekommt was. Da kann das gegenüber ja nicht auch eine Bringschuld haben. Und genau das ist wichtig, das alle eine mitverantwortung am Spielspaß haben.

    Im Podcast kommt das Wort ja auch gefühlt spät und die Auseinandersetzung mit den einzelnen Punkten fand ich erstaunlich gelungen.

  4. Gelungene Folge und interessante Diskussion.
    Die Sache mit der „Bringschuld“ sehe ich auch eher kritisch. Man trifft sich ja, um Spaß zu haben, und nicht, weil man irgendwelchen Verpflichtungen nachkommen muss. Daher finde ich „Bringschuld“ einen ungeschickt gewählten Begriff. Worum es bei euch letztendlich ging ist doch, welche Aspekte des Spiels bzw. der allgemeinen Spielumstände man im vorhinein in der Gruppe besprechen muss, damit sich letztendlich jeder wohl fühlt.
    Und das ist meiner Meinung nach eine Diskussion, die sich in der Gruppe ergeben muss und die sich normalerweise auch im „laufenden Betrieb“ mehr oder minder slbstständig löst. Es ist nicht so, dass ein Spieler (oder Spielleiter) mit dem Finger nacheinander auf die einzelnen Mitspieler zeigt und sagt: „Du bringst die Chips mit, du liest die Regeln, du hälst die Klappe, wenn ich rede, …“
    Wenn man merkt, dass die Leute mehr Süßkram wollen, dann bringt doch in der Regel schon irgendwer was mit. Und zwar nicht, weil er sich dazu verpflichtet fühlt, sondern weil er das gerne tut, um die Gruppe im ganzen zu unterstützen und allen (auch sich selbst) eine schöne Zeit zu ermöglichen. Meiner Erfahrung nach, muss man da vorher gar nicht so viel absprechen oder gar zuweisen. (Und wenn es wirklich um die Finanzen geht, dann kann man ja in die Mitte der Tisches eine Spardose stellen, in der jeder (anonym und geheim?) einen kleinen Betrag für Essen und Trinken einwerfen kann.)

    Das Kaufen und Lesen von Regeln und Hintergrundwissen ist vielleicht nochmal ein anderer Punkt. Hier sehe ich es ganz klar so, dass der Spielleiter die (Grund-)Regeln und das relevante Hintergrundwissen beherschen muss. Sorry, aber da muss man als Spielleiter durch. Das ist wichtig, um den Spielern ein konsistentes Bild der Spielwelt vermitteln zu können und um den Spielfluss zu gewährleisten (indem man nicht die Regeln für jede einzelne Probe jedesmal nachschlagen muss). Tendenziell hat man als Spielleiter eh einen ganzen Zoo verschiedenster NPCs zu betreuen und muss daher auch verschiedenste Regeln zumindest oberflächlich beherrschen.
    Die Grundregeln (Welche Würfel brauche ich für welche Probe? Wann muss ich was auswürfeln? Wie steigere ich meinen Charakter? …) sollten die Spieler irgendwann auch drauf haben, aber hier reicht es meiner Meinung nach, wenn sie das im Spiel erlernen, anstatt vorher das Regelbuch zu lesen. Wie ihr aber schon sagt: Hier kommt es vielleicht auch darauf an, auf welches Level von Regeldetails man sich vor dem Spiel geeinigt hat.
    Bezüglich Hintergrundwissen finde ich, dass die Spieler so wenig wissen sollten, wie irgendwie möglich. Klar kann man sich anlesen, was der eigene Charakter vielleicht wissen würde. Aber für die Spielerfahrung halte ich es für förderlich, wenn man erst im Abenteuer lernt, was es eigentlich mit diesen Elfen (z.B.) auf sich hat. Das zwingt die Spieler auch zum Zuhören, Nachfragen und generell zur Interaktion mit der Spielwelt und dem Spielleiter.

    Damit verlange ich natürlich recht viel von meinem Spielleiter. Aber irgendwo gehe ich auch davon aus, dass man sich in der Gruppe vor dem Spiel darauf geeinigt hat, wer das Spiel leitet, und dass das in der Regel auch derjenige ist, der am Meisten Bock drauf hat. Oder derjenige, der sich eh für die Hintergrundwelt oder die Regeln interessiert und sowieso vor hat, alles zu lesen.
    Ähnlich sehe ich das auch beim ausprobieren neuer Systeme: Das schlägt normalerweise auch derjenige vor, der am meisten Interesse daran hat und der sich früher oder später wahrscheinlich eh mal eine Grundbox zugelegt hätte (einfach, um mal rein zu schauen). Klar sollte man darüber reden, ob der Rest der Gruppe auch mal Lust hätte, dieses System auszuprobieren. Aber eigentlich finde ich schon, dass derjenige, der es vorschlägt, dann auch den ersten Schritt machen muss und dafür sorgen muss, dass alles Spielmaterial für eine erste Runde vorhanden ist. Wenn mehr Leute interesse haben, kann man sich den Kram ja immer noch teilen.

    Aber wie eingangs erwähnt: Ich denke eigentlich nicht, dass es in einer realen Spielrunde zu so viel Diskussion über diese Outgame-Geschichten kommt. Unter halbwegs vernünftigen Leuten ergibt sich das schon immer von selbst. Und wenn es sich so ergibt, dass ein Spieler den Löwenanteil an Verpflegung, Spielmaterial und Spielwissen beibringen „muss“, er das aber nicht will, dann sollte er das zwar so sagen, aber nicht auf andere Spieler deuten und sagen: „Du muss das jetzt machen.“

    • Ich denke, du hast da im Wesentlichen Recht.

      Eine Anmerkung noch: Der sozusagen gespiegelte Anspruch, der „Spielleiter müsse xyz tun“ korreliert häufig mit Personen, die selber diesen Job niemals übernehmen würden. Diese Verbindung finde ich manchmal etwas verdächtig.

      „Auch mal die Chips mitbringen“ steht in einem relativ defensiven Verhältnis zu „den Spieleabend organisieren“ und zwar auf vielen, vielen Ebenen. Warum nicht als Spieler einfach mal die blöden Star-Wars-Würfel kaufen, wenn was Neues ausprobiert werden soll, obwohl das erhebliche Risiko besteht, dass sie danach im Schrank vergammeln? Es wäre immerhin ein echter entlastender Beitrag. 🙂

      • Jein. Das ist ja genau das, was ich meine: Natürlich gibt es Leute, die nicht so gerne Spielleitern und es mag auch sein, dass das genau die Leute sind, die auch nicht so gerne Regeln lesen. Aber gibt es den anderen Fall nicht mindestens genauso häufig? Also dass gerade der, der gerne (oder zumindest „nicht ungerne“) Spielleitert, auch gerne mehr über die Welt und das Regelsystem wissen will? Meiner Erfahrung nach gibt es diesen Zusammenhang schon auch.
        Und dann kommt es eben darauf an, dass man sich anfangs gleich in der Gruppe einigt. Wenn der potentiell angedachte Spielleiter sagt: „Ne, ich will auch mal selber spielen.“, dann muss man sich eben anders einigen. Ich will niemandem das Recht absprechen, sich zu weigern, irgendetwas zu tun. 😉
        Im Fall des Spielleiter stelle ich es mir aber tatsächlich schwierig vor, zu sagen: „Ich spielleitere, aber jemand anders liest die Regeln.“

        Im zweiten Punkt gebe ich dir auf jeden Fall recht, es ist ein großer Unterschied zwischen „die Chips mitbringen“ und „alles organisieren und kaufen“. Aber hier liegt die Betonung auch auf dem „organisieren UND kaufen“, denn das muss ja nicht so sein. Es kann ja auch mal Spieler A den Termin koordinieren und sein Wohnzimmer aufräumen, und Spieler B bringt das Spielmaterial mit. Gerade wenn man ein neues System testet, bei dem es nur um die Grundbox und nicht um die drei Meter Wandregale mit Büchern, Gegenständen und Kram geht, ist es ja nicht zwingend, dass man sich beim Spielleiter und/oder dem Besitzer des Spiels trifft.
        Das (zwingend) benötigte Spielmaterial aufzuteilen halte ich für weniger geschickt, weil man dann oftmals das Problem hat, dass das Zeug nicht beisammen liegt, wenn man es braucht.
        Ich verstehe schon deinen Punkt und ich sehe ein, dass es vielleicht ungerecht ist, eine Person das komplette finanzielle Risiko für ein neues System tragen zu lassen. Andererseits ist meine Überlegung vor dem Kauf von etwas Neuem meist: „Ist mir der Spaß das Geld wert?“ Wenn ja, dann kaufe ich es und teile das Material dann eben bereitwillig mit eventuellen Mitspielern. Wenn nicht, dann lasse ich es sein. In letzterem Fall aber zu sagen: „Passt auch Leute, ich will das spielen, aber ihr müsst was bezahlen, damit ihr mitspielen dürft.“ (um es mal überspitzt auszudrücken), würde mir nicht einfallen.

        • Die Regeln kann man schon in großen Portionen oursourcen, wenn man das möchte. Und zwar meistens dann, wenn es sich um periphere Subregelkomplexe handelt. Das Schwarze Auge ist ja relativ berühmt für sowas (oder war es bislang jedenfalls in der vierten Edition).

          Es reicht meistens, wenn der Spieler eines Pflanzenkundlers die Pflanzensammelregelmechanismen drauf hat, der Tierkundler die Tierführungsregelmechanismen, der Alchimist die Alchimieregeln. Das braucht der Spielleiter nicht zwingend alles zu können.

          • Ja klar, keine Frage. Entschuldige, wenn das vielleicht falsch rüber kam. Sowas kann man klar outsourcen. Aber um am Beispiel aus eurer Folge zu bleiben: Wenn ein Elfenabenteuer gespielt wird und der Spielleiter keine Ahnung von Elfen hat, weil er das Buch nicht gelesen hat, dann funktioniert das nicht.
            Von meinem Spielleiter zu verlangen, dass er alle Regeln und Infos zu einem absurden Nieschencharakter, den ich mir gebaut habe, auswendig lernt, ist sogar mir zu viel des Guten. 😉

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