Folge 61 – Karl-Heinz Witzko, Rollenspiellegende (Interview)

Am Rande der Nacht, Jenseits des Lichts und Westwärts, Geschuppte! – Spielbücher, über die man noch zwei Jahrzehnte später ehrfurchtsvoll spricht, ausgedachte Inseln, die ihren eigenen Fankult begründen, Romane, die vor gepfeffertem Humor nur so strotzen: all das sind nur Fragmente des einzigartigen Repertoires desjenigen Mannes, der uns in dieser Folge für eines seiner seltenen Interviews besucht: der legendäre Karl-Heinz Witzko!

Cast: Martin, Karl-Heinz Länge: 45:08

Inhalt:
00:52 Risiko spielen, Plastiktüten sammeln: die Fundamente eines Kreativ-Genies
02:41 vom aristokratischsten Einstieg ins Rollenspiel aller Zeiten
09:15 wie man mal eben ein Redakteur des Schwarzen Auges wird
11:27 Rauchzeichen, Postkutschen und Telegraphenmasten: von der guten alten Zeit
14:58 Geister der Vergangenheit: vom Verweisfehler in „Auf der Suche nach einem Kaiser“
18:07 das Witzko-Erlebnis: schräge Perspektiven und versteckte Späße
21:40 die letztgültige, ultimative Abrechnung (echt jetzt!): „Maraskan ist Japan, stimmt’s?“
24:58 warum man die Redaktion des Schwarzen Auges verlässt
27:09 Triumvirat plus one: Aus- und Aufbruch mit dem Gezeitenwelt-Projekt
31:14 Sätze basteln, Sätze drechseln: schreiben können wie Karl-Heinz Witzko
35:49 Neuerscheinung: Blut der Götter
40:57 Kontakt, Support, Fanmail, Liebesbriefe
42:43 „Lassen Sie den Witzko nie mehr was schreiben, der nimmt das gar nicht ernst!“

Geschenkaktion: Loote den Eskapodcast! (detaillierte Teilnahmeregeln)
Geschenk: Drachenwerk und Räuberpack (DSA5)
Mäzenatin: Tanja (Emporion of Games)
Beantworte bis zum 15.10.2016, 24 Uhr, folgende Frage in den Kommentaren zu dieser Folge: „Welche Erlebnisse hattest du mit den Werken von Karl-Heinz Witzko? Was verbindest du mit dem Autor?“ Viel Erfolg! 🙂

Links:
„Blut der Götter“ (Piper Verlag)
„Blut der Götter“ (Amazon)
Karl-Heinz Witzko (Wiki Aventurica)
Karl-Heinz Witzko: Termine, Informationen und Kontakt, Leseproben zu sämtlichen Veröffentlichungen (Facebook)
„Wahre Drachensaat“ (Der Spiegel, 1984)
Die Gezeitenwelt
Jenseits des Lichts (Abenteuermodul)
Westwärts, Geschuppte! (Roman)
Auf der Suche nach einem Kaiser (Spielbuch)
über Plastiktütensammler (Eskapodcast – Folge 58: Sammlerglück und Sammelwahn)

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34 Gedanken zu “Folge 61 – Karl-Heinz Witzko, Rollenspiellegende (Interview)

  1. Ich schnappe mir mal den ersten Kommentar: Ja, die Qualität der Aufnahme schwankt leider manchmal, das ist bei den Interviews nicht immer ganz zu vermeiden. 🙂 Genießt es trotzdem!

  2. Oh Käpt’n, mein Käpt’n!

    Ich hab karlis Werke teils als nicht von dieser Welt erlebt.
    Mit ihm verbinde ich tolle Erinnerungen an einen lieben Menschen, der mir in meiner frühen Rollozeit geholfen hat

  3. Zunächst ein Kommentar meinerseits, bevor ich die Folge gehört habe. Mit Karl-Heinz Witzko verbinde ich in erster Linie zwei der wunderbarsten Solo-AB’s, die ich je gespielt habe: A54 Am Rande der Nacht und A55 Die Ungeschlagenen.
    Wir hatten gerade das Jahr des Greifen beendet und wollten die G7 angehen. Zwischen den Abenteuern / bzw. Kampagnenabschnitten besprechen wir mit unserem Meister was die Helden gerne tun möchten (wir treffen uns nur ca. alle 3-5 Monate zum spielen und haben daher zwischendurch Zeit für sowas). Als Vorbereitung zu dieser Kampagne hat mir mein Meister diese beiden ABs nahegelegt und sie dann in meinem Handout eingebettet (siehe Link, aber Vorsicht, Spoiler!). Eigentlich bin ich kein großer Solo-AB-Fan, aber das hatte sich gelohnt. Man trifft sehr interessante Charaktere und wird in Ereignisse verwickelt, die zwar mit der G7 zusammenhängen aber nicht unmittelbar nötig sind, um die Kampagne zu spielen. Sie bieten aber einen großen Mehrwert aus meiner Sicht.

  4. Spannendes Interview. Karl-Heinz Witzko ist mit vor allem durch seine Soloabenteuer ein Begriff.

    In der Folge kommt ein sehr schöner Versprecher vor direkt meine Fantasy beflügelt: „Silvanas Betreuung“ 😀

    Das Abenteurer müsst wirklich mal geschrieben werden. Der Klappentext könnte ungefähr so lauten:
    In ihrer Jugend war die junge Silvana von Havena eine Schönheit, für die mancher Recke freudig die siebte Sphäre durchwandert hätte. Nun ist sie jedoch in die Jahre gekommen. Aufgrund schrecklicher Erlebnisse in jungen Jahren, ist die über Fünfzigjährige früh gealtert und offenbar auch geistig senil geworden. Oftmals erzählt sie wirre Geschichten von fürchterlichen Piraten und Orks, die in Kellern unter Havena hausen sollen.
    Zunächst scheint die Aufgabe der Helden ganz harmlos. Sie sollen ein wenig auf die alte Silvana aufzupassen. Doch dann verschwindet diese spurlos und Havena wir von einer großen Gefahr heimgesucht …

  5. Welche Erlebnisse ich mit Karl-Heinz Witzko verbinde?
    Vor allem die Erkenntnis, dass der (meiner Meinung nach) beste und einfallsreichste deutsche Fantasyautor relativ unbekannt ist. Witzko ist sprachlich kompakt und ich erfreue mich jedesmal wieder daran, wie er es schafft selbst den trivialsten Handlungen durch eigenartige Perspektiven etwas Neues abzuringen. Zumindest mir kommt es so vor, als sei jeder Gedanke frisch. Ich freue mich auf Blut der Götter, auch wenn die Kobolde noch ungelesen zu Hause liegen (ich muss mir mal das eBook zulegen…)

  6. Vielleicht weil ich DSA kaum spielte, muss ich gestehen, dass mir der Name überhaupt nichts sagte. Nach dem großen Lob, möchte ich mir aber definitiv einmal „Westwärts, Geschuppte“ reinziehen.

    • Im Interview lag der Fokus nun auf Westwärts. Das ist auch richtig gut, aber eben sehr speziell. Falls Du Interesse hast, dann ziehe Dir für wenig Geld am besten vorher noch die Dajin-Trilogie aus karlis Feder: Tod eines Königs, Die beiden Herrscher, Die Königslarve. Bei Fragen zum Kontext hilft das DSA-Wiki mit den dort knappen Antworten gut aus.

      Die Dajin-Trilogie ist für mich große Literatur. Na, vielleicht ist das ein zu gewichtiges Wort, daher formuliere ich es mal so: Ich mag kaum einen Fantasy-Roman. Vieles ist Kitsch, Stereotypie, schlechte Sprache, Massenware. Die Dajin-Trilogie ist anders. Die habe ich mehrfach schon mit großen Augen gelesen. Und sie hat einen der großartigsten Antagonisten, der jeweils in einem Roman das Licht der Welt erblickt hat. (Wobei man eigtl nicht recht von einem Antagonisten reden kann. Es ist wohl eher ein Komplementärgonist :))

      Im Interview klang es ja auch an: Es gibt immer wieder irdische Anleihen zu finden, und seien es Liedtexte. Daher bilde ich mir beim Lesen wer weiß was ein und rätsele immer, ob diese oder jene Stelle etwas meinen könne. Das verändert das ganze Lesegefühl. 🙂 So denke ich mir noch immer, dass die mE großartige Eingangszene aus Tod eines Königs (der Zoom in die Burg) etwas vor mir verbirgt, für das ich noch keinen Schlüssel habe. Ich kann die wieder und wieder lesen. Es bleibt toll.

  7. Danke für das tolle Interview und die Frage nach der Zukunft der Gezeitenwelt. Ich wäre bei einem kickstarter sofort dabei!

    Meine besonderen Erlebnisse mit KHW sind vor allem Leseerlebnisse. Ein Kumpel hatte die Dajin-Trilogie und mir nach dem ersten Band davon vorgeschwärmt. Ich hab mir Band 1 ausgeliehen und weil ich es nicht erwarten konnte weiter zu lesen, habe ich mir Band 2 dann gekauft, bevor mein Kumpel damit fertig war.
    Nachdem ich Treibgut und Spuren im Schnee gelesen hatte, musste ich unbedingt einen Maraskaner spielen und habe den guten Mann, der rein zufällig Sheijian hieß, lange und sehr gerne gespielt (auch wenn der Rest der Gruppe von meinen maraskanisch-philosophischen Anwandlungen eher wenig begeistert war). 🙂

  8. Ich sehe Witzko immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich kenne keinen Autor bei dem ich mich so gut amüsiert habe, aber den ich bei manchen Büchern auch einfach weglegen musste. „Westwärts, Geschuppte!! und auch „Die Kobolde“ fand ich klasse, da hab ich sehr oft gelacht. Die Maraskan-Trilogie hingegen musste ich dann irgendwann weglegen, weil ich seinen Gedankengängen nicht folgen konnte.

    Aber „Hauptsache gut verfugt!“ aus „Die Kobolde“ zitiere ich immer so oft wie möglich.

    • Martin! Du musst die Trilogie nun noch einmal lesen. Du warst viellleicht einfach zu jung. 🙂 Es handelt sich hierbei nicht um einen Roman, für den man Sekundärliteratur benötigt. Komisch, ich bin ja sonst nicht der Hellste, aber Verständnisprobleme hatte ich an keiner Stelle. (Maraskan ist die Insel im Osten, Nostria ist ein Ländle im Westen. :))

      • Hm, in der Nachbetrachtung liest sich mein Beitrag beinahe despektierlich. Das ist so nicht gemeint.

        Ich meinte eigtl nur, dass die Trilogie mE wirklich gut ist und dennoch kein intellektueller Stolperstein. 🙂

        • Keine Angst, hab ihn nicht so aufgefasst. Ich hab ja auch sehr lange DSA 3 gespielt und unser SL hatte – als großer Witzko-Fan – eh einen Maraskan-Fimmel.

          Ich fand es einfach sehr verwirrend geschrieben (kann mich aber nur noch an irgendwas mit Schmetterlingen erinnern). Hat mich aber auch nicht abgeschreckt, weitere Witzko-Romane zu lesen. Denn sein Schreibstil ist ja schon sehr ungewöhnlich, um nicht zu sagen einmalig. Manchmal passt es dann eben auch nicht mit den Erwartungen (oder aktuellen Leselaune) des Rezipienten zusammen. Aber bevor ich die alten DSA-Schinken nochmal lese, hab ich mir lieber das neue Buch auf meine Wunschliste gesetzt.

          • Ich kann mich auch noch entsinnen, dass ich beim Lesen der Dajin-Trilogie zwischendurch auch gezweifelt habe, aber am Ende macht dann alles Sinn und fügt sich hervorragend zusammen – einzigartig gut!

  9. Vielen Dank für das tolle Interview – es war für mich ein wahrer Augenöffner. Das Soloabenteuer „Straßenballade“ war eines der ersten Rollenspielprodukte, die ich damals, mit gerade einmal zehn Jahren, mein Eigen nennen durfte. Aus Ermangelung geeigneter Spielpartner, die in meiner Altersgruppe auf dem platten Holsteiner Land rar gesät waren, hatte ich zu jener Zeit noch keine eigene Rollenspielgruppe gefunden und auch noch nicht so ganz verstanden, wie denn so ein „Gruppenabenteuer“ funktionieren sollte. So ein Solo-Spielbuch aber war für mich eingängig und funktionabel, denn es ließ sich ohne weiteres allein spielen und vermittelte doch eine Fülle von dem Lesespaß und dem Fantasy-Flair, nach dem ich mich als frischgebackener Gymnasiast sehnte. Selbstverständlich verstand ich bei weitem nicht alles, was ich las – am wenigsten wahrscheinlich die besagten Musikzitate) – doch verliebte ich mich wohl unterbewusst schon seinerzeit in Karl-Heinz Witzkos ausgefeilten und abwechslungsreichen Sprachstil.
    Ich glaube, diese Lektüre, auf die zunächst weitere Solos und später auch die Romane von ihm folgten, hat einen Gutteil dazu beitragen können, meine Begeisterung für Sprache zu wecken und mag auch nicht ganz unschuldig daran gewesen sein, dass ich mich elf Jahre später dazu entschied, Literaturwissenschaften zu studieren. Ohne mich selbst als einen Epigonen bezeichnen zu wollen, denke ich schon, dass Witzkos Werk – ob es sich nun um seine DSA-Publikationen, die Gezeitenwelt, die Kobolde oder auch nur geistreiche Beiträge im Vinsalt-Forum handelte – mich in meinem eigenen Sprachstil beeinflusst, mich immer wieder inspiriert und neugierig gemacht hat.
    Heute, mit mittlerweile zweiunddreißig Jahren, brüte ich über meiner Dissertation und muss in Tat und Wahrheit feststellen, dass meine Arbeitstechniken den seinen nahezu gleichen. Nicht nur, dass ich denke, in meiner Recherche möglichst genau, manchmal schon fast zu gründlich sein zu müssen; was das Formulieren angeht, ist bei mir das Bedürfnis, meine Sätze tunlichst vollständig und zu Ende zu „drechseln“, sodass sie nach Möglichkeit keiner Bearbeitung mehr bedürfen, ebenfalls überaus stark ausgeprägt. Ich komme also nicht umhin, mich auf diesem (Um-)Weg bei Karl-Heinz Witzko nicht nur für eine Menge spannender Leseerlebnisse, sondern sogar für den prägenden Eindruck, den sein Sprachtalent auf mich seit Kindheitstagen hinterlassen hat, herzlich zu bedanken. Es war schön, ihn hier einmal sprechen hören zu können.

  10. Meine Erinnerungen an Witzko sind gleichzeitug meine frühesten DSA Erinnerungen. Ich bin Jahrgang 86 und begann mit 8 Jahren DSA zu spielen. Christian, der Bruder meines Freundes Tobias (Christian war damals schon in der 5. Klasse!) spielte mit uns „Der Schwarze Turm“ und ich war sofort begeistert von DSA und wünschte mir zum Geburtstag von meinen Eltern und Freunden nichts anderes als DSA Material. Allerdings hieß es damals auch noch nicht „DSA“ sondern „Das Schwarze Auge“.
    Ich bekam davon dann auch jede Menge – zumindest für jemanden, der 9 Jahre alt wurde war das ziemlich viel. Also mehr als ich lesen konnte. Ich bekam:
    – die DSA 3 Basisbox
    – die Tage des Namenlosen
    – Folge dem Drachenhals
    – und Auf der Suche nach einem Kaiser von Karl Heinz Witzko.
    Ich war noch zu klein und hatte zu wenig Geduld, um lange Passagen Meisterinformation zu lesen, mit denen die beiden erste Abenteuer vollgestopft waren und deshalb nahm ich „Auf der Suche nach einem Kaiser“ zur Hand. Ich hatte damals auch um die selbe Zeit bereits „Einsamer Wolf“ und andere Fighting Fantasy Bücher zu lesen begonnen („Die Zitadelle des Zauberers“ war das erste) und war mit Soloabenteuern vertraut.
    Allerdings war Witzkos Stil sehr anders als Steve Jackson. Voller Ironie und das habe ich nicht ordentlich wechseln können – u.a. auch deswegen nicht, weil mir einfach viel Hintergrundwissen zu Aventurien fehlte. Z.B. zu Nostria und Andergast Einige Gags bauten speziell darauf auf. Ich halt zu jung und zu wenig vertraut mit der Welt und habe das aber auch nicht als Schwäche des Abenteurs angesehn. Meine Logik war eine andere:
    In den DSA Abenteuern wird man gesiezt und um das Ganze vollends begreif zu können, muss man daher wohl erwachsen sein.
    Deshalb habe ich auch die Endlosschleife im Abenteuer zwar durchschaut, glaubte aber, dass sie vom Autor gewollt war. Ich habe das Abenteuer nicht lösen können und war darüber auch frustriert, habe aber immer den Fehler bei mir gesehn. Ich habe das Ding zwar immer mal wieder aus dem Regal geholt und auch mal vorgeblättert und den Schluss gelesen, habe es aber nie geschafft das Ding zu lösen. Ich hielt mich halt für zu klein und irgendwann hatte ich dazu auch keine Lust mehr das Ding zu lesen. Wenn ich Soloabenteuer spielen wollte, dann griff ich zu Steve Jacksons Büchern – auf der Suche nach einem Kaiser war mir zu anstrengend und ich kaufte deshalb auch keine weiteren DSA Solos. Hinzu kam auch, dass wir umzogen und ich kein DSA mehr spielen konnte, da ich keine Freunde hatte, die das interessiert hätte.
    Ich begann erst im Alter von 27 wieder DSA zu spielen und gleich das erste Abenteuer, das ich selsbt spielte war „Die Attentäter“!
    Ha! Ich lachte mir innerlich etwas ins Fäustchen, weil ich mich ja nur zu gut an dieses frustrierende Solo AB erinnerte, das ich damals zum Geburtstag bekommen hatte. Ich hatte Vorwissen und wusste schon, dass der Kaiser am Ende auf einem Jagdausflug verschwindet und ich biss mir auf die Zunge und war darum bemüht nichts zu spoilern. Die Meisterpersonen habe ich dennoch alle solange mit der Frage gelöchert, ob und wann der Kaiser wohl zur Jagd ausreiten würde bis mir unser Meister sagte: „Sorry, Du kannst so lange rumfragen wie Du willst, ein Jagdausflug ist nicht geplant!“
    Ich guckte da dann ziemlich dumm aus der Wäsche – das kontroverse Ende hat aber letztlich trotzdem entlohnt fand ich.

    Jedenfalls spielte ich aber auch „Auf der Suche nach einem Kaiser“ nach Abschluss der „Attentäter“ nochmal und mit Hilfe der Wiki Aventurica ward auch die Endlosschleife durchbrochen und das Abenteuer nach fast 20 Jahren gelöst. Das war eine solche Innerliche Genugtuung!

  11. Meine ersten Erinnerungen an Karl-Heinz Witzko verbinden sich mit einer Begegnung auf dem Bielefelder Autorentreffen, wo er auf wunderbare und warmherzige, humorvolle Weise über seine Vorstellungen von Aventurien erzählte. Seine Werke und sein ganzer Stil waren immer außergewöhnlich und ich würde ihn ein bisschen als den „Terry Prechett“ Aventuriens bezeichnen. 🙂

  12. Als ich mich gefühlt vor Äonen entscheiden sollte, ob mein Semi-Verwandlungs-Magier nun aus Lowangen oder Tuzak stammt, fiel mir die Wahl sehr leicht: Natürlich aus Tuzak, denn da lernten die Novizen den „Adlerschwinge“ (In der guten alten Zeit hieß es noch „Adler, Wolf und Hammerhai“ – Ja ja, damals hatten sogar Zaubernamen noch Klasse!) gleich in drei Ausprägungen. Erst Monate später merkte ich durch „Borbarads Erben“, in was für ein Wespennest ich doch geraten war: eine abstruse Kultur, gemengt mit der skurrilen Philosophie, der absonderlichen Religion und der oberflächlich unnachvollziehbaren Easy-Going-Mentalität der Insulaner.

    Es dauerte lange, bis mein Magus sich an „Bruderschwester“, Rurs Plan und präzendajianistische Diskuskdiskurse gewöhnen konnte – aber das war es wert.
    Schnell suchte ich mir Lesefutter und nach der Lektüre von „Spuren im Schnee“ und „Treibgut“ hatte ich einen Narren an Milhibethjida gefressen und war in Scheïjian verliebt. Aber als ich die Dajin-Trilogie verschlang, fühlte ich mich wie Rolling-Stones-Groupies, die ihre Slips gen Mick Jagger schleudern wollen – in meinem Fall waren es dicke Boxer-Shorts und der allflüsternde Schmetterlingsmann war eh viel cooler als Mick Jagger.

    Es verging dann vielleicht eine Woche, bis ich mir Witzkos Solos und Gruppenabenteuer besorgte, die einen weiteren ekstatischen Schub mit sich brachten und mit denen ich auch meine Tischrunde beglücken konnte. Denn während „Westwärts Geschuppte!“ nicht nur bis dato der beste und lustigste DSA-Roman, sondern einer der besten Fantasy-Romane überhaupt ist, den ich je gelesen habe, ist das grandiose „Jenseits des Lichts“ das beste Gruppenabenteuer, das es gibt. Alles in allem traf Karl-Heinz Witzko mit seinem skurrilen und intelligenten Humor genau meinen Geschmack und war auch der Anstoß dafür, dass ich mich getraut habe, selbst Skurriles auf Papier zu bringen – wohlwissend, dass ich die Qualität des Meisters nie erreichen werde.

    Und es gibt heute noch Tage, in denen ich mich fremd in meinem eigenen Garten fühle, mir der Marasfladen zu sehr im Magen liegt, meine 32 Zöpfe mir melancholisch vom Kopfe hängen, die 64 Fragen des Seins wie freudig hüpfende Alrurdan-Käfer hartnäckig mein Gehirn durchlöchern und ich Unverbesserlicher mich deliriös in Balatravis’ Arme Wünsche, während Delusia „Keck springt die Flunder vor Übermut“ in meinem Kopf trällert. Und an solchen Tagen, Bruderschwester, ja genau an solchen Tagen rufe ich mir Rurs Plan in den Sinn, schüttle mir mit Eukolizana-Breakdance die Glieder warm, breite mich unbeschwert auf meinem Phraischaffell aus und schmökere wieder in der Dajin-Trilogie. Und jedes Mal, das schwöre ich bei der Wunderbaren Weltordnung und M’Darrs ungeschlüpftem Ei, wird mir bewusst, was für ein weiser Wortzauberer Schlüpfling Karli doch ist – und was für ein inspirierender Segen für die rollenspielenden Nachwuchsgenerationen!

  13. Zu meiner Schande hab ich noch zu wenig gelesen von Herrn Witzko. Und das noch, obwohl Maraskan meine Lieblingsregion in Aventurien ist. Aber Westwärts Geschuppte hatte mich dann doch noch zuerst erwischt und mich auch zu einem Echsenliebhaber gemacht. Hausaufgaben für mich: mehr lesen!

  14. Pingback: Aus dem Limbus: Witzko-Interview und HeinzCon Returns | Nandurion

  15. Vielen Dank für das interessante Interview und die herausragenden literarischen Schöpfungen. Mit Herrn Witzko verbinde ich insbesondere zwei Dinge: einen vielschichtigen Roman (Treibgut) der mein Interesse an Maraskan sehr befördert hat und dem ich jedem ans Herz legen kann, der mit der Beschreibung, dass im Rur und Gror Glauben die selben Texte immer wieder neu ergründet werden, nicht viel anfangen kann.

    Und als zweites Jenseits des Lichts. Bei dem mich die guten Rezensionen zu einer abenteuerlichen Buchsuche motiviert haben an deren Ende ich es in meinen Händen halten und meistern darf (unter anderem für eine begeisterte Maraskan Spielerin und einen Schauspieler es kann also nir großartig werden und schon das Durchlesen war jede Mühe wert).

    Weiter ausschweifend boten mir und meiner Freundin (die Dame mit dem Faible für Maraskan) bei unserem ersten Treffen stundenlang ein gemeinsames Thema. Es folgten Zusammenziehen, Verlobung und eine wundervolle Tochter und zu wissen, dass jemand vom Lieblingshobby auch so begeistert ist, hatte keinen unwesentlichen Anteil.

    Danke Herr Witzko und preiset die Schönheit BrüderSchwestern.

  16. Ich muss gestehen, dass mir Herr Witzko völlog unbekannt war.
    Aber schönes Interview! Maraskan kommt in heutigen DSA-Publikationen gefühlt viel zu kurz. 🙂

  17. Also bei einem Kickstarter für die Gezeitenwelt wäre ich dabei. Das war ganz großes Kino, und sehr schade dass es nicht mehr weiter ging.

  18. Ich verbinde mit Karl-Heinz Witzko vor allem die Romana. Treibgut war glaub ich der erste und vielleicht auch schlechteste den ich von Wirko gelesen habe. Trotzdem ist mir Scheijian da schon ein wenig ans Herz gewachsen. Mit Tod eines Königs hat dann für mich ein ganz anderes leseerlebnis begonnen. Seit dem liebe ich Witzkos Romane und das hat mir auch Maraskan eröffnet, was sich dann auch am Spieltisch niedergeschlagen hat. Wesentlich später kamen die beiden Herrscher und die Königslarve. Westwärts Geschuppte hat mir dann gezeigt, dass ganz andere sehr witzige Handlungen in Aventurien möglich sind, ohne dass sie einfach als unstimmig im eher bierernsten DSA-Setting wirken. Toll.

    • Und ich hätte wirklich den großen wunsch, dass er nochmal wieder etwas für DSA schreibt. Ich weiß Ulisses ist scheiße mit Autoren umgegangen und viele haben völlig zu recht den Rücken gekehrt. Aber: Die Zeiten ändern sich ja vielleicht auch und Karl-Heinz Witzko ist einer der großartigsten Autoren die DSA hatte und hat ein großes, großes Loch hinterlassen.

  19. Ein gebundenes DSA Gesamtwerk der Romane wäre doch eine super Sache. Ohne Frage besser als wenn sich zum Rahjasutra ein “50 Schattierungen von Grau – Freies Forschen in Punins hohen Hallen“ gesellt.

  20. Jetzt hab auch endlich ich die Zeit gefunden die letzte Podcastfolge zu genießen.

    Als ich vor mehreren Jahre mit DSA spielen anfing, hab ich — nach Ausschluss des Mittelreichs — per Zufall einen Maraskaner gewählt ohne zu wissen was es bedeutet. Mein Spielleiter hat mir daraufhin Auszüge von ‚Blutrosen und Marsken‘ gegeben und in dem Zusammenhang ist für mich der Name Karl-Heinz Witzko ins Bewusstsein gerückt und ich habe ihr seither mit Maraskan in Verbindung gebracht bzw. eher umgekehrt. Von da war es dann nicht mehr weit zu einigen Maraskan-Romanen, die ich lesen durfte (wegen Spoilergefahr). ‚Treibgut‘, ‚Spuren im Schnee‘ und ‚Tod eines Königs‘ waren für spannende und unterhaltsame Romane, die mir, zusammen mit den beiden Soloabenteuern, die auf der Insel spielen, auch für den Spieltisch einen wertvollen Einblick in das maraskanischen Flair gegeben haben. Ein Notizzettel war nie weit weg und ich habe fleißig Redewendungen, skuriele Begebenheiten ja sogar den ein oder anderen Namen gesammelt. Sie waren für mich also Spielhilfe zugleich.

    Eine parallele zwischen der Maraskanhistorie und der Einleitung des neuen Roman ‚Blut der Götter‘ zu ziehen, war in meinem Fall das perfekte Easter egg und ich bis schon gespannt wie das Konzept in völlig anderem Kontext umgesetzt ist bzw. was das daraus entsteht.

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